Harte Zeiten für die Autozulieferer

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Die Autozulieferer wurden, wie auch die Automobilhersteller, von der Corona-Krise besonders hart getroffen. (Foto: xiaoliangge/AdobeStock)

Im Verlauf des 1. Quartals belastete zunächst die Corona- Krise in China und die daraus resultierenden negativen Effekte auf die lokale Fahrzeugnachfrage und -produktion die internationalen Automobilwerte.

Die Werksstilllegungen der Fahrzeughersteller und -zulieferer im März und die zu erwartenden negativen Effekte verschiedener Maßnahmen auf die Fahrzeugnachfrage und -produktion im 2. Quartal ließen die Kurse der Automobilwerte im März 2020 einbrechen. Der STOXX Europe 600 Automobiles & Parts sank im 1. Quartal gegenüber dem Jahresende 2019 um 37,5% auf 317,8 Punkte.

Drastischer Rückgang der Pkw-Neuzulassungen

Infolge der COVID-19-Pandemie und der Eindämmungsbemühungen einzelner Staaten brach die Pkw- Nachfrage in allen Regionen der Welt stark ein. Weltweit sanken die Pkw-Neuzulassungen im 1. Quartal 2020 nach vorläufigen Daten um über 20%. Im zeitlichen Verlauf der Pandemie war zunächst China am stärksten betroffen. Vorläufige Daten des Verbands der Automobilindustrie (VDA) zeigen für das 1. Quartal einen Rückgang der Pkw-Neuzulassungen in China um 45%. Im März führten die zunehmenden Eindämmungsmaßnahmen weiterer Staaten ebenfalls zu deutlichen Einbrüchen der Pkw-Nachfrage. Im europäischen Markt sank der Absatz um 26%.

Von den Zulieferern war Leoni bereits vor der Corona-Krise in Schieflage geraten. 2019 wies der Kabelspezialist einen Verlust vor Zinsen und Steuern von 384 Mio. € aus. Durch eine Reihe von Maßnahmen wurden jetzt Schritte eingeleitet, um den Fortbestand des Geschäftsbetriebs vor dem Hintergrund der durch die Covid-19-Pandemie bedingten Absatzrückgänge zu sichern.

Zudem wurde für die Ende März beantragte Staatshilfe eine Zusage erteilt. Jetzt sieht sich Leoni bis Ende 2022 durchfinanziert. Im Gegenzug hat sich Leoni zu einem Dividendenverzicht für die komplette Laufzeit des Kredits verpflichtet. Trotz des massiven Kursverfalls (89% seit 2015) sieht der Leoni-Sanierer den Konzern nicht als Übernahmekandidaten.

Reifennachfrage bricht ein

Auch der Absatz von Reifen für Pkws und leichte Nutzfahrzeuge unter 6 t sank nach vorläufigen Daten um rund 16%. Der globale Markteinbruch wurde insbesondere durch die schwache Nachfrage in China verursacht. Hier reduzierte sich der Absatz um rund 35%. Anders als im 1. Quartal werden voraussichtlich der europäische und der nordamerikanische Markt im 2. Quartal stark betroffen sein. Für Europa und Nordamerika rechnet der VDA mit einem Rückgang der Reifennachfrage für Pkws und leichte Nutzfahrzeuge von über 40% bzw. über 45%.

Besonders hart getroffen hat es Goodyear. Der Absatz verringerte sich von 38,0 auf 21,3 Mio. Reifen. Das operative Ergebnis (EBIT) weitete den Verlust von 38 auf 368 Mio. $ aus. Unterm Strich stand ein Verlust von 619 Mio. $. So hat sich der Aktienkurs seit Anfang des Jahres von allen Zulieferern mit minus 53% am schlechtesten entwickelt. Auf Sicht von 5 Jahren hat die Aktie Dreiviertel ihres Wertes eingebüßt. Um die Liquidität zu sichern, hat Goodyear eine revolvierende Kreditlinie über 2 Mrd. $ mit einer Laufzeit bis 2025 neu vereinbart.

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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und High Performance Depot.

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