Halten oder verkaufen: Diese Frage stellt sich auch bei Immobilien

Welche Strategie Sie als Immobilien-Investor fahren hängt nicht nur von persönlichen Vorlieben ab. In manchen Fällen kann der schnelle An- und Verkauf von Objekten angebracht sein, in anderen das Halten – auch über mehrere Generationen. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

In vielen Großstädten gibt es beliebte Stadtteile, Wohnviertel, die dank ihres Ambientes ungebrochen als „gute Lage“ durchgehen. Meist stammen sie aus der Zeit des ersten großstädtischen Baubooms der Industrialisierung, der Gründerzeit. Sie zeichnen sich noch heute durch ihre typische Fassadengestaltung aus, ihre mehrgeschossige Bauweise und ein entsprechendes Platzangebot.

Kurzfristig entwickeln…

Diese Viertel bieten, zumindest in manchen Städten, Investoren mitunter die Möglichkeit, relativ günstig zu kaufen, durch Investition in Sanierung und Aufwertung des Wohnambientes eine entsprechende Wertsteigerung zu generieren und das Objekt dann gut wieder zu verkaufen: Gründerzeit-Viertel ziehen die entsprechende Klientel an.

Natürlich sollten Sie nicht aus den Augen verlieren, dass Gebäude dieser Art unter Umständen kostspielige Überraschungen bereithalten: Fassadensanierungen, lange unentdeckte Schäden am Baukörper oder erheblicher Sanierungsbedarf im Bereich Energieversorgung oder Sanitäranlagen. Die Instandhaltung von Rohbau und Versorgungssystemen sollte deshalb ebenso mit Bedacht durchgeführt werden wie die Gestaltung und Renovierung vorhandenen Wohnraums. Denn alles, was Sie nicht ordentlich machen, muss irgendwann Ihr Nachfolger tun.

…oder langfristig?

Vor allem dann, wenn Sie ein Objekt besitzen oder kaufen können, das für Sie das Potential hat, als langfristiges Investment in das Familienvermögen einzugehen. Sie sollten also beim Kauf immer im Auge haben, ob es sich eventuell auch um ein langfristiges Investment handeln könnte. Wenn das Objekt nachhaltig einen positiven Cash-Flow bietet, sollten Sie nicht von vornherein ausschließen, es zu halten, möglicherweise auch über Generationen hinweg. Langfristige Immobilieninvestments sind mitunter die stabilsten Geldanlagen, die man tätigen kann. Sie brauchen aber auch eine langfristige Strategie.

Der Blick in die Vergangenheit beweist es: Wessen Vater oder Großvater in der Gründerzeit ein Stadthaus in einer beliebten Gegend gebaut hat, und es dann in der Familie weitervererbt hat, hat Glück. Wenn die Lage entsprechend ist und der Zustand des Gebäudes in Ordnung, hat der Erbe meistens eine gute und sichere Geldanlage im Portfolio – selbst, wenn es zwischenzeitlich einmal nicht so rosig aussah oder aussieht.

Ein gutes Beispiel ist hier die Ehrenstraße in Köln. Bis in die 1960er Jahre handelte es sich um eine normale Innenstadtlage, zum Teil sogar mit sehr schlechtem Image, ein Teil der Straße lag im Rotlichtbezirk. In den vergangenen 25 Jahren allerdings hat sich das Gebiet zu einer der Topadressen entwickelt. Die Preise der Häuser haben sich vervielfacht, große Modeketten überbieten sich gegenseitig bei der Miete von Ladenlokalen.

Sicherlich ist es nicht immer leicht, zu entscheiden, welches Objekt das Potential bietet, auch über einen langen Zeitraum lukrativ zu bleiben. Als Fachmann bekommen Sie aber mit Sicherheit schnell einen Blick dafür – und das könnte sich auszahlen: Wenn nicht für Sie, dann vielleicht für Ihre Erben!

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Von: Thomas Knedel. Über den Autor

Immobilieninvestor, -manager, Buchautor sowie Initiator und Betreiber des Netzwerkes Immopreneur.de sagt über sich selbst: Immobilien haben mich schon immer fasziniert.