Halbleiterindustrie: Die Kluft zwischen Gegenwart und Zukunft

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Es war kein einfaches Geschäftsjahr. Dabei könnte der langfristige Ausblick kaum besser sein. Die Digitalisierung ist das Zukunftsthema schlechthin. (Foto: KYTan / Shutterstock.com)

Für die Halbleiter- und Chipbranche war 2019 kein einfaches Geschäftsjahr. Die weltweite Nachfrage ist rückläufig. Die Konjunktur kommt ins Wanken. Politische Unsicherheiten belasten die Geschäftsentwicklung. Der Handelsstreit zwischen den USA und China hat erhebliche Schäden verursacht. Zudem sorgt das Brexit-Chaos für weitere Anspannung. Die Halbleiter- und Chipwerte zählen zu den konjunkturanfälligsten Unternehmen und sind für solche Spannungen besonders empfänglich.

Dabei könnte der langfristige Ausblick kaum besser sein. Die Digitalisierung ist das Zukunftsthema schlechthin. Digitale Produkte benötigen Halbleiter, Chips und Grafikkarten. Ein Nachfrageüberhang lässt sich also kaum aufhalten. Und das ist erst der Anfang. Nach weiteren Zukunftsthemen braucht man nicht lange zu suchen. Das autonome Fahren, Kryptowährungen, E-Sports und das Internet der Dinge sind nur die plakativsten neuen Wachstumsfelder. Jeder Bereich stellt für sich schon einen neuen Milliarden- oder gar Billionenmarkt dar.

Wettbewerb belebt das Geschäft

Bei den klassischen Computerchipsätzen teilen AMD und Intel den Markt unter sich auf. Bei den Prozessoren sieht es anders aus. Dieser Geschäftsbereich steht vor dem größten Umbruch der letzten Jahre. Anstatt die Prozessoren aus einer Hand produzieren zu lassen, entwerfen zunächst hochspezialisierte Unternehmen eine grundlegende Chiparchitektur, die dann in einem zweiten Schritt von NVIDIA, Qualcomm oder zunehmend auch von Apple für ihre individuellen Prozessdesigns genutzt wird. Die Produktion erfolgt dann meist durch externe Hersteller.

Ein wichtiger Produzent ist Samsung Electronics. Diese Wertschöpfungskette macht deutlich, dass es keine einheitliche Halbleiter- und Chipbranche gibt, sondern sich der Wettbewerb auf ganz unterschiedlichen Ebenen abspielt und gleichzeitig alle Unternehmen wechselseitig voneinander abhängig sind.

Marktführer mit tiefem Burggraben

In diesem Marktumfeld gibt es klare Gewinner und Verlierer. Viele denken, dass das Rad in der Halbleiter- und Chipindustrie mehrmals jährlich neu erfunden werden würde. Das stimmt aber nicht. Die Branche verfügt über hohe Markteintrittsbarrieren. Unternehmen, die vor 20 Jahren das Feld angeführt haben, sind auch heute noch Marktführer.

Das hat mehrere Gründe. Zunächst ist der Patent- und Know-how-Schutz so hoch wie in kaum einer anderen Branche. Zweitens sorgt die langfristige Vernetzung der verschiedenen Techniken für Abhängigkeiten. Unternehmen, die mit einem Snapdragon-Prozessor von NVIDIA produzieren, werden nicht plötzlich auf ein Konkurrenzprodukt umschwenken. Drittens sorgen auf der letzten Stufe Größeneffekte für erhebliche Kostenvorteile.

Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass die größten Unternehmen meist die Branche anführen. Applied Materials, Intel, NVIDIA, aber auch Samsung oder Siltronic werden den Markt in Zukunft dominieren – und das bei beispiellosen Wachstumsaussichten.

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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und High Performance Depot.

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