HeidelbergCement: Gewinner der US-Wahlen?

Amerika hat gewählt und sich in einem spannenden Rennen um den Job im Weißen Haus für den republikanischen Präsidentschafts-Anwärter Donald Trump entschieden.

Seine demokratische Rivalin Hillary Clinton gestand am frühen Morgen ihre Niederlage ein.

Für die Börse kommt das Votum sehr überraschend. Gerade an den letzten beiden Handelstagen vor der Wahl stiegen in Erwartung eines Clinton-Wahlsiegs die Kurse.

Als sich abzeichnete, dass Trump gewinnen könnte, kam es zu Turbulenzen:

Die Börse in Japan geriet stark unter Druck, die Kurse an den Börsen in Hongkong und Seoul purzelten ebenfalls.

Und auch in Deutschland sah es zunächst nach einem sehr schwachen Handelstag aus. Doch dann erholten sich die Kurse zusehends.

Am Nachmittag lagen die Börsen in Wien, Zürich und Frankfurt sogar im Plus. War die anfängliche Angst also überzogen?

Was im Wahlkampf gesagt wird, muss nicht zwangsläufig umgesetzt werden

Es ist gut möglich, dass der Markt der Börsen-Weisheit „Politische Börsen haben kurze Beine“ folgte.

Im Vorfeld der Wahlen witzelten Investoren bereits, dass selbst ein Präsident Trump den starken wirtschaftlichen Aufschwung nicht abwürgen könne.

Andere bezweifeln, dass Trump seine Ankündigungen auch umzusetzen kann oder hinterfragen ob Trump Teile seiner Pläne nach den Wahlen überhaupt noch umsetzen will.

Alternative Energien und Konzerne mit viel Geld im Ausland sind die Verlierer…

Fest steht: Der Wahlausgang ist eine Überraschung. Und wie so häufig, kennt auch diese Überraschung Gewinner und Verlierer.

Zu den größten Verlierern gehört sicher der Sektor „regenerative Energien“. Trump hat dem „Krieg gegen die Kohle“ von Obama selbst den Krieg erklärt.

Die Republikaner sind traditionell die Partei der Öl- und Gasbranche.

Zu den weiteren Verlierern gehören weltweit agierende Großkonzerne, die viel Geld im Ausland erwirtschaften oder dort liegen haben.

Trump will das Offshore-Geld besteuern. Apple und Proctor&Gamble geraten heute daher besonders stark unter Druck.

…Rüstungs-, Energie- und Bau-Konzerne die Gewinner

Zu den Gewinnern gehören – neben den Energie-Unternehmen – die Rüstungs-Konzerne; von Boeing über Lockheed Martin und Northrop Grumman bis Rheinmetall steigen die Kurse stark an.

Und dann wäre da noch die Bau-Industrie: Im MDAX klettert Hochtief dank des Amerika-Geschäfts um mehr als 4%, der Baustoff-Lieferant HeidelbergCement legt um 3,7% zu.

Bei HeidelbergCement sorgten neben dem Trump-Effekt aber auch positive Geschäfts-Aussagen und Analysten-Stimmen für weiteren Auftrieb.

Das Unternehmen blieb zwar bei der Vorstellung der Q3-Zahlen hinter den Erwartungen zurück – bestätigte aber die Jahresziele.

ItalCementi-Übernahme: HeidelbergCement könnte nach Trump-Wahlsieg noch stärker profitieren als angenommen

Für die etwas schwächeren Zahlen machte das Management die Kosten für die ItalCementi-Übernahme verantwortlich. Wie immer bei Zukäufen, dauert es ein wenig, bis sich eine Übernahme rentiert.

HeidelbergCement sieht sich aber auf einen guten Weg und ist sehr zuversichtlich, dass das in Aussicht gestellte Synergie-Ziel von 400 Mio. € übertroffen wird. Dafür soll auf der Kostenseite gespart werden.

Der Deal macht sich dann stärker bezahlt alsursprünglich angenommen. Hinzu kommt: Das Nordamerika-Geschäft von ItalCementi erwirtschaftete in 2015 einen Umsatz-Beitrag von 580 Mio. €.

Mit der Wahl von Trump und seinen angekündigten Infrastruktur-Maßnahmen könnte HeidelbergCement also nicht nur höhere Kosten-Synergien sondern auch höher als erwartete Umsatz-Synergien erzielen.

9. November 2016

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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