Handelsstreit: Annäherung zwischen Washington und Peking?

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Die Gespräche laufen schleppend, eine Lösung im Handelsstreit ist nicht in Sicht. Die Hälfte der Verhandlungsdauer ist bereits verstrichen. (Foto: crystal51 / Shutterstock.com)

Kommt nun doch noch einmal Bewegung in den Handelsstreit zwischen China und den USA? Laut Medienberichten wird in der US-Regierung darüber diskutiert, die Strafzölle auf Importe aus China zu lockern.

Von offizieller Seite wurde dies zwar dementiert, an den Aktienmärkten wurde trotzdem gejubelt. Denn der Handelsstreit wirkt sich zunehmend auf die Entwicklung der Weltwirtschaft aus und droht den Aufschwung abzuwürgen: Weil sich das Wirtschaftswachstum in China verlangsamt, China aber Geschäfte überall auf der Welt macht, flaut die Konjunktur auch andernorts ab.

US-Unternehmen beklagen Handelsdefizit

Aus Sicht vieler deutscher Unternehmen, die ihre Produkte vor allem ins Ausland exportieren, ist China ein wichtiger Absatzmarkt. Die USA hingegen importieren vor allem Waren aus dem Reich der Mitte – und beklagen schon seit langem das bestehende Handelsdefizit.

Der amtierende US-Präsident setzt nun jedoch um, was er im Wahlkampf versprochen hatte: Eine harte Linie gegenüber Peking. So umstritten Trumps Außenpolitik insgesamt – auch innerhalb der USA – gesehen wird, in Sachen China herrscht tatsächlich weitgehender Konsens, auch über die tiefen Gräben zwischen den Parteien der Republikanern und Demokraten hinweg.

Auch die sonst trump-kritischen Tech-Unternehmen im Silicon Valley stützen den Kurs des Präsidenten. Sie beklagen Medienberichten zufolge den anhaltenden Technologie- und Know-how-Transfer und werfen China nicht zuletzt dreisten Ideendiebstahl vor.

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Billigkonkurrenz aus Fernost: Ärgernis für westliche Firmen

Das Thema ist auch hierzulande nicht unbekannt, denkt man beispielsweise an die Solarpanel-Industrie. Der einst aufstrebende Wirtschaftszweig wurde durch europäische Zölle zunächst geschützt, fiel später aber weitgehend der chinesischen Konkurrenz zum Opfer.

Nicht zuletzt durch geringere Lohn- und Entwicklungskosten können chinesische Firmen ihre Produkte häufig weitaus günstiger anbieten. Dies wurde durch die US-Strafzölle jedoch eingedämmt. Bereits seit etwa einem halben Jahr schaukelt sich der Handelsstreit immer weiter hoch, die Strafzölle werden immer mehr und immer höher.

Erst im Dezember erfolgte eine dezente Annäherung: Die Regierungen aus Washington und Peking vereinbarten dreimonatige Verhandlungen. Während dieser Zeit setzt die US-Regierung auch die ursprünglich für den 1. Januar geplante Erhöhung der Strafzölle von 2,5 auf 25 Prozent aus. China hatte im Dezember seinerseits erste Zölle gesenkt und auch die Ausfuhrquote verringert – ein kleines Signal der Entspannung.

Hälfte des Verhandlungszeitraums abgelaufen

Doch die Gespräche gestalten sich offenbar komplizierter als zunächst angenommen – und die Hälfte der dreimonatigen Frist ist bereits verstrichen. Erste Treffen verliefen weitgehend ergebnislos, für den 30. Januar wird nun erneut eine chinesische Delegation in Washington erwartet.

Gelingt es den Regierungen nicht, ihren Handelsstreit beizulegen, droht am 2. März mit dem Ende des vereinbarten Verhandlungszeitraums die nächste Eskalationsstufe: Sollten die USA die Strafzölle auf chinesische Importe tatsächlich auf 25 Prozent anheben, dürfte auch Peking mit entsprechenden Gegenmaßnahmen reagieren. Die Folgen für die Weltwirtschaft und die deutsche Exportindustrie – ungewiss, aber sicherlich nicht gut.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.