Handelsstreit: Geht’s wieder los?

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Fast 5 Monate lang herrschte relative Ruhe. Nun „trumpelt“ der US-Präsident wieder auf den Nerven der Börsianer herum. (Foto: crystal51 / Shutterstock.com)

Ach, war das schön: Am ersten Dezember-Wochenende 2018 hatten sich China und die USA während des G20-Gipfels in Buenos Aires auf eine 90-tägige Aussetzung ihrer Handelsstreitigkeiten geeinigt.

Inzwischen waren gar 5 Monate ins Land gegangen, ohne dass uns Investoren diese Dauerthematik aus dem Vorjahr großartig behelligte. Wer indes geglaubt hatte, dass aufgrund der seither fortgesetzten Verhandlungsgespräche der Streit beigelegt werden könne, wurde nun jäh eines besseren belehrt:

Am Sonntag zeigte sich der US-Präsident „not amused“ über den zuletzt wohl wieder schleppenden Verlauf der Gespräche zwischen den beiden Nationen. Trump kündigte eine Anhebung der bereits bestehenden Sonderzölle auf Warenimporte aus China von bislang 10% auf 25% schon für den kommenden Freitag an.

Mit dieser Maßnahme will der US-Präsident, wie es heißt, Nachverhandlungsbemühungen durch China im Keim ersticken. Dafür schrecke er selbst vor einer Ausweitung der Sonderzölle auf alle Importwaren nicht zurück – so die Drohung.

In China gingen die Aktienmärkte daraufhin auf Tauchstation. Der DAX knickte am Morgen gleich mal um -2% ein. Und die Futures für die US-Indizes signalisieren für den Montagnachmittag ebenfalls einen schwachen Start in die Woche mit Abschlägen zwischen -1,8% und -2,2%.

Wir schauen aus diesem Anlass heute einmal auf den Shanghai Composite.

Shanghai Composite: -5,6% Tagesverlust

Der Shanghai Composite, den wir hier regelmäßig stellvertretend für die chinesischen Aktien betrachten, kam heute aufgrund der Trump-Ankündigung mächtig unter die Räder: Satte -5,6% rauschte der Index in die Tiefe.

Überraschend kam das für den Charttechniker indes nicht wirklich: Tatsächlich sendete der Shanghai Composite schon seit Mitte März Schwäche-Signale aus.

Dabei hatte das Börsenjahr 2019 ausgesprochen verheißungsvoll begonnen. Schauen wir uns das einmal gemeinsam im nachfolgenden Chart an:

Shanghai Composite sendet schon seit Mitte März Schwäche-Signale

Meine Prognose von Januar 2019 ging voll auf

Zuletzt hatte ich den Shanghai Composite für Sie am 17. Januar dieses Jahres analysiert. Mein seinerzeitiges Fazit fasst die damalige Ausgangsposition noch einmal für Sie zusammen:

„Tatsächlich ist die Charttechnik für chinesische Aktien so vielversprechend wie schon lange nicht mehr. Denn neben dem bereits positiven Signal vom Schwung-Indikator schickt sich nun auch das On-Balance-Volumen an, ein Kaufsignal zu generieren.

Last not least ein Schmankerl zum Schluss: Die von mir eingezeichneten grünen Linien kennzeichnen eine potentielle Doppelboden- oder W-Formation.

Als gewiefte(r) Charttechniker(in) wissen Sie, dass diesem Kursmuster eine positive Prognose-Kraft innewohnt: Sie bildet oftmals den Schlussakkord eines langfristigen Abwärtstrends.

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Beachten Sie aber bitte: Diese Formation wird erst dann aktiviert, wenn das Hoch zwischen den Tiefs überboten wird!“

Chinesische Aktien: +28% in 2 ½ Monaten

Voilà: Genauso haben sich die Dinge seit meiner Analyse letztlich auch entwickelt. Und die Indikatoren wiesen Ihnen dabei einmal mehr frühzeitig – also noch vor der Aktivierung der W-Formation – den Weg nach oben!

Seit meiner Analyse kletterte der Shanghai Composite in der Spitze um +28%: Das war wieder einmal ein Volltreffer!

Erste Warnung Mitte März, zweite vor 14 Tagen

Was Sie indes auch sehen: Der heutige Abschlag von -5,6% kam keineswegs so überraschend wie die eingangs genannten Trump-Drohungen, die den Rücksetzer initiierten.

Schon Mitte März knickte das 50-Tage-Momentum ein und durchbrach seinen Anfang Januar initiierten Aufwärtstrend (blauer Kreis). Danach baute sich eine Divergenz (Abweichung) auf:

Sie wissen ja: Eine Divergenz bildet sich immer dann, wenn ein Indikator wie das Momentum in die entgegengesetzte Richtung des Marktes läuft: Hier bildete der Index Anfang April noch ein neues Hoch aus (violette Linie), während der Schwung-Indikator ein tieferes Hoch generierte.

Und auch das On-Balance-Volumen warnte spätestens seit der letzten Aprilwoche: Der Großinvestoren-Indikator durchbrach seinen seit Jahresbeginn laufenden Aufwärtstrend.

Fazit

Das „Trumpeltier“ war diesmal also nicht Auslöser einer neuerlichen Schwäche des chinesischen Aktienmarktes. Wenn, dann waren die jüngsten Strafzoll-Drohungen wohl mehr ein Brandbeschleuniger.

Rund +28% konnte der Shanghai Composite seit meiner optimistischen Prognose Mitte Januar 2019 bis Anfang April in der Spitze zulegen. Doch erste Schwächesignale gab es bereits Mitte März.

Vor 14 Tagen schrillten die Alarmglocken dann besonders laut – also nicht erst jetzt mit den neuerlichen Drohungen im Handelsstreit zwischen China und den USA. Und wieder einmal zeigt sich:

Die Marktkommentare können Sie getrost ignorieren! Wenn Sie dauerhaften Investment-Erfolg anstreben, dann achten Sie stattdessen auf die Signale, die Ihnen von der Charttechnik serviert werden.

Der Chart oben gibt Ihnen übrigens auch einen weiteren Hinweis auf das, was Sie in den kommenden Wochen erwarten dürfen:

Die W-Formation ist in aller Regel ein langfristig orientiertes Chartsignal. Soll heißen: Eine Wiederaufnahme des im Jahr 2018 gesehenen Abwärtstrends ist eher unwahrscheinlich!

Und: Ein Pull-Back (Rücksetzer) des Shanghai Composite auf die Ausbruchslinie, also die (pinkfarbene) Linie durch das Top der Doppelboden-Formation, wäre ein völlig normaler Vorgang. Dann sollte der Aufwärtstrend wieder greifen.

Wir werden mithin in Kürze erleben, ob sich dieses Niveau als nachträgliches Einstiegsniveau geeignet hat.


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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.