Gutes Zeichen: Twitter-Aktie verliert

Ich schreibe Ihnen von einem guten Zeichen, weil eine Aktie verliert?! Diesen scheinbaren Widerspruch kann ich schnell auflösen:

Der Nachrichtendienst Twitter ist (fast) weltbekannt. Das Unternehmen schreibt aber keine schwarzen Zahlen. Und dass die Aktie eines Unternehmens, das kaum Aussicht hat, Geld zu verdienen, im Kurs abstürzt, ist ein gutes Zeichen für die Märkte.

Das unterscheidet die heutige Marktlage positiv von der Dotcom-Blase. Trotz der Kursrallys der letzten Jahre stehen wir damit nicht vor einer Blasenbildung wie im Jahr 2000 und damit auch nicht vor dem Platzen einer vergleichbaren Blase. – Das ist börslich gesehen gut.

Die Dotcom-Blase des Jahres 2000

Im Vorfeld des Crashs von 2000 bis 2003 wurde alles gekauft, wo „Internet“ drauf stand. Die Unternehmen hatten eine Internetadresse, die in den USA immer mit „.com“ endete. Punkt heißt auf Englisch: dot. Daraus wurden dann die „Dotcom-Unternehmen“ und später war es die Dotcom-Blase, die platzte.

Der vergleichbare damalige deutsche Neue-Markt-Index verlor über 90%, viele Unternehmen verschwanden vom Kurszettel. Der ebenfalls Dotcom-lastige US-Index Nasdaq verlor über 75% seines Wertes.

So ging es mit der Twitter-Aktie abwärts

Anfang November 2013 ging der Nachrichtendienst Twitter geht an die Börse. Aufgrund der damaligen hohen Nachfrage nach der Aktie und der euphorischen Berichte zu dem Börsengang von Twitter habe ich Ihnen geschrieben: „Dotcom aus dem Jahr 2000 lässt grüßen.“

2013 Börsengang Twitter: Zocken ja! Investieren nein!

Seinerzeit habe ich von einer Investition in die Twitter-Aktie abgeraten, weil ich sie als Zocker-Papier bewertet habe. Meine Begründung lautete:

Ein neues Sternchen am Börsenhimmel. Sternchen verglühen schnell! Es fehlt die nachhaltige Geschäftsgrundlage, um Gewinne zu erzielen. Twitter will und wird durch den Börsengang zwar Milliarden einnehmen.

Aber die letzten Quartalszahlen zeigten einen Verlust von rund 65 Millionen USD. Die Amerikaner bringen es auf den Punkt und fragen: „Show me the money?“ (Zeig mir das Geld?, beziehungsweise: Zeig mir, wie du langfristig Geld verdienst?)

Dass dann 65 Millionen, rot geschrieben und mit einem Minuszeichen davor als befriedigende Antwort angesehen wird, wage ich zu bezweifeln.

Es wird Sie nicht überraschen. Ich halte das für keine solide Investition. Zocken: o.k. – investieren: nein danke! – – – Soweit meine damalige Bewertung.

2015 Twitter: Twitter-Aktie auf Rekordtief

Kurz nach dem Börsengang schoss der Kurs der Twitter-Aktie innerhalb weniger Wochen auf 74,73 USD und bestätigte meine Einschätzung: Zocken ja. Aber damit war auch schon die Luft raus. Der Aktienkurs fiel bis April 2014 auf 29,52 USD. Anschließend ging es hoch volatil (mit hohen Kursschwankungen) auf und ab und der Kurs hat in dieser Woche mit 29,20 USD sein bisheriges Rekordtief erreicht.

Gutes Zeichen: Twitter-Aktie verliert

Ich schreibe Ihnen das nicht, um zu zeigen, dass ich mit meiner Bewertung richtig lag. Es geht mir um das „gute Zeichen“, das ich sehe. Sicher ist Twitter ein Nachrichtendienst, den Menschen in Staaten, in denen die Meinung unterdrückt wird, nutzen können. – Das ist politisch gesehen gut.

Aber damit wird kein Geld verdient. Und dass eine Aktie, die kaum Aussicht hat, Geld zu verdienen, im Kurs abstürzt, ist ein gutes Zeichen für die Märkte. Das unterscheidet die heutige Marktlage positiv von der eingangs erwähnten Dotcom-Blase.

Die Anleger bewerten die Unternehmen besser als im Jahr 2000. Trotz der Kursrallys der letzten Jahre stehen wir damit nicht vor einer Blasenbildung wie im Jahr 2000 und damit auch nicht vor dem Platzen einer vergleichbaren Blase. – Somit ist börslich gesehen gut, dass die Twitter-Aktie verliert.

Zum guten Schluss: Heute vor 109 Jahren, also am 05.08.1906, kam der US-amerikanische Nationalökonom Wassily Leontief zur Welt. Der Wissenschaftler mit russischen Wurzeln erhielt 1973 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften. Von ihm fand ich das Zitat:

„Manche Forscher sind wie Flugzeuge, die abheben, kreisen und niemals wieder landen.“

Als „Forschender an den Märkten“ bemühe ich mich, gar nicht erst abzuheben, geschweige denn, oben zu kreisen und niemals wieder zu landen. In der Hoffnung, dass es mir gelingt, sende ich beste Grüße

P.S.: Ich hätte aber nichts dagegen, wenn der DAX sich wie manche Forscher entwickelt, also abhebt und niemals wieder landet. Derzeit kreist er mehr.

© Rainer Heißmann – Weiterverbreitung nur mit Link auf den Originaltext gestattet

5. August 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rainer Heißmann. Über den Autor

Rainer Heißmann ist Autor für Wirtschafts- und Börsenfachpublikationen und Chefredakteur vom "Optionen-Profi". Außerdem ist er Autor des Buchs "Reich mit Optionen". Seine größte Stärke: Komplexe Sachverhalte so zu erklären, dass sie auch dem Nicht-Fachmann verständlich und nachvollziehbar werden.

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