Handelskonflikte: Nafta-Neuauflage als Wegweiser

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Was der neue Handelsdeal zwischen den USA, Kanada und Mexiko für China und die EU bedeuten könnte. (Foto: cybrain / Shutterstock.com)

US-Präsident Donald Trump und die von ihm angezettelten Handelskonflikte waren in diesem Jahr bislang eines der beherrschenden Themen an der Börse. Es ist nicht lange her, dass Trump den kanadischen Premierminister Justin Trudeau wüst beschimpfte und die Kanadier daraufhin anfingen, US-amerikanische Waren zu boykottieren.

Auch mit den mexikanischen Nachbarn gab es Ärger. Trump kündigte schon Wahlkampf an, eine Mauer an der mexikanischen Grenze bauen zu wollen und dass die Mexikaner die Mauer selbst bezahlen sollten. Zudem wurde das nordamerikanische Freihandelsabkommen Nafta aufgekündigt. Es sah lange Zeit so aus, als wenn eine Neuauflage des Abkommens völlige Utopie wäre.

Doch nun gab es in letzter Minute den Durchbruch: Denn die USA und Kanada haben sich in letzter Minute im Streit um die Neuauflage des gemeinsamen Freihandelsabkommens mit Mexiko geeinigt. Vor dem Verstreichen der Frist haben sich beide Länder auf ein neues USA-Mexiko-Kanada-Abkommen (USMCA) geeinigt.

Alter Wein in neuen Schläuchen

Weil Donald Trump seinen Wählern und Unterstützern das neue Abkommen als komplette Neuüberholung präsentieren wollte, durfte das Wort Handel bzw. Freihandel nicht im Namen vorkommen. Daher der Name USMCA.

Der größte Unterschied zum alten Abkommen ist jedoch tatsächlich der Name. Insofern darf dieses Abkommen aus meiner Sicht getrost als alter Wein in neuen Schläuchen bezeichnet werden. Denn das neue Abkommen hat sehr viel mehr mit Freihandel zu tun als man nach den großspurigen Ankündigungen von Trump vermuten konnte.

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Insofern ist USMCA sowohl für den Freihandel ein gutes Ergebnis, als auch für US-Präsident Trump, der dadurch 5 Wochen vor den wichtigen Midterm-Kongresswahlen einen gefühlten Sieg verbuchen konnte. Er sieht sich als größten Deal-Macher der US-Geschichte.

Wie geht es mit China und der EU weiter?

Der Deal zwischen den USA, Kanada und Mexiko könnte eine Blaupause für neue Vereinbarungen zwischen den USA und China sowie den USA und der EU sein. Besonders die Situation zwischen den USA und China ist zuletzt immer weiter eskaliert. Doch das sollte keineswegs so interpretiert werden, dass eine Einigung schwieriger oder gar unmöglich geworden ist.

Im Gegenteil: Die Last-Minute-Einigung zwischen den USA und Kanada hat gezeigt, dass die Vorgeschichte (also die wüsten Beschimpfungen durch Trump) keine Rolle spielt. Noch wichtiger jedoch ist, dass das neue Abkommen USMCA zeigt, dass auch kleine Veränderungen bei Handelsdeals mit Trump einen großen Unterschied machen können.

Mit anderen Worten: Wenn die EU und China dem US-Präsidenten ein bisschen was von dem anbieten, was er fordert, kann das durchaus für einen großen Durchbruch reichen. Und ich bin nach wie vor überzeugt davon, dass es auch dort schlussendlich einen Deal geben wird und dass die Börsen, vor allem in Europa, dann deutlich zulegen werden. Trump will keinen Handelskrieg, er will einen weiteren Deal.


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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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