Heftiger Streit zwischen Siemens und Osram

Gestern fand die Hauptversammlung der ehemaligen Siemens-Tochter Osram statt. Das allein ist nichts ungewöhnliches, denn jedes börsennotierte Unternehmen hält ein Mal im Jahr eine Hauptversammlung ab. Doch auf der gestrigen Hauptversammlung des im MDax notierten Unternehmens Osram ging es hoch her.

Siemens – nach wie vor Großaktionär von Osram – entzog dem seit einem Jahr amtierenden Osram-Chef Olaf Berlien gestern auf der Hauptversammlung in München das Vertrauen und stimmte gegen die Entlastung des umstrittenen Managers.

Allerdings blieb Siemens mit diesem Vorstoß unter den Aktionären ziemlich alleine. Denn gut 70% stimmten letztlich für die Entlastung des Osram-Vorstands.

Zur Erläuterung: Unter der sogenannten Entlastung des Vorstands versteht man die Billigung des Geschäftstätigkeit des Vortands. Wenn die Entlastung von Teilen der Aktionäre verweigert wird, so bedeutet das, dass diese mit der Geschäftstätigkeit des Vorstands nicht einverstanden sind bzw. waren.

Die Hintergründe des Konflikts

Kommen wir jetzt zu den Hintergründen des Konfliktes zwischen Siemens und der ehemaligen Siemens-Tochter. Bereits seit Monaten tobt Streit zwischen den beiden Unternehmen. Es geht um die zukünftige Ausrichtung des traditionsreichen Leuchtmittelherstellers Osram.

Während Osram-Chef Berlien sein Haus auf die Produktion von LED-Chips konzentrieren und dafür Milliarden investieren will, sieht Siemens-Chef Joe Kaeser den von Berlien angestrebten Kurswechsel äußerst kritisch.

„Der Strategieschwenk, sofern er denn erfolgt, würde das Risikoprofil von Osram deutlich erhöhen“, sagte Kaesers Vertreter Christian Bleiweiß. Auch die Stimmung bei der Osram-Belegschaft mache sich nach einem aktuellen Medienbericht teilweise Sorgen vor dem Hintergrund des Kurswechsels.

Osram-Aufsichtsrats-Chef Peter Bauer hingegen schlug sich erwartungsgemäß auf die Seite seines Vorstands-Chefs. Berliens Strategie „ist aus Sicht des Aufsichtsrats alternativlos für die nachhaltige Zukunft des Unternehmens“, erklärte er im Anschluss an die Hauptversammlung.

Doch warum sorgt sich Siemens eigentlich so um die Zukunft von Osram? Die Frage ist leicht zu beantworten: Siemens hält nach eigenen Angaben nach wie vor 17,5% der Anteile an Osram und hat daher ein großes Interesse daran, wie sich Osram künftig entwickelt.

Einige Anleger offenbar auf Kaesers Seite

Da die Osram-Aktie gestern nach dem Antrag von Siemens, Berlien nicht zu entlasten, zeitweise um 6% zulegte, ist davon auszugehen, dass einige Anleger sich auf die Seite von Siemens-Chef Kaeser geschlagen haben und seine Einwände für berechtigt halten.

Als sich dann jedoch abzeichnete, dass die anderen Osram-Aktionäre größtenteils den von Berlien eingeschlagenen Kurs befürworten und es dementsprechend nicht zu einem Kurswechsel kommen wird, schmolz das zwischenzeitliche Plus der Osram-Aktie von bis zu 6% größtenteils wieder dahin.

Folgen für Osram-Aktionäre und Interessenten

Sofern Sie Osram-Aktionär sind oder sich für die Aktie interessieren, sollten Sie ganz genau darauf achten, wie sich der von Osram-Chef Berlien eingeleitete Wandel vollzieht. Soll heißen: Schauen Sie sich die kommenden Quartalszahlen genau an und achten Sie dabei insbesondere darauf, wie erfolgreich der Wandel fortschreitet.

Tim Albrecht, bekannter Fondsmanager bei der Deutsche Asset Management, schließt sich meinem Rat an Sie gewissermaßen an und äußerte sich wie folgt: „Wir drücken auf jeden Fall die Daumen und werden die Entwicklung von Quartal zu Quartal genauestens beobachten und den Vorstand sowie Aufsichtsrat daran messen.“

17. Februar 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

Regelmäßig Informationen über Marktanalysen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Tobias Schöneich. Über 344.000 Leser können nicht irren.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt