Großinvestoren meiden VW-Aktie weiterhin

Auch wenn wir Privat-Anleger es gerne anders sehen würden: Die Großinvestoren mit ihren gigantischen Geldmitteln sind es, die Trends an den Aktienmärkten starten und auch beenden.

Daher sollten Sie stets auch ein Auge auf das Verhalten dieser so wichtigen Investoren-Gruppe haben.

Bei der Volkswagen-Aktie halten sich die Großinvestoren weiterhin zurück, wie Sie gleich noch sehen werden.

Neues aus dem VW-Gruselkabinett

Ein Grund dafür könnten die Schlagzeilen sein, die seit einigen Tagen durch die Medien-Landschaft geistern:

Der frühere VW-Aufsichtsrats-Vorsitzende Piéch soll vor Gericht eine Aussage von großer Bedeutung gemacht haben:

Piéch will den Ex-Vorstandschef Winterkorn und den Aufsichtsrat schon im März 2015 über den Abgas-Schwindel informiert haben.

Wir erinnern uns: VW hatte erst im September desselben Jahres die Öffentlichkeit über die Diesel-Affäre unterrichtet.

Martin Winterkorn und auch die damaligen Aufsichtsrats-Mitglieder streiten nach wie vor ab, früher von dem Betrug im eigenen Hause gewusst zu haben.

Sollte sich die Behauptung Piéchs als wahr erweisen, dann dürfte auf VW eine weitere Prozess-Lawine herab rollen. Mir geht es hier und heute nicht um die Wahrheits-Findung.

Allerdings: Unsicherheit ist Gift für Aktien. Und über den VW-Anteilen schwebt mithin nun wieder ein neues Damokles-Schwert. Das sollten Sie im Hinterkopf behalten!

Schlecht: Abwärts-Kurslücke nicht geschlossen!

Wir konzentrieren uns jedoch auf die charttechnische Beurteilung der Auto-Aktie. Und dazu schauen wir zu Beginn einmal gemeinsam auf einen Wochen-Chart:

vw vz-chart1_09-02-2017

Schlecht: Die VW VZ-Aktie konnte die Abwärts-Kurslücke nicht schließen.

In dieser Grafik können Sie prima erkennen: Die VW-Aktie befand sich schon in den Monaten VOR der Bekanntmachung der Abgas-Affäre im Abwärtstrend.

Pikantes Detail: Ihr Allzeithoch erreichte die VW-Vorzugsaktie im März 2015. Der DAX 30 gipfelte indes erst 23 Tage später…

Wichtiger in dieser Grafik ist jedoch die Abwärts-Kurslücke (blaues Rechteck):

Sie entsteht dadurch, dass eine Aktie den Handel deutlich unter dem Vortages-Schlusskurs aufnimmt und das Vortages-Tief dabei nicht mehr erreicht.

Die Größe der Kurslücke ist dabei fast immer ein Indiz für die darauf folgende Kurs-Entwicklung; da macht auch VW keine Ausnahme.

Bedeutsam ist die Kurslücke aber noch aus einem anderen Grund:

Kann Sie zu einem späteren Zeitpunkt geschlossen werden (die Notierung klettert über die Oberseite der Lücke), dann ist der vorhergehende Trend damit meist beendet.

Wie Sie sehen, ist der VW-Vorzugsaktie genau das NICHT gelungen: Der Kurs stoppte 5,10 € unter der Oberseite der Kurslücke und drehte wieder nach unten ab.

Die Folge dieses Scheiterns ist ebenfalls unschwer zu erkennen: Die VW-Notierung gab seither in der Spitze schon um fast -12% nach.

Wichtige Erkenntnisse aus dem Monats- und Tages-Chart

Blicken wir abschließend auf eine Kombination von Monats- und Tages-Chart:

vw vz-chart2_09-02-2017

VW VZ: Langfristig weiter im Abwärtstrend – Großinvestoren verkaufen wieder

Im linken Monats-Chart sind 2 Details für Sie wichtig:

  • Schon beim Allzeithoch mussten Sie als Charttechniker eine größere Abwärts-Bewegung fürchten. Der Kurs bildete nämlich eine massive Divergenz (Abweichung) zum Relative Stärke Index (RSI) aus: Das 2. Top im RSI lag deutlich unter dem 1. (blaue Pfeile).
  • Im RSI sehen Sie zudem, dass der Indikator für Trend-Intensität noch weit von einem Bruch des seit 2007 bestehenden Abwärtstrends entfernt ist. Die VW-Vorzugsaktie befindet sich somit noch immer im Verkaufs-Modus.

Damit kommen wir zum Tages-Chart (rechts) und den eingangs erwähnten Großinvestoren – auch hier sehen Sie eine Art Divergenz:

Während der VW-Kurs zu Jahresbeginn über den horizontalen Widerstand (gestrichelte Linie) klettern konnte, blieb das On-Balance-Volumen (OBV) minimal unter dem vorhergehenden Zwischenhoch (rote Ringe).

Seither rutschte der Indikator kräftig ab, und das zeigt Ihnen:

Die Großinvestoren haben zum einen den Ausbruch über den Widerstand NICHT begleitet. Zum anderen ziehen sie sich seit dem Zwischenhoch wieder massiv aus der Aktie zurück.

Fazit & Empfehlung

Weder Sie, noch ich wissen, an welcher Stelle das „Beschuldigungs-Karussell“ der Ex-VW-Verantwortlichen zum Halten kommt.

Sollten sich die Piéch-Behauptungen indes als wahr erweisen, wäre das für die VW-Aktie wohl ein weiterer, schwer verdaulicher Brocken.

Allerdings reizt derzeit die Charttechnik ohnehin nicht zum Einstieg: Die VW-Vorzugsaktie befindet sich unverändert in einem langfristigen Abwärtstrend.

Die Tatsache, dass die Notierung die Abwärts-Kurslücke vom September 2015 zuletzt nicht schließen konnte, bestätigt den Abwärtstrend. Last not least:

Die Großinvestoren sind ebenfalls noch lange nicht davon überzeugt, dass der VW-Konzern das Gröbste überstanden hat. Das können Sie am On-Balance-Volumen ablesen:

Der jüngste Ausbruch über den horizontalen Widerstand ging ausschließlich auf das Konto der (etwas voreiligen) Privat-Anleger.

Tatsächlich bauen die Großinvestoren derzeit ihre Bestände wieder deutlich sichtbar ab.

Und dem Verhalten des „Big Money“ sollten Sie sich als Privat-Anleger möglichst nicht entgegenstellen!

9. Februar 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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