Handelsstreit pausiert – Autobauer zittern weiter

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Hohe Zölle auf Autoimporte sind immer noch nicht vom Tisch – Aktien deutscher Autobauer geraten erneut unter die Räder. (Foto: Roman Vyshnikov / Shutterstock.com)

„Make America Great Again“ – mit diesem Wahlkampfslogan begann und begründete US-Präsident Donald Trump seine Abschottungspolitik.

In einer globalisierten Welt, in der Personenverkehr, Warenhandel und Wissenstransfer über nahezu alle Ländergrenzen hinweg möglich und zumeist auch erwünscht ist, geriert sich ausgerechnet das Land der unbegrenzten Möglichkeiten als Einzelgänger.

Auch zwei Jahre nach seiner Amtsübernahme scheint sich die Welt noch einstellen zu müssen auf den Unternehmer Trump im Weißen Haus, der auf Drohungen setzt statt auf Diplomatie, auf Twitter statt Politberater – und auf Zölle statt Freihandel.

Annäherung, aber keine Einigung zwischen USA und China

Während ein Großteil der Welt daran arbeitet, Handelsbarrieren abzubauen, wirft Trump langwierig ausgehandelte Kompromisse über Bord und zieht stattdessen lieber neue Grenzen hoch, gern in Form von Strafzöllen oder deren Androhung.

Besonders deutlich bekam das in den vergangenen Monaten China zu spüren, doch dessen Führung reagierte prompt mit entsprechenden Gegenmaßnahmen. In einer Eskalationsspirale überzogen sich die beiden wirtschaftlichen Weltmächte gegenseitig mit Strafzöllen, die Vokabel „Handelskrieg“ schaffte es wieder in die Nachrichten und die Welthandelsorganisation warnte immer wieder vor den Folgen – nicht nur für die beiden direkt beteiligten Staaten, sondern auch für den Rest der Welt, wenn der globale Handel und somit der Konjunkturmotor ins Stocken gerät.

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Die Fronten schienen verhärtet. Umso erleichterter war man nun, als am Rande des G20-Gipfels in Argentinien tatsächlich eine überraschende Annäherung erzielt werden konnte. Die eigentlich für den 1. Januar geplanten neuen Zölle werden vorläufig auf Eis gelegt, man gibt sich 90 Tage Zeit, um über offene Konflikte zu verhandeln und eine weitere Eskalation der Lage zu verhindern.

„Mann der Zölle“ verschreckt Autobauer und deren Anleger

Während von chinesischer Seite verdeutlicht wurde, dass es darum gehe, die Zölle abzubauen, twitterte Trump noch vor wenigen Tagen, er sei ein „Mann der Zölle“. Das schreckte auch deutsche Autobauer auf, die erst kürzlich hochrangige Manager ins Weiße Haus schickten um in vertraulichen Männergesprächen abzuklopfen, ob es da nicht doch noch eine andere Möglichkeit gebe – sehr zum Missfallen der Politiker in Berlin und Brüssel, die für die auswärtige Handelspolitik eigentlich zuständig sind.

Zwar zeigten sich die Vertreter der drei großen deutschen Autokonzerne nach den Gesprächen zuversichtlich, mit dem Versprechen höherer Investitionen in den USA Schlimmeres abwenden zu können, doch ganz vom Tisch sind die angedrohten Zölle auf Autoimporte noch nicht. Bislang werden 2,5 Prozent fällig – im Raum steht eine Verzehnfachung auf bis zu 25 Prozent.

Das würde die wichtigste deutsche Exportindustrie, die für ein Drittel der Ausfuhren in die USA verantwortlich ist, empfindlich treffen. Die Verunsicherung machte sich auch am Parkett bemerkbar: Aktien von Daimler, BMW und Volkswagen gaben zuletzt noch einmal kräftig nach.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.