Großkundengeschäft die Ursache für den Pessimismus bei WashTec

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Der Autowaschstraßenhersteller WashTec senkt seine Gewinnprognosen für das laufende Geschäftsjahr. Die Aktie bricht daraufhin ein. (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Eine vergleichbare Kursentwicklung findet man nicht alle Tage: Zwischen 2003 und 2018 hat sich der Aktienkurs von WashTec von einem Tiefststand bei 0,70 Euro auf über 80 Euro mehr als verhundertfacht. Wohl bemerkt handelt es sich bei WashTec nicht um ein Internet- oder Pharmaunternehmen, sondern um den nach eigenen Angaben weltweit führenden Hersteller von Autowaschstraßen.

Umsatz und Ergebnis vervielfacht

Irgendetwas scheint der SDAX-Konzern also in diesen 15 Jahren richtig gemacht zu haben. Dies legen zumindest die Finanzkennzahlen nahe, nach denen Umsatz wie operativer Gewinn vervielfacht werden konnten. Allerdings, und das wird im Nachhinein gerne unterschlagen, geschah dies stets unter hohen Schwankungen. Immer wieder, etwa 2011 und 2013 und zuletzt 2018, kam es zu empfindlichen Rückschlägen in der Gewinnentwicklung.

Damit sollte es in diesem Jahr eigentlich vorbei sein. Laut dem Geschäftsbericht 2018, der Ende März veröffentlicht wurde, sollten Umsatz und Betriebsergebnis deutlich zulegen, und zwar in allen Regionen. Eine Prognose, die mit den Zahlen für das erste Quartal nochmals bestätigt wurde, obwohl sich damals bereits ein verzögerter Anlauf des Großkundengeschäfts abzeichnete.

Nicht die erste Gewinnwarnung

Nun also eine Gewinnwarnung. Nicht die erste, nebenbei bemerkt, denn bereits im vergangenen Oktober musste das Augsburger Unternehmen die Gewinnerwartungen kappen. Nun soll ein Umsatz auf dem Niveau des Vorjahres – also von 435 Millionen Euro – und eine EBIT-Rendite von mehr als 10% nach 11,8% im Vorjahr erwirtschaftet werden.

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Daraus lässt sich errechnen, dass der operative Gewinn aufgrund der stagnierenden Umsätze und der rückläufigen Rentabilität um bis zu 15,5% zurückgehen wird. Weit entfernt von dem „deutlichen Anstieg“, wie er noch im April versprochen worden war.

Überraschend ist, dass der Einbruch den Vorstand überrascht

Begründet wird die Zielverfehlung: Mit dem Großkundengeschäft. Dieses werde schlechter ausfallen als im Vorjahr. Überraschend an dieser Feststellung ist, dass sie für das Management überraschend kommt. Nicht nur, weil sich eine möglicherweise schwache Entwicklung in diesem Segment bereits im Auftaktquartal abgezeichnet hat, sondern weil dieser Bereich auch in den vergangenen Jahren durch hohe Schwankungen gekennzeichnet war.

Noch mehr Anstrengungen erforderlich

Dass WashTec im vergangenen Jahr mehr als ein Zehntel des Umsatzes mit einem einzigen Kunden erwirtschaftet hat, mag eine der Ursachen dafür sein. Daher muss sich WashTec nun, selbst um die neuen, bescheideneren Ziele zu erreichen, den Rest des Jahres anstrengen – vor allem, um das Gewinnziel noch zu erreichen. Denn von einem „nur“ 15%igen Rückgang war WashTec im ersten Halbjahr weit entfernt: Mit 9,2 Millionen Euro hat sich das operative Ergebnis im ersten Halbjahr nahezu halbiert. Ob der Optimismus, den viele Marktteilnehmer derzeit noch verkünden, wirklich angebracht ist, wird sich zeigen.


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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.