HBC: Platzt die Fusion von Kaufhof und Karstadt?

Platzt die Fusion der Warenhausketten auf der Zielgeraden? Die Aktie von Kaufhof-Eigentümer HBC taumelt gewaltig. (Foto: Fotocute / shutterstock.com)

Scheitert die Megafusion der beiden großen deutschen Kaufhausketten auf der Zielgeraden?

Bis vor kurzem sah es noch danach aus, als würden sich Karstadt und Kaufhof zusammentun und als Warenhaus AG künftig unter einem Dach firmieren, anstatt sich in einem stetigen Konkurrenzkampf gegenseitig das Wasser abzugraben.

Lang geplantes Unterfangen

Schon seit Jahren versucht der Österreicher Rene Benko, Inhaber von Signa und somit von Karstadt, die Kaufhof-Kette zu übernehmen, doch immer wieder scheiterten die Vorstöße. Nun schien man sich geeinigt zu haben. Vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass beide Unternehmen zusammengehen sollen.

Geplant ist demnach ein Joint Venture, bestehend aus Kaufhof, Karstadt und Karstadt Sport, mehr als die Hälfte der Anteile sollen an Signa gehen. Hudson’s Bay Company (HBC), der kanadische Kaufhof-Eigentümer, sollte im Gegenzug 1,1 Milliarden Euro erhalten.

Trotz des Zusammenschlusses sollten nahezu alle Filialen erhalten bleiben, lediglich maximal 15 der fast 180 Filialen stünden auf einer potenziellen Schließungsliste. Auch der Großteil der Belegschaft soll weiter beschäftigt werden. Der Geschäftssitz sollte – wie bislang – in Nordrhein-Westfalen verortet werden, ein Umzug nach Köln, wo bislang bereits Kaufhof beheimatet war, kam für Karstadt aus Essen wohl durchaus infrage.

Scheitert der Zusammenschluss?

Doch was sich nach einem soliden Plan in nahezu trockenen Tüchern anhört, gerät seit einigen Tagen wieder ins Wanken. Denn beide Kaufhausketten befinden sich bereits seit längerer Zeit in finanzieller Schieflage. Kaufhof hat deswegen Milliardenkredite aufgenommen – und die könnten nun vorzeitig fällig werden.

Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) und weitere Geldgeber haben der Warenhauskette de facto ein Ultimatum gestellt: Bis Ende September muss Kaufhof demnach die vor drei Jahren zugesagten Kreditbedingungen erfüllen, andernfalls könnte die Kreditsumme fällig werden.

Dass es innerhalb weniger Wochen gelingen wird, die Bedingungen der Banken zu erfüllen, gilt als reichlich unwahrscheinlich. In jedem Fall hat sich Kaufhof-Chef Roland Neuwald bereits Unterstützung für den worst case ins Haus geholt und lässt sich von Anwälten beraten, die auf Firmenpleiten und Insolvenzverfahren spezialisiert sind.

HBC Aktie unter Druck

Eine Kaufhof-Pleite aber könnte die Fusion mit Karstadt gefährden, zumindest eine erhebliche Verzögerung des Zeitplans gilt jedoch als ziemlich sicher. Würde Kaufhof im Zuge eines Insolvenzverfahrens zerschlagen, blieben weniger Filialen für Benko und Signa übrig – und die sind in erster Linie an den Immobilien interessiert, in denen diese Filialen sich befinden.

Die HBC Aktie hat angesichts der neuerlichen Hiobsbotschaften ein Wechselbad der Gefühle hinter sich: Bereits Ende Juli hatte eine Talfahrt eingesetzt, von der sich das Papier zuletzt wieder etwas erholt hatte. Nun aber ging es erneut abwärts, auf Jahressicht notiert die HBC Aktie inzwischen rund 15 Prozent im Minus und kostete zuletzt rund 6,60 Euro oder 10 kanadische Dollar.


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.