Hat Loewe bald ausgebrüllt?

Made in Germany ist sicherlich ein Qualitätsmerkmal. Doch bei Gütern der Unterhaltungsindustrie zählt dieses Label nicht mehr viel.

Hier gilt der Preis als wichtiges Entscheidungskriterium. Und da kann die deutsche Qualität von Loewe mit der asiatischen Konkurrenz kaum mithalten:

Während im vergangenen Jahr ein Fachbild-Fernseher in Deutschland nur noch etwas mehr als 620 Euro kostete, müssen für einen Loewe Fernseher 2.000 Euro und mehr auf den Tisch des Händlers geblättert werden.

Die Zielgruppe für ein solch hochwertiges Produkt ist an sich schon klein. Und dann kommt noch negativ mit hinzu, dass der Fernsehmarkt in Deutschland gesättigt ist. Da hat 2012 auch das Großereignis Fußball Europameisterschaft kaum etwas ändern können:

Loewe hat 2012 mit einem massiven operativen Verlust von 29 Mio. Euro abgeschlossen. In den ersten drei Monaten des neuen Geschäftsjahres ist der Umsatz um 35% auf nur noch 43,5 Mio. Euro eingebrochen.

Loewe steht mit dem Rücken zur Wand

Damit leidet Loewe voll unter der Schwäche des gesamten Marktes: Im ersten Quartal 2013 ist der LCD-TV Markt in Deutschland wertmäßig um 19% eingebrochen.

Im qualifizierten Einzelhandel, eines der wichtigsten Standbeine von Löwen, war der Rückgang mit 37% noch sehr viel heftiger. Hinzu kommen auch noch massive zweistellige Rückgänge in einigen Auslandsmärkten.

Schlimmer noch: Jetzt kam die Meldung heraus, dass Loewe mehr als die Hälfte des Grundkapitals aufgezehrt hat. Das ist auch ein Grund warum die Hauptversammlung von Loewe auf Ende Juli verschoben worden ist.

Loewe steht mit dem Rücken zur Wand. Hat also der Loewe bald ausgebrüllt und muss sicher der asiatischen Konkurrenz geschlagen geben?

An der Börsen sehen das die meisten Investoren so: Die Aktie ist unter die Marke von 2 Euro gerutscht und notiert damit auf einem neuen Allzeit-Tief. Gleichzeitig deuten alle wichtigen Trends nach unten:

Sowohl der kurzfristige als auch der mittel- und langfristige Trend weisen zudem noch die maximale Trendstärke auf. Das ist ein klares Signal. Der Abstand zur wichtigen 200-Tage-Linie beträgt derzeit schon knapp 40%.

Auch das ist ein weiteres Signal für die heftige Ausprägung des Abwärtstrends. Da nun stetige Schreckensmeldungen aus dem Unternehmen kommen, gibt es auch in diesen Tagen kaum Perspektiven für einen Trendwechsel.

Loewe ist ein weiteres Kapitel für ein deutsches Traditionsunternehmen, dass der immer stärkeren globalen Konkurrenz nicht mehr viel entgegenzusetzen hat. Das Wehklagen über die Misere bei vielen Unternehmen ist groß.

Doch kennen Sie jemanden, der einen Loewe Fernseher zu Hause hat? Wenn es um die Kaufentscheidung für ein neues Gerät geht, spielt der Preis eben doch die wichtigste Rolle. Und hier kann Loewe nicht mehr mithalten.

13. Juni 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Heiko Böhmer. Über den Autor

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