Gute Nachricht von der Wall Street

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Die Wall Street startete am Freitag mit einem bedeutsamen Signal durch. Worauf Sie jetzt achten sollten. (Foto: Kamira / Shutterstock.com)

Wie schön wäre es doch, wenn am Aktienmarkt zum Einstieg geklingelt würde: Dann wüssten wir genau, wann wir wieder in die Dividendenpapiere investieren sollten.

Gibt es nicht, sagen Sie? Gibt es doch, sage ich!

Es existiert tatsächlich ein Signal, das an der Wall Street jeden Bullenmarkt der letzten 39 Jahre eingeleitet hat. Und das Beste daran: Dieser Trigger ist nicht einmal geheim!

Das Signal hat William O’Neill in umfangreichen Studien der Bullenmärkte seit 1980 entdeckt. Und er beschreibt es in seinen diversen Börsenbüchern. Sein berühmtestes Werk trägt den Titel „How to make Money in Stocks“ („Wie Sie mit Aktien Geld verdienen“).

Und just dieses Signal hat der S&P 500 am vergangenen Freitag ausgeprägt. Ich sage Ihnen, worum es dabei geht und worauf Sie jetzt weiter achten sollten.

Exkurs: William O‘Neill

Sie kennen William O’Neill bereits? Dann können Sie den nachfolgenden Abschnitt überspringen.

William O‘Neill ist Gründer des US-Unternehmens Investor‘s Business Daily und Herausgeber bzw. Betreiber einer gleichnamigen Börsenzeitung / Internet-Plattform für Investoren. Er ist auch „Entwickler“ der berühmten „CANSLIM“-Strategie.

Das Akronym CANSLIM steht für 7 Eigenschaften, die Wachstumsaktien besitzen (sollten), wenn sie vor einer potenziellen massiven Wertsteigerung stehen. Dazu gehören die laufenden Quartalsgewinne („C“urrent quarterly earnings) oder das jährliche Gewinnwachstum („A“nnual earnings growth), um nur 2 zu nennen.

Das ultimative Signal für den Start eines Bullenmarktes

O’Neill beschreibt in seinen Büchern eindrucksvoll, wie er mit Aktien-Investments seine erfolgreiche Karriere als Anleger begonnen hat. Und er bietet seine Lesern eine Anleitung, wie sie an den Börsen ebenfalls dauerhaft Geld verdienen können.

Seine Erfolge beruhen vor allem auf der akribischen Suche nach Merkmalen dafür, warum einige wenige Aktien sich in jedem Aufwärts-Zyklus um ein Zig-faches besser entwickeln als die breite Masse (Stichwort CANSLIM).

In einer anderen Studie ging er der Frage nach, ob sich der Beginn eines Bullenmarktes erkennen lässt. Und O’Neill wurde tatsächlich fündig:

Er entdeckte, dass seit dem Jahr 1980 jeder Bullenmarkt mit einem sogenannten „Follow-Through-Day“ (übersetzt etwa: „Tag des Durchstartens“) begann.

Was ist ein „Follow-Through-Day“?

Und so funktioniert sein Signal: Die Wall Street markiert im Zuge eines Abwärtstrends ein neues Verlaufstief. Danach sollten die Indizes kein neues Tief mehr ausbilden.

Ab dem 4. Handelstag danach muss einer der wichtigen US-Indizes (bevorzugt der S&P 500 oder der Nasdaq Composite) um mehr als +1,25% ansteigen und dabei einen über dem Vortag liegenden Umsatz generieren.

Einen kleinen Haken hat O’Neills Follow-Through-Day allerdings schon: Es ist kein perfektes Signal mit 100%iger Trefferquote. Aber Sie wissen ja selbst: Garantien gibt es an der Börse nicht!

Hier der Haken: Kein Bullenmarkt seit 1980 begann ohne einen Follow-Through-Day. Aber nicht jeder Follow-Through-Day startete auch einen Bullenmarkt!

Das war zuletzt im November 2018 der Fall. Schauen wir uns das im nachfolgenden Chart an:

S&P 500 startet endlich durch

S&P 500: Follow-Through-Day am vergangenen Freitag!

Der Follow-Through-Day vom 7. November 2018 entpuppte sich recht schnell als Bullenfalle. Es war sogar ein doppeltes Fehlsignal, da auch die zugleich generierte Aufwärts-Kurslücke kurz darauf ad absurdum geführt wurde.

Ganz rechts in der Grafik sehen Sie aber auch: Der vergangene Freitag generierte nun endlich einen neuen Follow-Through-Day und damit eine weitere Chance auf den Start eines neuen Bullenmarktes.

S&P 500: Was macht das Momentum?

Als wir zuletzt am 7. Januar 2019 auf den S&P 500 schauten, zeigte ich Ihnen zum Index auch noch den Schwung-Indikator, das 50-Tage-Momentum. Den Bruch des Abwärtstrends beschrieb ich als „vorsichtiges Kaufsignal“:

„Warum nur ein ‚vorsichtiges Kaufsignal‘? Ganz einfach: Weil sich das Momentum noch tief im Minusbereich bewegt. Somit wird – auch nach einem Trendbruch – zunächst noch negativer Schwung aufgebaut.“

S&P 500: Momentum nähert sich dem Plus-Bereich

Inzwischen hatte das 50-Tage-Momentum schon fast die Nulllinie erreicht. Mit dem jüngsten Rücksetzer des S&P 500 fiel auch der Schwung-Indikator auf seinen Ende Dezember gestarteten Aufwärtstrend zurück (gelber Kreis).

Von hier aus sollte das Momentum nun aber nach oben durchstarten. Der Rücksetzer zu Wochenbeginn war übrigens „vorprogrammiert“:

Nach einer Rallye um +14% seit dem Tief am 2. Weihnachtstag war es höchst unwahrscheinlich, dass der S&P 500 ungebremst weiter marschiert und den Abwärtstrend seit Anfang Oktober durchbricht.

Mit dem Rücksetzer im Index und im 50-Tage-Momentum sind nun die Voraussetzungen für einen Durchbruch deutlich gestiegen (mögliches Szenario: blauer Pfadpfeil).

Fazit

Der S&P 500 hat also am Freitag mit einem Follow-Through-Day den potenziellen Startpunkt eines neuen Bullenmarktes markiert. Zwar ist dies noch keine Garantie. Aber:

In der Vergangenheit hat es selten mehr als 1 Fehlsignal durch Follow-Through-Days gegeben. Die Chancen stehen mithin diesmal deutlich besser als noch im November 2018.

Zudem hat das Momentum sich nach dem schnellen Anstieg auf seinen Aufwärtstrend gesetzt: Damit kann nun von hier aus die nächste Rallye starten.

Wenn dann noch der Abwärtstrend im Index-Verlauf bei derzeit etwa 2.685 Punkten überboten werden kann – möglichst mit Dynamik und überdurchschnittlichen Umsätzen – dann erhalten Sie ein weiteres starkes Kaufsignal für die Wall Street!

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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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