Hapag Lloyds Fusionsplan: Der richtige Schritt zum richtigen Zeitpunkt

In der Schifffahrtsbranche zeichnet sich eine weitere Milliarden-Fusion ab. Das Management der Hamburger Reederei Hapag Lloyd teilte mit, dass er sich mit dem arabischen Konkurrenten United Arab Shipping Co. (UASC) in Fusionsverhandlungen befinde.

Die Verhandlungen laufen noch, befinden sich jedoch bereits in einem fortgeschrittenen Stadium. Kommt es am Ende zu einer Transaktion, werden die Hapag Lloyd-Aktionäre 72% der Anteile halten, die UASC-Aktionäre 28%.

Übernahme-Welle unter kleinen Reedereien – Milliardendeals in der Branchenspitze

Gemessen an der Container-Kapazität vereinigt ein Zusammenschluss die Nummer 6 der Branche mit der Nummer 10. Hapag Lloyd beteiligt sich mit der Fusion aktiv an der Konsolidierung in der stark fragmentierten Container-Schifffahrt.

Zu den größeren Deals zählten Frankreichs CMA mit Singapurs Neptune Orient Lines und der Zusammenschluss von COSCO und China Shipping. Hapag Lloyd übernahm 2014 die chilenische CSAV und schloss die Integration im Vorjahr ab.

Preisverfall und sinkende Frachtraten: Es geht nicht ohne Übernahmen

Mit der Deal-Ankündigung folgt Hapag Lloyd einer zentralen Forderung des Großaktionärs Klaus Michael Kühne, der erst im Vormonat in einem Interview forderte, dass Hapag Lloyd größer werden muss.

Kühne verwies auf den starken Druck in der Branche, dem man sich nur durch Größe entziehen könne. Und in der Tat sind die vergangenen Jahre sehr hart gewesen. Mehrere kleinere Gesellschaften fielen der Preis-Erosion zum Opfer und auch die Hapag Lloyd litt unter wachsenden Verlusten.

2015 stand dann aber ein operativer Gewinn in den Büchern. Nicht jedoch, weil die Container-Schiffahrt ihr goldenes Zeitalter erlebte, sondern weil Hapag Lloyd durch die CSAV-Übernahme effizienter wurde. Für Kühne nur der erste Schritt vor weiteren Deals im hart umkämpften Markt.

Hapag Lloyd-Aktie gesucht: Investoren belohnen Ausbruch aus dem „Teufelskreis“

An der Börse kamen die Übernahme-Pläne sehr gut an. Die Hapag Lloyd-Aktie kann in einem unveränderten Markt am Nachmittag um 15% vorrücken und den Spitzenplatz im Mittelstands-Index SDAX einnehmen.

Ein Zusammenschluss wird sehr befürwortet, insbesondere weil der kleinere Fusionspartner 6 sehr effiziente Schiffe mit riesiger Kapazität mitbringen würde.

Hinzu kommt, dass zuletzt ausgehandelte Netz-Allianzen in der Branchenspitze  ungünstig für Hapag Lloyd waren. Viele Analysten und Branchenkenner folgen der Argumentation des Großaktionärs Kühne.

Nach diesem Deal wird die Branche in Bewegung bleiben. Neben Vertrags-Allianzen sind weitere Übernahmen und Fusionen zu erwarten. Denn der Druck bleibt groß in der Branche, selbst wenn Hapag Lloyd zuletzt eine Erholung ausmachte.

Auch wenn die Fusion noch nicht sicher ist, ist aufgrund der „industriellen Logik“ mit einem Zusammenschluss zu rechnen.

21. April 2016

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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