Großfusion auf dem Glücksspielmarkt bahnt sich an: Paddy Power Betfair und Stars Group wollen milliardenschwerem Zusammenschluss

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Großfusion auf Glücksspielmarkt: Eigentümer von Paddy Power Betfair und Poker Stars wollen ihr Geschäft zusammenzulegen und zum größten Wettanbieter weltweit aufsteigen (Foto: katjen / Shutterstock.com)

Das Fusionskarussell im Glücksspielmarkt nimmt wieder kräftig Fahrt auf. Die Eigentümer von Paddy Power Betfair und Poker Stars wollen ihre Geschäfte zusammenführen. Die Dimension der Fusion ist gigantisch. Immerhin entsteht durch die Transaktion in Irland der nach Umsatz weltgrößte Anbieter von Online-Wetten und Zocker-Spielen.

Die Nachricht sorgte für einen Kurssprung beider Aktien. TSG-Aktien stiegen nach Bekanntgabe des Deals um 33 %. Die Flutter-Papiere schossen ebenfalls um 20 % in die Höhe. Auch die Aktien der Rivalen GVC und William Hill legten infolge der in die Branchen zurückgekehrten Fantasie zum Teil deutlich zu.

Transatlantischer Deal schafft neues Schwergewicht

Im Rahmen der Übernahme will die börsenorientierte Glückspielgruppe Flutter aus Dublin den Rivalen The Stars Group (TSG) aus Kanada im Wege eines Aktientauschs übernehmen. Damit schließt sich der Mutterkonzern von PokerStars mit dem Unternehmen hinter Betfair und Paddy Power zusammen, um den weltweit größten Sportwettenanbieter zu schaffen.

Die von dem Eigentümer von Paddy Power Betfair angesetzte Bewertung kommt auf rund 6 Milliarden Dollar. Flutter bietet 0,2253 neue Aktien pro TSG-Papier und hat sich bereits knapp 24 % der TSG-Anteile von Großaktionären gesichert. Nach der Fusion halten die Aktionäre von Flutter Entertainment rund 54,6% an der neuen Gesellschaft; die Aktionäre der an der Nasdaq sowie in Toronto gelisteten Stars Group (TSG), zu der Poker Stars gehört, knapp 45,4%. Gemeinsam kamen beide Firmen 2018 auf einen Umsatz von 3,8 Milliarden.

Die fusionierte Gruppe wird den Hauptsitz in Dublin und ihre Erstnotierung in London haben. Abgeschlossen werden soll die Fusion spätestens bis zum dritten Quartal 2020 nach einer formalen Abstimmung der Flutter-Anteilseigner.

Immer mehr zocken im Internet

Der Glücksspielmarkt gilt unter Experten als lukrativ. Angesichts der wachsenden Zahl von Spielern, die im Internet oder per Smartphone zocken, haben schon mehrere Anbieter auf dem Markt durch Zusammenschlüsse ihre Kräfte gebündelt. Wegen der zunehmenden Auflagen und Steuern in den Hauptmärkten Irland, Großbritannien und Australien will Flutter vor allem von gelockerten Regeln für Sportwetten in den USA profitieren.

Die absoluten Zahlen sind beeindruckend: Das Marktvolumen des globalen Glücksspielmarktes wird auf 450 Milliarden Dollar geschätzt. Davon werden erst rund 11% online bedient. Das Potenzial für den neu geschaffenen Marktführer wird laut Experten als entsprechend hoch eingeschätzt.

Hohe Synergien erwartet

Das neue Unternehmen verfügt international über eine starke Kundenbasis. Immerhin zocken Kunden aus über 100 Ländern mit den Diensten der beiden Firmen. Dennoch stammt die Hälfte der Umsätze aus Großbritannien und Irland. Eine hohe Bedeutung hat mit 15% Umsatzbeitrag auch der australische Markt, während erst 5% der Erlöse in den USA erzielt werden.

Aber nicht nur die internationale Präsenz soll mit dem Deal ausgebaut werden. Auch Kostensynergien haben die Verantwortlichen im Blick. Vor Steuern sollen nach drei Jahren jährlich immerhin 140 Millionen Pfund an Kosten eingespart werden.

Big is beutiful – nur die Größe zählt

Mit der angepeilten Fusion setzt sich die Konsolidierung in der Glücksspielbranche ungebremst fort. Erst 2018 hatten sich PokerStars und Sky Bet zusammengeschlossen, um einen der umsatzstärksten Anbieter in Sachen Poker und Sportwetten zu etablieren. Zuvor war es 2015 zum Zusammenschluss von Betfair und Paddy Power gekommen, womit man eine der größten Sportwettenmarken weltweit formen konnte.

Der Hintergrund der Konsolidierungswelle liegt auf der Hand. Die Plattformtechnologien für das Online-Gaming verschlingen enorme Geldsummen. Da machen Zusammenschlüsse strategisch Sinn. Vor allem bei den gemeinsamen Ausgaben für IT und Technologieentwicklungen, ebenso wie beim gemeinschaftlichen Marketing können kräftig Kosten gespart werden.

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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.