Halbjahres-Rückblick: Investoren halten sich (noch) zurück

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Im ersten Halbjahr 2020 ist die Zahl der Übernahmen deutlich zurückgegangen. Das wird sich aber nach Abflauen der Corona-Krise wieder ändern. (Foto: NicoEINino / shutterstock.com)

Dass die weltweiten Übernahmeaktivitäten in Zeiten der Corona-Krise deutlich nachgelassen haben, habe ich Ihnen ja bereits vor ein paar Wochen angedeutet. So konnte ich Ihnen in den letzten Monaten nur wenige Übernahmen präsentieren, die das Übernahmevolumen von 1 Mrd. US-Dollar (USD) überschritten haben.

Dieser subjektive Eindruck wurde jetzt auch wissenschaftlich bestätigt: Während der wirtschaftlich unsicheren Zeiten der Corona-Pandemie hielten sich Investoren weltweit zurück. Positive Ausnahmen waren dabei allerdings der europäische und japanische M&A-Markt. Dies belegen Analysen, die jetzt von zwei US-Wirtschaftsinformationsdiensten veröffentlicht wurden.

Weltweite M&A-Aktivitäten rückläufig

Die weltweiten M&A-Aktivitäten beliefen sich in der ersten Hälfte des laufenden Jahres auf insgesamt 1,2 Bio. US-Dollar. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2019 bedeutet dies einen satten Rückgang von -41%. Das erste Halbjahr 2020 war damit das schwächste Halbjahr für Fusionen und Übernahmen seit 2013.

Die von dem in New York ansässigen Wirtschaftsinformationsdienst Refinitiv durchgeführten Untersuchung ergab weiterhin, dass insbesondere das zweite Quartal 2020 für die rückläufigen Zahlen verantwortlich zeichnete. In dieser Hochphase der Corona-Pandemie brach das weltweite M&A-Volumen im Vergleich zum ersten Quartal 2020 um -25% ein.

M&A-Aktivitäten in Europa und Japan gestiegen

Unerwartet positiv fielen die Halbjahreszahlen jedoch für europäische Ziele aus. Getragen von fünf der zehn größten angekündigten Transaktionen belief sich das Transaktionsvolumen für europäische Ziele in der ersten Hälfte des Jahres 2020 auf 420 Mrd. USD. Dies bedeutete einen Anstieg von +37% gegenüber den Werten des ersten Halbjahres 2019.

Zu den größten europäischen Übernahmezielen im ersten Halbjahr 2020 gehörten die Übernahme der niederländischen Unilever NV durch die britische Unilever plc (Dealvolumen: 106,87 Mrd. USD), der russischen Sberbank Rossii PAO durch den Russian National Wealth Fund  (33,85 Mrd. USD), die britische Willis Towers Watson PLC durch die ebenfalls britische Aon PLC (30,14 Mrd. USD).

Des Weiteren wurde die Übernahme der deutschen Thyssenkrupp AG-Elevator Tec durch die britische Thyssenkrupp AG-Elevator SPV (18,71 Mrd. USD) sowie die Übernahme der niederländischen Qiagen NV durch die ebenfalls in den Niederlanden ansässigen Thermo Fisher-Tochter Quebec B.V. (10,72 Mrd. USD) in der ersten Jahreshälfte 2020 angekündigt.

Auch in Japan fiel die Entwicklung leicht positiv aus: Die M&A-Aktivitäten erreichten dort bei den angekündigten Transaktionen 39,1 Mrd. USD, ein Anstieg um +3% im Vergleich zum Vorjahreshalbjahr. In allen anderen Regionen der Welt waren die angekündigten Übernahmen und Fusionen gemessen am Volumen in der ersten Jahreshälfte 2020 deutlich rückläufig.

Rückgang bei Mega-Deals über 10 Mrd. USD besonders deutlich

Besonders intensiv fiel der Rückgang bei Transaktionen oberhalb eines Volumens von 10 Mrd. USD aus: Der Wert der weltweiten Fusionen und Übernahmen von mehr als 10 Mrd. USD belief sich in der ersten Hälfte 2020 auf insgesamt 318,2 Mrd. USD.

Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bedeutete dies einen Rückgang von -62%. Investoren hielten sich also bei den Riesen-Transaktionen deutlich stärker zurück, als noch in den Vorjahren. Dies ist in Zeiten massiver Konjunktureinbrüche aber auch nicht wirklich überraschend.

Moderater Rückgang beim Risikokapital

Der ebenfalls in den USA ansässige Wirtschaftsinformationsdienst Crunchbase hat das Investorenverhalten auf den Risikokapitalmärkten näher unter die Lupe genommen. Hier fiel der Rückgang deutlich geringer aus.

Insgesamt erhielten Startups und junge Unternehmen weltweit insgesamt 129 Mrd. USD an Venture- bzw. Risikokapital. Im Vergleich zum ersten Halbjahr des Vorjahrs bedeutete dies ein Rückgang von moderaten -7%.

Deutlich angestiegen ist die Risikofinanzierung im Bereich der Biotechnologie. Stark rückläufig war das zur Verfügung gestellte Risikokapital insbesondere in den Sektoren Transport und Immobilien.

Zusammenfassend ziehen die Analysten von Crunchbase folgendes Fazit: „Nach zwei starken Jahren der Finanzierung von Technologie-Neugründungen, die 2018 ihren Höhepunkt erreicht haben, haben wir in diesem Jahr einen Rückschritt zu verzeichnen. Allerdings ist der Umschwung nicht so dramatisch, wie wir erwartet hätten.“

Wie es weitergehen kann

Ich bin zuversichtlich, dass mit dem Abflauen der Corona-Pandemie auch die Zahl der Übernahmen wieder ansteigen wird. Die Kassen großer Investoren wie Warren Buffett und weiterer institutioneller Anleger sind gut gefüllt und warten auf lohnenswerte Investmentziele in ruhigeren Zeiten.

Ich bin mir daher sicher: Ein Anziehen der Konjunktur wird auch zu einer Normalisierung auf den Übernahme-Märkten führen. Damit werden auch Sie als Investoren wieder von spektakulären Transaktionen profitieren können.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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