Harter Rückschlag: Griechenland votiert mit Nein

Griechenland blieb erwartungsgemäß auch zum Ende der vergangenen Woche hin das beherrschende Thema an den Börsen. Am Donnerstag und Freitag verbuchte der Dax jeweils leichte Verluste und ging letztlich mit einem Schlusswert von 11.058 Punkten in jenes Wochenende, das als historische Richtungsentscheidung in die europäische Geschichte eingehen dürfte.

Denn an diesem Sonntag war die griechische Bevölkerung aufgerufen, in einem kurzfristig einberufenen Referendum mit ja oder nein abzustimmen – für oder gegen das jüngste Angebot der Gläubiger, bestehend aus finanziellen Zusagen und Forderungen nach Reformen.

Kopf-an-Kopf-Rennen laut Prognosen

Umfragen hatten lange auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen hingedeutet. Viele Griechen empfanden es als eine Entscheidung zwischen Pest und Cholera. Ein Ja hätte eine Fortsetzung der Sparpolitik bedeutet, die bereits seit fünf Jahren betrieben wird und der Bevölkerung harte Einschnitte abverlangt. Außerdem hätte es wohl Neuwahlen gegeben, da Ministerpräsident Alexis Tsipras und sein Finanzminister Yanis Varoufakis ihr Amt daran geknüpft hatten.

Ein Nein wiederum galt vielen als Herzensentscheidung, unterstrich es doch noch einmal den Wählerauftrag, mit dem die Regierung im Januar angetreten war: Das als zu hart empfundene Spardiktat aus Brüssel zu beenden und bessere Konditionen, insbesondere einen Schuldenschnitt heraus zu handeln.

60 Prozent „nein“ – Super-GAU für Brüssel

Nun ist die Entscheidung gefallen – und sie fiel deutlicher aus als erwartet. Mehr als 60 Prozent der Griechen folgten ihrer Regierung und stimmten mit Nein. Ein Super-GAU aus Brüsseler Sicht. Noch weiß niemand so recht, wie es nun weitergehen soll.

In Athen wurde auf den Straßen das Ergebnis gefeiert, doch schon bald könnte die Stimmung kippen. Dann nämlich, wenn die Banken auch weiterhin geschlossen bleiben und die humanitäre Katastrophe sich noch dramatisch verschlimmert.

Eine entscheidende Rolle spielt dabei einmal mehr die Europäische Zentralbank. Sie muss darüber entscheiden, ob sie dem faktisch bankrotten Land weitere Notkredite gewährt oder nicht. Einen entsprechenden Antrag hatte Tsipras bereits im Vorfeld des Referendums sicherheitshalber gestellt.

EZB am Schalthebel

Die Meinungen der Ökonomen in der Bewertung dieser Frage gehen weit auseinander. Die einen sagen, dass die EZB neue Hilfskredite gewähren muss, um die Entscheidung über den weiteren Kurs der politischen Ebene zu überlassen.

Kritiker argumentieren, die EZB dürfe solche Kredite nicht gewähren, da es keine Sicherheiten auf griechischer Seite gebe und es sich nicht um einen kurzfristigen Liquiditätsengpass handele, sondern um eine Staatspleite.

Spitzenpolitiker waren am Sonntagabend kaum zu sehen. Allein Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments, äußerte sein Bedauern über das Ergebnis und hält weitere Verhandlungen für äußerst schwierig. Schulz sieht die griechische Regierung nun am Zug, ihrerseits Reformvorschläge zu unterbreiten.

Hektik in Berlin und Brüssel

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident François Hollande treffen sich am Montagabend in Paris, um über die neue Situation zu beraten. Bereits am Dienstag soll ein EU-Sondergipfel zu Griechenland stattfinden.

Klar ist, dass Tsipras und Varoufakis gestärkt aus dem Referendum hervorgehen. Klar ist aber auch, dass sie mit ihrem Verhalten und ihrer Rhetorik in den vergangenen Wochen und Monaten die Vertrauensgrundlage nachhaltig zerstört haben, die so dringend notwendig ist, um jetzt am Verhandlungstisch zu tragbaren Lösungen zu gelangen.

Es stehen turbulente Zeiten bevor, die insbesondere die griechische Bevölkerung hart treffen werden. Auch an der Börse ist – zumindest kurzfristig – mit weiteren Verlusten zu rechnen.

Energiekonzerne und K+S im Mittelpunkt

Bei den Einzelwerten standen Ende vergangener Woche vor allem die Energieriesen und K+S im Mittelpunkt.

Eon und RWE hatten am Donnerstag kräftig zulegen können, nachdem in Berlin die umstrittene Abgabe für Kohlekraftwerke gekippt worden war. Mehrere Analysten sprachen daraufhin Kaufempfehlungen aus. Doch bereits am Freitag sackten beide Titel wieder in die Verlustzone. Eon schloss 0,9 Prozent leichter, RWE rauschte ans Dax-Ende mit einem Minus von 2,9 Prozent.

Genau umgekehrt verlief die Kurve bei K+S. Übernahmegerüchte hatten die Aktie binnen weniger Tage um rund 30 Prozent in die Höhe katapultiert. Als das Unternehmen die Offerte des kanadischen Konkurrenten Potash am Donnerstag ablehnte, rutschte das Papier ins Minus.

Doch Potash zeigte sich zuversichtlich, die Übernahmepläne doch noch zu realisieren, ließ dabei aber offen, ob das von K+S als zu niedrig empfundene Angebot noch erhöht werden soll. Die Aktie von K+S legte daraufhin wieder zu und belegte mit einem Plus von 4,4 Prozent die Spitzenposition im Dax.

6. Juli 2015

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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