Healthineers-Aktie: Milliardenschwerer Börsengang der Siemens-Tochter geglückt

Milliardenschwerer Börsengang der Siemens-Tochter geglückt. Aktie lässt Emissionspreis deutlich hinter sich. Ertragsperle des Siemens-Konzern peilt weiteres Wachstum an (Foto: Cineberg / Shutterstock.com)

Der milliardenschwere Börsengang der Siemens-Tochter Healthineers ist am vergangenen Freitag geglückt. Die Aktien notierte komfortabel über der 30 Euro-Marke und damit über dem in der Zeichnungsphase festgelegten Ausgabepreis von 28 Euro. Ein absoluter Erfolg war der Sprung auf das Parkett allerdings nicht. Sie müssen wissen: Ursprünglich haben die Banken versucht, die 150 Millionen Papiere bei einem Preis zwischen 26 und 31 Euro an den Mann zu bringen.

Beim oberen Ende der Spanne gab es offenbar nicht genug Kaufinteresse der institutionellen Investoren, denen 90% der Aktien zugeteilt wurden (nur 10% gingen an Privatanleger). Der gesamte Unternehmenswert beläuft sich nach der Emission auf gut 28 Milliarden Euro. Im Vorfeld des IPOs hatte Siemens noch auf einen Wert von 35 Milliarden Euro gehofft.

Healthineers – die Ertragsperle des Siemens-Konzerns

Die Medizintechnik-Tochter erzielte im Geschäftsjahr 2017 einen Umsatz von 13,8 Milliarden Euro und einen Gewinn von 2,5 Milliarden Euro. Damit hat die Siemens-Tochtergesellschaft immerhin 16,6% zu den gesamten Erlösen und 41,3% zu den Gewinnen des DAX-Konzerns beigetragen. Die Gewinnmarge lag mit 18% deutlich über dem Niveau des gesamten Siemens-Konzerns (7,28%).

Nach Angaben des Unternehmens ist die Gesellschaft der Marktführer im Bereich von Röntgengeräten, Magnetresonanz- und Computertomographie. Im Geschäft mit Labordiagnostik ist Healthineers die Nummer Zwei. Etwa 55% der Umsätze sind wiederkehrender Natur, etwa aus dem Geschäft mit Servicedienstleistungen.

Emissionserlös geht komplett an Siemens

Interessant zu wissen: Die Erlöse aus dem Börsengang gehen komplett an die Muttergesellschaft Siemens, die weiterhin 85% der Anteile hält. Was der Münchner Industriekonzern damit anfangen will, hat Vorstandschef Joe Kaeser noch nicht verraten. Allerdings zahlt Siemens wohl zum Börsengang etwa die Hälfte der Schulden der Erlanger Tochter zurück. Damit soll der Spielraum für künftige Übernahmen erweitert werden. Auch das ist ein Vorteil der Börsennotiz: Zukünftig kann die Siemens-Tochter mögliche Übernahmen mit eigenen Aktien selbst zu finanzieren.

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Analysten erwarten weiteres Wachstum

Unterdessen gehen die Experten davon aus, dass die Siemens-Tochter auch weiterhin ordentliche Wachstumsraten zeigen wird. Bei einem Umsatzwachstum zwischen 6 und 7% könnte der Nettogewinn um 9 bis 10% in den kommenden Jahren zulegen.

Siemens setzt Transformation weiter fort

Der Börsengang von Healthineers zeigt Ihnen deutlich, wo die Reise bei Siemens in Zukunft hingeht. Die Zeit der großen Industriekonglomerate ist endgültig vorbei. Das betonte Firmenboss Kaeser zuletzt immer häufiger. Er sieht die Zeit gekommen für spezialisierte Unternehmen, die sich schnell an Veränderungen im Marktumfeld anpassen können.

Zuletzt belasteten den DAX-Konzern hausgemachte Probleme und schwierige Marktbedingungen zum Beispiel im Geschäft mit Windrädern und großen Gasturbinen. Auf der Gegenseite feierte der Konzern Erfolge in der Division Digitale Fabrik und steht bei der Digitalisierung der Produktion weltweit an der Spitze.

Trotz der Unwägbarkeiten in einzelnen Geschäftsbereichen erzielte der Konzern mit einem Jahresumsatz von zuletzt 83 Milliarden Euro ein Rekordergebnis. Der Gewinn konnte mit 6,04 Milliarden Euro (Gewinnmarge 7,28%) zwar nicht an die alten Glanzzeiten (2015: 9,63%) heranreichen, lag aber immerhin fast 11% über dem Vorjahresniveau. Jetzt bleibt es spannend abzuwarten, wie sich der geplante Konzernumbau zukünftig auf den Konzern auswirkt.


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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.