Grubhub: Fahrdienst-Riese Uber will sich mit Essenslieferdienst verstärken

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Grubhub-Aktie geht nach Übernahmegerüchten durch die Decke: Fahrdienstvermittler Uber hat offenbar ein Auge auf den Essenslieferdient geworfen. Beide Firmen stecken weiterhin tief in der Verlustzone. Größe soll Skaleneffekte heben. (Foto: katjen / Shutterstock.com)

Gerüchte über ein bevorstehendes Übernahmeangebot haben den Kurs des Essenslieferdienstes Grubhub zuletzt kräftig in die Höhe schießen lassen. Käufer soll kein anderer als der Fahrdienstvermittler Uber sein. Nach dem deutlichen Kursplus kommt Grubhub inzwischen auf einen Börsenwert von 5,3 Milliarden Dollar. Die Anleger scheint es zu freuen. Mit 58 Dollar notiert Grubhub seit dem Jahreswechsel sogar wieder 20% in der Gewinnzone. Dass beide Firmen weiterhin tief in der Verlustzone stecken, scheint derzeit wenig Investoren zu stören.

Wer hinter Grubhub steckt

Grubhub ist eine der führenden Food-Delivery-Plattformen in USA. Das Unternehmen liefert täglich im Durchschnitt über 516.000 Mahlzeiten von 300.000 angeschlossenen Restaurants an Kunden aus. Grubhub mit Hauptsitz in Chicago ist in seiner heutigen Form in 2013 hervorgegangen aus dem Merger mit Seamless, das bereits 1999 in New York gegründet wurde. Das Unternehmen ist also interessanterweise weit weg vom Silicon Valley entstanden. Ähnlich wie das europäische Pendant Just Eat ist auch Grubhub nach dem IPO in 2014 nicht nur organisch, sondern durch zahlreiche Akquisitionen sehr schnell gewachsen.

Ursprünglich bestand das Geschäftsmodell von Grubhub daraus, eine Website bereitzustellen, welche es den Nutzern ermöglichte,  nahegelegene Restaurants mit Lieferdiensten zu finden und Bestellungen online entgegenzunehmen. Seit 2014 bietet GrubHub zusätzlich einen eigenen Lieferdienst an und zählt seitdem auch diejenigen Restaurants zu den eigenen Kunden, die keine eigene Auslieferung anbieten.

Angeblich seit Monaten Verhandlungen mit Uber

Nun haben Übernahmegerüchte ordentlich Musik in die Kursentwicklung der Grubhub-Aktie gebracht. Laut Medienberichten befinden sich der Fahrdienstvermittler Uber und Grubhub bereits seit Monaten in Verhandlungen. Offenbar ist Uber bereits zum Jahresbeginn mit einer Offerte an den Essenslieferdienst herangetreten. Seither diskutieren beide Firmen über einen möglichen Zusammenschluss. Angeblich hat Grubhub einen Deal vorgeschlagen, bei dem die Anleger 2,15 Uber-Aktien für eine Grubhub-Aktie erhalten sollen. Vor den jüngsten Kursentwicklungen hätte das in etwa einem Wert von 68 Dollar je Grubhub-Papier entsprochen.

Essenslieferdienste in der Krise

Tatsächlich erwarten Experten bereits seit längerem eine stärkere Konsolidierungswelle in der Lieferdienstbranche. Die Markteintrittsbarrieren sind niedrig, der Wettbewerb durch neue Rivalen mit Kampfreisen ist knüppelhart. Auch von der Kundenseite kommt immer mehr Druck auf. Die Restaurants sträuben sich gegen die hohen Provisionen von bis zu 30%, die sie an die externen Lieferdienste zahlen müssen. Zuletzt haben immer mehr Restaurants die Gebühren gekappt oder ihren Kunden Rabatte angeboten, sofern Sie direkt über das Restaurant bestellen und ihr Essen selbst abholen.

Größe über alles

Für Uber selbst macht ein möglicher Zusammenschluss durchaus Sinn. Die im Zuge der Corona-Krise einbrechenden Geschäfte mit Fahrdiensten könnten durch eine stärkere Entwicklung bei den Lieferdiensten zumindest zum Teil kompensiert werden. Der Fahrdienstvermittler verfügt mit Uber Eats bereits über einen eigenen Lieferdienst, aber es fehlt an Größe, um profitabel zu arbeiten. Zuletzt steckte Uber Eats trotz Umsatzplus von 50% auf 819 Millionen Dollar tief in der Verlustzone (-313 Millionen Dollar). Informierten Kreisen zufolge platzte die im letzten Jahr geplante Übernahme des Grubhub-Rivalen DoorDash.

Grubhub selbst erzielte in Startquartal ein Umsatzplus von 12% auf 363 Millionen Dollar. Zeitglich weitete der Konzern seinen Nettoverlust von 6,9 auf 33,4 Millionen Dollar aus.

Deal könnte Wettbewerbshüter alarmieren

Auch wenn es zu einer Offerte kommt, ein Selbstläufer dürfte der Deal keinesfalls werden. Zusammen dürfte der Marktanteil laut Analystenschätzungen auf über 55% (Anteil Uber Eats: rd. 32%, Grubhub: rd. 24%) ansteigen. Der einzige große Rivale wäre dann DoorDash mit einem Marktanteil von 35%. Zumindest wäre das konform mit der neuen Strategie des Uber-Firmenchefs Dara Khosrowshai: Vor wenigen Tagen gab Khosrowshai bekannt, alle Geschäfte auf den Prüfstand zu stellen, bei dem Uber nicht die Nummer Eins oder Zwei ist.


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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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