Heftiges Sommergewitter oder großer Crash?

Der tägliche Blick auf die Börsenkurse macht derzeit keinen Spaß. Aber dies gehört an der Börse einfach dazu und ist noch lange kein Grund zum Verzweifeln.

Denn so schlecht wie die Lage jetzt vielfach gemacht wird, ist sie aus meiner Sicht gar nicht.

Hochkonjunktur für Crash-Propheten – Aber taugen die Vergleiche mit 2000 und 2008?

In diesen Zeiten haben die Crash-Propheten wieder einmal Hochkonjunktur. Schnell werden ähnliche Szenarien wie 2000 oder 2008 an die Wand gemalt.

Natürlich lässt sich dies nicht ausschließen, allerdings fehlt dieses Mal ein ähnlich triftiger Grund für einen Crash

2000 waren die Aktienmärkte gnadenlos überbewertet. Davon sind wir heute – v. a. in Europa – weit entfernt. Und 2008 drohte das gesamte Finanzsystem nach der Pleite der US-Bank Lehman Brothers zu kollabieren.

Demgegenüber stehen aktuell lediglich Befürchtungen, dass China die Weltkonjunktur belasten könnte.

Aber selbst wenn es zu einer (kurzen) Rezession kommen sollte (was längst keine ausgemachte Sache ist), würde dies keine Halbierung der Aktienkurse rechtfertigen.

Aus diesem Grund halte ich Vergleiche zu den beiden großen Crashs 2000-2003 und 2008 für unangebracht.

Asienkrise 1997: Der treffendere Vergleich

Wesentlich mehr Parallelen als zu 2000 und 2008 sehe ich aktuell zur Asienkrise von 1997:

Auch damals begann das Börsenbeben im asiatischen Raum, einhergehend mit mehreren Abwertungen asiatischer Währungen. Zeitgleich schwächelte der Ölpreis und die Anleger sorgten sich über negative Auswirkungen auf die Weltkonjunktur.

Das setzte die Weltbörsen einige Zeit erheblich unter Druck. Auch damals hatten Crash-Propheten Hochkonjunktur.

Letztlich blieb der befürchtete Crash jedoch aus und die Krise erwies sich als (heftige) Korrektur, die den Grundstein für kommende Kursgewinne legte.

Denn im Anschluss folgte in den Jahren 1998 bis 2000 einer der steilsten Kursanstiege der Börsengeschichte.

Solche heftigen Korrekturen hat es regelmäßig gegeben

Eigentlich ist ein solcher Kursrutsch nichts Außergewöhnliches, passiert er doch alle paar Jahre wieder – zuletzt im Herbst 2014 und davor im Sommer 2011.

Im Herbst vergangenen Jahres etwa knickte der DAX innerhalb von 4 Wochen von 10.000 auf 8.300 Punkte ein. Panik machte sich breit. Doch schon wenige Monate später stand der deutsche Leitindex bei 12.000 Zählern!

Gestrige Verkaufspanik: War das schon das Tief?

Dabei ist das Aufkommen einer Verkaufspanik – in der Anleger ihre Aktien ungeachtet der Kurse aus den Depots verbannen – oftmals ein (gutes) Zeichen für ein baldiges Ende einer Abwärtsbewegung.

Bei fast allen Crashs und größeren Korrekturen hat es so einen „finalen Ausverkauf“ gegeben. Aus diesem Grund macht mir der gestrige Handelstag Mut:

Der DAX krachte bis zum Nachmittag von 10.100 auf unter 9.400 Punkte. Kurze Zeit sah es bei zahlreichen Aktien so aus, als gebe es überhaupt kein Halten mehr.

Dann setzte – eingeleitet von der Wall Street – die Erholung ein. Dies brachte den DAX wieder über 9.600 Zähler. War dies der „finale Ausverkauf“?

Dagegen spricht allerdings, dass die US-Börsen in den letzten beiden Handelsstunden wieder den Rückwärtsgang einlegten. Ein Handelsschluss zum Tageshoch wäre ein wesentlich stärkeres Signal für den Beginn der Trendwende gewesen.

Trotzdem bin ich optimistisch, dass wir den Großteil der Korrektur hinter uns haben. Ganz mutige Langfrist-Anleger können durchaus hier und da ein Schnäppchen machen.

In den nächsten Tagen und Wochen sollten Sie sich aber auf anhaltend hohe Kursschwankungen einstellen.

25. August 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Sascha Mohaupt. Über den Autor

Chefanalyst Sascha Mohaupt ist der Experte für Innovationen und High-Tech. In dem wohl am schwierigsten zu durchschauenden Markt für Zukunftstechnologien gibt er konkrete Kaufempfehlungen. Als Chefredakteur des Innovation Investor teilt er exklusiv seine neuesten Empfehlungen und seine Leser investieren damit schon heute in die Welt von morgen.

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