HeidelbergCement hat Schulden und Kosten im Griff und wächst wieder profitabel

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HeidelbergCement erfüllt die Kriterien der 3-Filter-Strategie nach James O’Shaughnessy. (Foto: Nopphinan/Shutterstock)

HeidelbergCement hat den Gewinn in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesteigert und dürfte auch 2012 mit einem höheren Ergebnis abgeschlossen haben.

Bei einem erwarteten Jahresumsatz von 14 Mrd. € errechnet sich ein KUV von 0,7.

Die Aktie hat in den vergangenen 12 Monaten den Vergleichsindex DAX klar hinter sich gelassen.

Investitionen zahlen sich aus

HeidelbergCement hat in der Vergangenheit viel Geld in den Ausbau seines Geschäfts in den Schwellenländern gesteckt und so seine Abhängigkeit von Europa verringert. Diese Investitionen zahlen sich immer mehr aus.

Nach vorläufigen Zahlen konnte HeidelbergCement im abgelaufenen Jahr 2012 den Umsatz um 8,7% auf 14 Mrd. € und das operative Ergebnis um 9,5% auf 1,6 Mrd. € steigern. Den Nettogewinn wird das Management erst am 14. März mitteilen.

Nach 9 Monaten hatte HeidelbergCement bereits 416 Mio. € verdient.

Der Konzern profitierte von der Erholung der Baukonjunktur in den USA und vom anhaltenden Bauboom in Asien. Besonders gut lief es in Indonesien, wo die Tochter Indocement ein Rekordergebnis erzielte.

Dagegen machten HeidelbergCement in vielen Ländern Europas sinkende Investitionen in die Infrastruktur und ein schwacher privater Wohnungsbau zu schaffen. Die Margen in den Kernbereichen Zement und Zuschlagstoffe haben sich verbessert.

Geholfen haben in erster Linie Preiserhöhungen und Kostensenkungen. Denn der Absatz von Zement und Transportbeton bewegte sich auf Vorjahresniveau und ging bei Zuschlagstoffen sogar um 4,4% zurück.

Positiver Jahresausblick

Der Konzern ist auch für 2013 optimistisch und wird seine Produktionskapazitäten weiter ausbauen. In Nordamerika zieht die Nachfrage nach Zement und Beton für den Wohnungsbau weiter an.

Auch der Gewerbebau legt zu, weil die US-Industrie wegen der niedrigen Energiekosten eine Renaissance erlebt.

Russland entwickelt sich ebenfalls robust und die Schwellenländer Asiens und Afrikas bleiben sowieso auf Wachstumskurs. So ist Indonesien mit seiner Entwicklung erst am Anfang.

Infrastrukturprojekte werden die Baustoffnachfrage in den kommenden 10 bis 15 Jahren treiben. Auch Indien will in den nächsten 5 Jahren mit 1 Bio. $ seine Infrastruktur verbessern. Schon jetzt steigt die Zementnachfrage jährlich um 7%.

Entsprechend hat HeidelbergCement seine jährlichen Zementkapazitäten in Indien 2012 auf 6 Mio. t verdoppelt. Weitere Produktionsanlagen werden in den kommenden Quartalen in Afrika ihren Betrieb aufnehmen.

Schon jetzt befinden sich 60% der Kapazitäten in den Schwellenländern. Allerdings gibt es auch Risiken, die zu einem Einbruch der Bautätigkeit in den Wachstumsregionen führen können.

So könnte der US-Haushaltstreit, eine größere Wachstumsdelle in China oder eine Eskalation der Lage im Nahen Osten den Aufwärtstrend abrupt unterbrechen.

Europa bleibt aber schwach

Die Aussichten in Europa sind dagegen für Baustoffhersteller eher schlecht. Die Notwendigkeit Schulden abzubauen, bremst das Absatzwachstum.

Vor allem Südeuropa wird noch eine ganze Weile in der Rezession stecken bleiben. Dort ist HeidelbergCement jedoch so gut wie gar nicht vertreten.

Besser sieht es in Deutschland und Skandinavien aus. Die deutsche Bauwirtschaft erwartet 2013 ein Umsatzwachstum von 2%. Wachstumsmotor bleibt der private Wohnungs- und Eigenheimbau.

Die Gründe liegen im hohen Beschäftigungsstand, steigenden Einkommen und historisch niedrigen Hypothekenzinsen. Außerdem sind deutsche Wohnimmobilien für Investoren auf der Suche nach Kapitalanlagen nach wie vor attraktiv.

Erfolgreiches Sparprogramm

Innovation spielt in der Baustoffbranche kaum eine Rolle. Über den Erfolg entscheidet die Effizienz. In allen Bereichen gilt es, Optimierungsmöglichkeiten ausfindig zu machen.

Mit seinem Sparprogramm kommt HeidelbergCement besser voran als geplant. Im Rahmen des Programms „FOX 2013“ wollte der Konzern zwischen 2011 und 2013 ursprünglich 600 Mio. € einsparen.

Dieses Ziel wurde zwischenzeitlich auf 850 Mio. € und jetzt auf 1,01 Mrd. € angehoben, da HeidelbergCement seine Kosten 2012 überraschend um 384 Mio. € reduzieren konnte.

Der Konzern will künftig noch mehr im Einkauf sparen, die Logistik verbessern und günstigere Brennstoffe bei der Produktion einsetzen. Immerhin gehören Baustoffhersteller zu den energieintensivsten Unternehmen.

Schuldenabbau geht vor Dividende

Aber auch der Schuldenabbau wird nicht vernachlässigt.

Mit der Übernahme der britischen Hanson 2007 kurz vor der Lehman-Pleite türmte HeidelbergCement einen Schuldenberg von 15 Mrd. € auf, der den Konzern fast in den Ruin trieb. Zwischenzeitlich wurden die Schulden auf rund 7 Mrd. € mehr als halbiert.

Dass dies auch mithilfe von 3 Mrd. € eigenem Cashflow gelang, beweist die finanzielle Stärke des Konzerns. HeidelbergCement will aber auf 6,5 Mrd. € runter. Dieses Ziel könnte der Konzern schon Ende 2013 erreichen.

Der Vorrang des Schuldenabbaus ist auch der Grund für die zurückhaltende Dividendenpolitik. Erst wenn HeidelbergCement sein Ziel erreicht hat, könnte die geplante Ausschüttungsquote von 30 bis 35% Realität werden.

Fazit Mit HeidelbergCement geht es wieder bergauf. Das Potenzial in Asien, Afrika und Nordamerika sowie Kostensenkungen und Preiserhöhungen werden auch in Zukunft für profitables Wachstum sorgen.

Zudem spricht die Bewertung für HeidelbergCement. Neben KUV und KGV ist vor allem das niedrige KBV zu beachten. Die Aktie notiert rund 30% unter ihrem Buchwert.

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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und High Performance Depot.

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