Haben Sie sie noch alle? Kleine Checkliste »Unterlagen für den Immobilienkauf« (Teil 2)

Eine Immobilie kauft man nicht wie ein Paar Schuhe. Vor Ihrem hoffentlich üppigen Verdienst durch die Immobilie müssen Sie erst noch einige bürokratische Hürden meistern. Vier davon habe ich Ihnen beim letzten Mal vorgestellt; heute erfahren Sie die letzten beiden Punkte. Und ich beleuchte zudem die Rolle des Notars. Denn nicht Wenige kennen die Informationen noch nicht, die ich hier publik mache. (Foto: John Williams RUS / Shutterstock.com)

Ja, ja, der liebe Papierkrieg. Uns Immobilieninvestoren bleibt nichts erspart.

Sie erinnern sich?

In meinem letzten Beitrag habe ich damit begonnen, Ihnen eine kleine Checkliste namens »Unterlagen für den Immobilienkauf« zusammenzustellen. Diese Liste enthält das Wesentliche, was ein Immobilien-Exposé meiner Erfahrung nach enthalten sollte.

So müssen Sie – sowohl als Verkäufer als auch als Käufer« – darauf achten, dass …

  1. ein möglichst aktueller Grundbucheintrag vorhanden ist (tunlichst nicht älter als 14 Tage)
  2. ein Lageplan oder eine Liegenschaftskarte beiliegt; diese Unterlagen bekommen Sie entweder beim Katasteramt oder durch die Dienste eines Vermessungsingenieurs
  3. sich eine Wohnflächenberechnung findet, die sich nach professionellen Berechnungsstandards richtet
  4. hochwertiges Bildmaterial beigefügt wird, das sogar die finanzierenden Bänker »in der Ferne« vom materiellen und emotionalen Wert des Objekts überzeugt

Damit sind wir aber noch längst nicht am Ende der Exposee-Fahnenstange angekommen. Weiterklettern heißt die Devise. Denn es werden noch mehr Unterlagen benötigt.

Als da sind …

5. Eine möglichst aktuelle Nebenkostenabrechnung

Nun gut – der finanzierenden Bank ist es meistens (aber nicht immer) egal, welche Nebenkosten Sie als Immobilieninvestor zu stemmen haben. Ihnen selbst jedoch sollte dieser Posten keinesfalls gleichgültig sein.

Und wenn Sie als Verkäufer auftreten, kann eine aussagekräftige und zugleich attraktive (weil überraschend niedrige) Nebenkostenabrechnung das eine oder andere Manko am Objekt unter Umständen zur Nebensache schrumpfen oder sogar in Vergessenheit geraten lassen.

Je mehr Informationen einer solchen Abrechnung entnommen werden können, desto besser …

  • Wer ist der Energieversorger?
  • Woher bezieht die Immobilie bzw. erhalten deren Bewohner oder Nutzer Wasser?
  • Wird das Haus mit Erdgas geheizt, mit Erdöl, Kohle oder vielleicht mit alternativen Energieträgern?
  • Wann sind die nächsten Abschläge für Strom, Wasser und Heizmaterial fällig – und in welcher Höhe?

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6. Die Finanzierungsbestätigung

Zugegeben, diese Bestätigung ist nicht Teil des ursprünglichen Exposees. Aber sie ist in aller Regel dessen unmittelbares Resultat.

Je vollständiger und überzeugender so ein Exposé ausfällt, desto rascher und reibungsloser wird die finanzierende Bank diese Unterlagen verarbeiten. Und desto schneller und sicherer wird sie die Finanzierungsbestätigung zur Verfügung stellen.

Gerade diese Finanzierungsbestätigung bildet sowohl für den Käufer als auch für den Verkäufer einen enorm wichtigen Meilenstein.

Wenn Sie in ein Objekt investieren wollen, sollten Sie in finanzieller Hinsicht nichts – ich betone: nichts! – in verbindliche trockene Tücher packen, bevor Sie nicht so eine offizielle Finanzierungsbestätigung von der Bank in den Händen halten. Also schwarz auf weiß. Und im Original.

In dieser Beziehung wende ich mich jetzt ganz besonders an die Verkäufer unter Ihnen: In Sachen erfolgreicher Kaufpreistransfer auf Ihr Konto klebt der »Schwarze Peter« voll und ganz an Ihnen. Das muss ich so klar sagen.

Verlassen Sie sich nicht auf den Notar!

Es ist keineswegs so, dass sich der Notar, der in einer späteren Phase den Kaufvertrag zwischen Ihnen und dem Verkäufer offiziell und wortwörtlich besiegelt, um diese Angelegenheit kümmert. Ihn (oder sie) juckt es kein bisschen, ob die Finanzierung tatsächlich steht oder der Kontrakt irgendwelche juristischen Fallstricke enthält, die Sie in den Ruin stürzen.

Eine Notar ist einfach nur ein hochoffizieller, zur Neutralität verpflichteter »Schreiber«, der notfalls sogar juristische Fragwürdigkeiten mit seinem Dienstsiegel gültig werden lässt – ohne mit der Wimper zu zucken.

Sollten Sie also Illusionen hegen, was Notare angeht – bitte, geben Sie sie noch in dieser Minute auf. Und nehmen Sie gerade bei der Finanzierungsprüfung das Heft unbedingt selber in die Hand.

Deshalb sollten Sie als Käufer darauf achten, dass die Finanzierungsbestätigung den zuständigen Banksachbearbeiter namentlich auflistet. Inklusive jener Telefonnummer, unter der Sie ihn persönlich erreichen und befragen können.

Allein das schützt Sie davor, dass Sie hinterher mit leeren Händen dastehen.

Mit leeren Händen stehen Sie mit Sicherheit nicht da, wenn sie auch beim nächsten Mal wieder dabei sind. Ich freue mich auf Sie!


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Von: Paul Misar. Über den Autor

Paul Misar, Entrepreneur mit aktuell 11 Firmen (einigen davon im Immobilienbereich), Bestseller-Autor, Speaker of the Year 2013 und gefragter Experte auf dem Gebieten“ finanzielle Freiheit“ und  Immobilien.