Handelskrieg mit China: Gefahr für deutsche Autobauer?

Der drohende Handelskrieg mit China betrifft womöglich auch Deutschlands Autobranche. Deren Primus VW kämpft noch an anderen Fronten. (Foto: Cineberg / Shutterstock.com)

Es herrscht helle Aufregung in Europas Automobilbranche.

Nachdem die EU-Kommission Strafzölle auf chinesische Solarmodule verhängt hatte, erwägt Peking nun Gegenmaßnahmen.

Eskaliert der Handelsstreit?

Im Gespräch waren etwa Strafzölle auf Weinimporte, die vor allem Frankreich getroffen hätten. Nun stehen Medienberichten zufolge offenbar auch Abgaben auf Autoeinfuhren auf der Agenda. Die würden in erster Linie Deutschland treffen.

Da stört es die chinesischen Machthaber auch nicht, dass sich Deutschland – wie die Mehrheit der EU-Staaten – eigentlich gegen Strafzölle ausgesprochen hatte.

Brüssel hat ein Machtwort gesprochen, auch gegen den Widerstand der Mitgliedsländer, nun droht die Quittung.

Der Handelskrieg, vor dem die nationalen Regierungen gewarnt hatten, könnte nun eskalieren.

Strafzölle wären vor allem Rückschlag für VW

Kommt die Zwangsabgabe auf europäische Autos, wäre das ein harter Schlag vor allem für Volkswagen. Für die Wolfsburger mit ihren Marken VW und Audi ist das Reich der Mitte einer der wichtigsten Absatzmärkte überhaupt.

Dort nicht zurückzufallen, hat gerade für VW Priorität, strebt man dort doch weiterhin nach dem ambitionierten Ziel: Weltspitze 2018.

Dafür müsste man an Toyota vorbei. Der japanische Automobilhersteller hatte nach der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe 2011 einen herben Rückschlag erlitten. Inzwischen aber produziert man in Japan wieder profitabel – und zwar profitabler als hierzulande.

Toyota zurück an der Pole Position

Zumindest bei den Umsatzzahlen hat sich Toyota im ersten Quartal 2013 wieder an die Pole Position zurückgekämpft, die man zwischenzeitlich an VW verloren hatte.

Toyota konnte seine Zahlen steigern, während Volkswagen mit rückläufigen Umsätzen zu kämpfen hatte.

Der weltweite Absatzmarkt scheint dabei klar aufgeteilt: In den USA haben die Asiaten – und General Motors – die Nase vorn, in Asien dagegen sind, zumindest im Premiumsegment, die deutschen Hersteller besonders gefragt.

Flaute in Europa

Und in Europa? Da herrscht weiterhin Flaute. Zwar sieht man auf den hiesigen Straßen viele asiatische, deutsche, südeuropäische und amerikanische Modelle herumfahren – aber das sind überwiegend keine Neuwagen.

Die Neuzulassungen – gerade in Europa – sind weiterhin rückläufig, während der Markt in den USA wieder zu boomen beginnt. Dass japanische Hersteller hier so stark punkten können, liegt nicht zuletzt an der schwachen Landeswährung Yen, die die Exporte nach oben treibt.

Für VW gestaltet sich damit die Übernahme der Weltmarktspitze bis 2018 doppelt schwer: Für die Wolfsburger selbst läuft es schlechter, für Hauptkonkurrent Toyota hingegen immer besser.

Wenn nun noch Strafzölle aus China den wichtigen Zukunftsmarkt drosseln, könnte der Optimismus bald vorbei sein.

Winterkorn als Berater Chinas

Da kommt es doch wie gerufen, dass ausgerechnet VW-Chef Martin Winterkorn seit ein paar Tagen offiziell zum illustren Kreis jener internationalen Top-Manager gehört, die den chinesischen Premier Li Keqiang beraten dürfen.

Als einziger Deutscher und zugleich einziger Vertreter der Automobilbranche ist diese Position sehr vielversprechend, um sich für die nächste Zeit zu rüsten.

Zumindest zuhause gelang VW ein wichtiger Schritt: Der Lkw-Hersteller MAN untersteht künftig vollständig dem Mutterkonzern.

Streit um MAN-Abfindungen

98,47 Prozent des Kapitals stimmten bei der MAN-Hauptversammlung diesem Schritt zu – 75 Prozent gehörten ohnehin schon den Wolfsburgern.

Streit gibt es noch um die Höhe der Abfindung, die zunächst mit gut 80 Euro je Aktie und damit unterhalb des letzten Kurses festgelegt wurde.

Hier könnte es also noch zu der einen oder anderen juristischen Auseinandersetzung kommen.

Verglichen mit dem Blick nach Asien dürften diese allerdings die Konzernspitze wenig schrecken.

Anleger zeigten sich am Montag zuversichtlich: Die VW-Aktie notierte am Mittag deutlich im Plus.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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