Grund zum Jubeln: Steuerreform wurde gekippt! Kein 10.000 Euro Limit für Verluste

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Der Dank geht raus an die Lobbyarbeiter. Trader-Steuer ist somit kein Thema mehr – zumindest im Bundesrat. (Foto: RomanR / Shutterstock.com)

Sie hatten es vielleicht mitbekommen: Olaf Scholz wollte das Steuergesetz gravierend für alle Anleger ändern. Wer aktuell an der Börse aktiv ist, darf seine Gewinne und Verluste gegeneinander verrechnen. Ab 2021 sollte sich das eigentlich ändern. Dann wären maximal 10.000 Euro Verluste pro Jahr anzurechnen, der der Rest würde verfallen.

Kurz nachgedacht: Machen Sie ab nächstes Jahr 50.000 Euro Gewinn und 50.000 Verlust in einem Jahr, müssen Sie 40.000 Euro Gewinn versteuern, weil Sie nur 10.000 Euro abziehen dürfen. So bescheuert und ungerecht war der eigentliche Plan. Natürlich gab es massenhaft Protest und Argumente dagegen. Aber Olaf Scholz bliebt seiner Linie treu und konnte über den Unsinn seiner Reform hinwegsehen.

Aber nicht der Bundesrat! Der hat dem Bundestag empfohlen diese neuen Ideen komplett zu streichen. Unter anderem auch aus dem logischen Grund, dass es schier unmöglich ist, für das Finanzamt alles nachzuvollziehen. Aber natürlich wäre es auch extrem unfair und würde nur an den Geldbeutel des kleinen Anlegers gehen. Die Banken mit ihrer Cum-Ex-Affäre in Hamburg, die auch gerne im selben Atemzug mit Scholz genannt werden, durften Millionen Euro an Steuern hinterziehen. Das Geld muss wieder in die Kasse, also holen wir es uns vom deutschen Kleinanleger und Trader.

Verlustrechnung bleibt bestehen – 10.000 Euro kein Limit

Das ist das Ergebnis der heutigen Sitzung des Bundesrats. Fachausschüsse hatten hier gut gearbeitet und den Politikern erklärt, warum ein Großteil der Trader ins Ausland umziehen müsste. Das wäre dann logischerweise ebenfalls schädlich für die Steuerkasse. Alternativ hätten Händler eineTrading-GmbH gründen müssen, um die Gewinne anders zu versteuern, aber dann wenigstens ohne Limit bei den Verlusten.

Doch so ist die ganze Aufregung heute quasi verpufft und es kann gefeiert werden. Der Dank geht raus an die Lobbyarbeiter. Die Trader-Steuer ist somit kein Thema mehr – zumindest im Bundesrat.

Noch ist die Sache nicht vom Tisch

Ja, wir dürfen schon jubeln. Schließlich konnte der Bundesrat heute – eine für Trader wichtige – Entscheidung durchsetzen. Dass die Gesetzesänderung jetzt komplett blockiert ist, steht auf einem anderen Blatt. Was der Bundesrat entscheidet und was der Bundestag letztlich beschließt, sind theoretisch zwei paar Schuhe. Klar, in den meisten Fällen, werden die Empfehlungen von Bundesrat im Bundestag durchgewunken. Doch es besteht immer noch eine kleine Restchance, dass die Steuerreform doch noch beschlossen wird.

Dazu müsste Scholz vermutlich ein besseres Standing haben. Aktuell ist das nicht der Fall. Wenn auch alle Broker Deutschland verlassen würden, weil hier dann niemand mehr CFDs traden kann, werden sicherlich auch einige Millionen an Steuern fehlen. Das kann sich Corona-Deutschland kaum leisten.

Außerdem: Trading passt perfekt zur Pandemie. Im Home Office ohne Maske Geld verdienen. Jetzt bräuchten wir nur noch eine Infrastruktur mit schnellem Internet per Glasfaser für alle und schon würde aus Deutschland eine Nation der Trader.

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Von: Michael Berkholz. Über den Autor

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