Handelskrieg droht: US-Präsident Trump sieht USA als Gewinner

Sollte es zum Handelskrieg kommen, wäre Deutschland stark gefährdet. Lesen Sie hier die Gründe. (Foto: Evan El-Amin / Shutterstock.com)

US-Präsident Trump bestimmt in diesen Tagen ganz klar die Schlagzeilen vieler Medien – gerade auch nach dem Treffen mit dem nordkoreanischen Staatschef Kim Jung Un. Aber für die Finanzmärkte sind die Handelskonflikte zwischen den USA und vielen anderen Länder sehr viel wichtiger.

US-Präsident Donald Trump hat kürzlich erklärt, dass die USA angesichts eines jährlichen Handelsbilanzdefizits von 566 Mrd. Dollar einen Handelskrieg gegen Europa und China niemals verlieren könnten. Wie er weiter ausführte, wären die USA über lange Zeit von anderen Ländern über den Tisch gezogen worden. Gleichzeitig sprach Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier davon, dass die geplanten Maßnahmen der EU gegen die US-Zölle auf Stahl und Aluminium die USA hart treffen würden.

Doch hier sehe ich es wie der US-Präsident. Wenn ein Handelskrieg zum Abbau der Ungleichgewichte und des US-Defizites in der Handelsbilanz führt, dann haben nicht die USA ein Problem, sondern Exportländer – in erster Linie Deutschland. Unser ganzer angeblicher „Wirtschaftsboom“ der letzten Jahre beruht auf einem immer größeren Exportüberschuss, was bedeutet, dass ständig mehr Waren exportiert als importiert werden.

Deutscher Exportüberschuss wird immer größer – das ist gefährlich

Mittlerweile liegt der deutsche Exportüberschuss bei einem Rekordwert von etwa 8 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) – selbst die EU hält maximal 6 Prozent Exportüberschuss zum BIP für tragbar. Wenn durch einen Handelskrieg mit den USA der deutsche Export einbricht, dann verwandelt sich dieser vermeintliche „Boom“ sehr schnell in eine ausgewachsene Wirtschaftskrise.

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Immerhin werden ganze 46 Prozent unseres BIPs nur durch Exporte erwirtschaftet. Selbst ein geringfügiger Rückgang der Exportquote bedeutet für Deutschland dann schon eine nur noch schwer beherrschbare Krise.

Und dass Zölle auf wirtschaftlich unbedeutende US-Waren wie Levi‘s-Jeans, Harley-Davidson Motorräder oder Whiskey die USA hart treffen werden, halte ich für ein Märchen. Damit hat der US-Präsident recht, wenn er sagt, dass sein Land diesen Krieg nicht verlieren kann. Verlieren wird ihn auf jeden Fall Deutschland mit seiner einseitigen Exportpolitik.

Deshalb bleibe ich bei meiner Einschätzung, dass gerade Deutschland beim nächsten Finanzcrash weitaus mehr zu leiden haben wird als andere Länder. Daher sollten Sie keinesfalls auf einen dauerhaften „Wirtschaftsboom“ setzen, sondern sich weiter aktiv auf den unvermeidlichen Kollaps vorbereiten.


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Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.