Haben die Rohstoffpreise ihren Tiefpunkt erreicht? Lohnt sich der Einstieg?

Am Ende einer weiteren enttäuschenden Börsenwoche konnte sich der deutsche Leitindex DAX heute stabilisieren. Dennoch verbucht er für die erste Februar-Woche ein Minus von gut 4 Prozent – gestern war er noch auf den tiefsten Stand seit Ende 2014 abgerutscht.

Heute richteten sich viele Blicke auf die Papiere von Thyssenkrupp und Salzgitter. Die Aktionäre der deutschen Stahlunternehmen mussten die schlechten Nachrichten von ArcelorMittal verarbeiten: Nach starken Verlusten im vergangenen Jahr strich der weltgrößte Stahlkonzern die Dividende, senkte den Ausblick und kündigte eine milliardenschwere Kapitalerhöhung an.

ArcelorMittal will mit der Kapitalmaßnahme 3 Mrd. Dollar erzielen und damit den Schuldenberg auf unter 12 Mrd. Dollar drücken. Helfen soll dabei auch der ebenfalls beschlossene Verkauf der Minderheitsbeteiligung am spanischen Autozulieferer Gestamp.

Abschreibungen sorgen für Milliardenverlust

2015 musste ArcelorMittal vor allem wegen hoher Abschreibungen einen Verlust von 7,9 Mrd. Dollar verkraften. Aufgrund gesunkener Stahlpreise sank der Umsatz zudem um rund 20 Prozent auf 63,6 Mrd. Dollar.

Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) fiel mit 5,2 Mrd. Dollar um rund 2 Mrd. niedriger aus als im Vorjahr. Und die Prognosen sind auch ziemlich verhalten: Für das laufende Jahr rechnet der Vorstand nur noch mit einem Ebitda von 4,5 Mrd. Dollar.

Bereits seit Jahren kämpft die Stahlbranche mit Überkapazitäten und niedrigen Preisen. Mittlerweile erreicht die Nachfrage noch nicht einmal mehr das Niveau von 2007. Seit vergangenem Jahr verschärft sich die Situation zudem, weil China als weltweit größer Stahlproduzent aufgrund der eigenen wirtschaftlichen Schwäche in hohem Maße Stahl in den Weltmarkt einbringt.

Zunehmende Stahlnachfrage in 2016?

ArcelorMittal leidet unter den extrem gefallenen Rohstoffpreisen vor allem deshalb, da es in der Vergangenheit kräftig in den Ausbau einer eigenen Erzförderung investierte – das erweist sich nun als Belastung.

Nun hofft der Konzern auf wieder steigende Preise. Finanzchef Aditya Mittal beschwor heute, dass „die Preise im vergangenen Quartal ihren Tiefpunkt erreicht haben dürften.“ Außerdem rechnet er für dieses Jahr mit einer wieder zunehmenden Stahlnachfrage in Europa und den USA.

Doch bis sich dies in den Zahlen wiederspiegelt, werden noch einige Monate ins Land ziehen. Für die ArcelorMittal-Aktionäre bedeutet das noch ein langes Warten, bis die Verluste der letzten Monate aufgefangen sind: Die Aktie verlor seit Mitte 2015 fast 70 Prozent an Wert.

Angesichts der wieder optimistischeren Prognosen hinsichtlich der Rohstoffpreise ist jedoch ein Neueinstieg in ein Rohstoffunternehmen wieder eine Überlegung wert. Immerhin schrieben die beiden größten deutschen Stahlhersteller Thyssenkrupp und Salzgitter zuletzt noch schwarze Zahlen.

5. Februar 2016

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Philipp Ley
Von: Philipp Ley. Über den Autor

Philipp Ley ist ausgebildeter Wirtschaftsjournalist mit Stationen u. a. bei n-tv, Financial Times Deutschland, Rheinischen Post und der Aktien-Analyse. In den vergangenen zwölf Jahren hat er zudem als Kommunikations- und Investor-Relations-Berater zahlreiche Geschäftsberichte erstellt: für kleinere aufstrebende Unternehmen ebenso wie für Börsenschwergewichte.

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