Hebelzertifikate kaufen: Vorsicht vor starken Verlusten

Eine erschütternde Zahl vom Markt für Hebelzertifikate:

Tag für Tag verfallen hunderte verschiedener Zertifikate wertlos (bis auf einen Erinnerungscent) und reißen abertausende privater Investoren mit sich in den Abgrund. Kaum bekannt:

Sie sind damit der Geldverbrenner Nummer eins in Deutschland. Die Fakten sprechen dafür, dass Sie Optionsscheine oder Optionen wählen.

Rekord-Donnerstag, 26.11.: 625 Hebelzertifikate ausgeknockt

Angestoßen wurde ich durch die Zahl von 625 Hebelzertifikaten, die allein am 26.11. ausgeknockt wurden. „Ausknocken“ klingt noch verniedlichend. Es sind Zertifikate, die ein für allemal wertlos verfielen.

Ein kurzer Auszug nur: Wave auf K+S, Mini-Zertifikat(e) auf Dax, Turbo Zertifikat auf SGL Carbon, Wave auf Lufthansa, Mini Future Optionsschein auf Deutsche Börse, Turbo Optionsschein auf Euro-Bund Future und so fort. Quer durch die Bank. Alles an einem einzigen Tag.

Hintergrund: Knock-Out-Schwellen drohen

Anders als Optionsscheine oder Optionen haben Hebelzertifikate so genannte „Knock-Out-Schwellen“. Erreicht der zugrundeliegend Basiswert einmal eine solche Schwelle, verfällt das Hebelpapier. Bis auf einen Erinnerungswert in der Regel quasi wertlos.

Banken können zudem immer versuchen, den Basiswert genau in diese Richtung zu treiben. Eigene An- oder Zukäufe können einem Wert den letzten Rest geben.

Alarmierender geht es kaum noch. Tag für Tag hunderte von wertlos verfallenden Zertifikaten – Hebelzertifkate kaufen sollten sie tunlichst vermeiden. Wenn doch, dann sehr dosiert. Langlaufende Optionsscheine oder Optionen sind um Dimensionen sicherer. Wer etwa aktuell in Silber investieren möchte, kann den empfohlenen Optionsschein nutzen. WKN:  SG0H3X.

Steuerfalle Hebelzertifikate: 100% Verluste

Der „Trick“ bei Hebel- oder Turbozertifikaten bestand darin, einen Restwert von 0,001 Euro oder ähnlich zuzuschreiben. Wer mit dem Kurs seines Zertifikates eine bestimmte Schwelle erreicht hatte, musste diesen „Totalverlust“ hinnehmen, konnte ihn aber steuerlich dadurch anerkennen lassen.

Langlaufende Optionsscheine steuerlich und kaufmännisch besser

Eine rein steuerlich motivierte Konstruktion, so die Oberfinanzdirektion Münster. Deshalb werden diese Verluste grundsätzlich – dort – nicht mehr anerkannt.

Für GeVestor ergibt sich daraus erneut die Konsequenz und Empfehlung: Investieren Sie nicht in Hebelzertifikate, Turbozertifikate oder ähnliche „Zertifikat“-Hebel. Wenn noch nicht einmal Verluste anerkannt werden, erhöht sich das Minus unter dem Strich noch einmal.

Unsere Tipps zum finanziellen Schutz

Allein in den vergangenen Tagen wurden wieder mehr als 1.000 Hebelzertifikate „ausgeknockt“. Sie verfallen wertlos, wordurch ihre Käufer und Anleger jede Menge Geld verlieren.

Empfehlung: Investieren Sie besser in langlaufende Optionsscheine, die auch einen Hebel bieten. Kommt es aber zu Verlusten, werden diese zumindest anerkannt. Ein Beitrag dazu findet sich hier.

Empfehlung II: Wer noch Hebelzertifikate im Depot hat, kann eigene Stop-Loss-Limits über der Knock-Out-Schwelle setzen. Diese – hoffentlich nicht eintretenden – Verluste müssten steuerlich anerkannt werden, da sie dann keine Totalverluste sind.

1. Dezember 2009

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Von: Janne Joerg Kipp. Über den Autor

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