Großaktionäre machen Kasse bei LEG Immobilien

Goldman Sachs wirft im Auftrag zweier Großaktionäre sieben Millionen LEG-Aktien auf den Markt. Der Kurs sinkt damit erneut unter den Ausgabepreis von Februar. (Foto: wavebreakmedia / shutterstock.com)

„Sell on good news“ – Verkaufe bei guten Nachrichten, dachten sich ganz offensichtlich die beiden Großaktionäre der LEG Immobilien AG in dieser Woche und trennten sich von gut sieben Millionen Stück ihrer Aktien.

Die Finanzinvestoren Whitehall und Perry Capital beauftragten das Brokerhaus Goldman Sachs mit der Platzierung des Paketes und erlösten bei einem Abgabepreis von gemunkelten 41,25 € insgesamt etwas mehr als 288 Mio. Euro. Ihr Anteil am Unternehmen sinkt damit um 13,2% auf etwas über 36%.

Die Entscheidung zum Verkauf dürfte in direktem Zusammenhang stehen mit den vor 3 Wochen veröffentlichten Halbjahreszahlen des Wohnungskonzerns. Das Düsseldorfer Unternehmen hatte seinerzeit über eine Steigerung des operativen Ergebnisses um +11% berichtet. Der positive Ausreißer resultierte aus der Durchsetzung höherer Mieten bei gleichzeitig deutlicher Senkung des Wohnungsleerstandes.

Aktienkurs sinkt bereits nach der Erstnotiz deutlich ab

Die Erfolgszahlen kamen den beiden Großaktionären wohl gerade recht, gelang es ihnen beim Börsengang im Februar diesen Jahres nicht vollständig, den gewünschten Anteil ihrer Aktien am Markt zu positionieren.

Zwar war die Aktienemission zum Börsenstart mehrfach überzeichnet, doch  gleich am ersten Handelstag bröckelten die Notierungen unter dem Emissionsbetrag von 44,00 € ab. Kein Zeichen für ein nachhaltiges Interesse der Erstzeichner am Unternehmen, damit wurde den beiden Finanzinvestoren die Möglichkeit genommen, weitere Stücke am freien Markt zu platzieren.

Zwar konnten sich die Kurse dann ab Mitte Mai im Vorfeld der Spekulation über den Aufstieg des Wertes in den MDAX zum 24.06. auf bis zu 46,68 € erholen (blaue X-Säule mit der „5“), doch von da ab ging es wieder runter.

LEG-Immobilien-Chart 22-10-2013

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Der Point&Figure-Chart zeigt das Auf und Ab seitdem, die beiden Point&Figure-Verkaufssignal von Juni und Juni  (die roten Kreise bei der „6“ und der „7“ im Chart) wurden durch eines der stärksten Point&Figure-Kaufsignal, einem 4-fach-Top (grüner Kreis) abgelöst.

Doch entgegen aller Erwartungen entpuppt sich das ansonsten extrem sichere Point&Figure-Kaufsignal nun als Fehlsignal. Denn mit dem Verkauf des Aktienpaketes sinkt der Preis der Aktie im gestrigen Handel im Tief auf 41,30 € (XETRA-Kurs) und löst damit ein klares Point&Figure-Verkaufssignal (dicker roter Kreis) aus.

Das hieraus resultierende, bislang noch unbestätigte, Kursziel liegt bei 37,00 € und eröffnet der Aktie auf Basis der heutigen Notierungen ein weiteres Abwärtspotential von -12,2%.

Keine dramatisches Risiko, das heutige Käufer eingehen, aber dennoch kein Grund, schon jetzt den Einstieg in die Aktie zu suchen. Denn, seien wir ehrlich, bei der Ausreizung des Mieter-höhungsspielraumes im Wohnungsbestand (91.000 Wohnung ausschließlich in Nordrhein-Westfalen) ist irgendwann das Potential ausgeschöpft.

Und wenn man, wie der Vorstand bereits mehrfach angekündigt hat, keine größeren Zukäufe von fremden Beständen plant, fehlt irgendwo auch die Phantasie, die „Story“ hinter der Aktie. Warum also kaufen?

Und selbst wenn sich die Kurse wieder Richtung  43,50 € und 45,00 € erholen und damit neue Point&Figure-Kaufsignal ausbilden, wer sagt denn, dass die beiden Großaktionäre Whitehall und Perry Capital dies dann nicht erneut zum Verkauf nutzen. Solange die beiden noch über mehr als 36% des Aktienkapitals verfügen, müssen wir jederzeit mit der Platzierung weiterer Pakete rechnen.


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Von: René Neukirch. Über den Autor

René Neukirch, Jahrgang 1963, ist Händler. Parketthändler. Zumindest nannte man es damals, vor über 26 Jahre so. Mit nur 22 Jahren hatte er sich schon vom einfachen Bankkaufmann hochgearbeitet zum Parketthändler und ist seitdem der Leidenschaft Börse verfallen.