HeidelbergCement plant Milliardenübernahme

Die Konsolidierung in der Baustoffbranche geht weiter. Der im DAX notierte deutsche Zementhersteller HeidelbergCement will seinen italienischen Konkurrenten Italcementi übernehmen. Ich werte diese geplante Übernahme als Reaktion auf den Zusammenschluss der beiden Branchengrößen Holcim und Lafarge.

Bevor ich Ihnen gleich die Details und Hintergründe der geplanten Italcementi-Übernahme durch HeidelbergCement präsentiere, möchte ich Ihnen schon verraten, dass die Pläne des DAX-Unternehmens an der Börse bislang nicht gut ankommen.

Details und Hintergründe zur geplanten Übernahme

Das italienische Unternehmen Italcementi, an dem die Familie Presenti 45% hält, wird im Rahmen der geplanten Übernahme mit rund 3,7 Mrd. Euro bewertet. Bezahlt wird die Transaktion in bar und über eine Brückenfinanzierung. Zudem übernimmt die Presenti-Familie über eine Kapitalerhöhung Anteile an HeidelbergCement.

Finanziert werden soll die Transaktion auch unter anderem durch den Verkauf von Unternehmensteilen. Der Zukauf seitens des DAX-Unternehmens geschieht in zwei Schritten: Zunächst erwirbt HeidelbergCement die rund 45% der Anteile an Italcementi von der Finanzholding der Presenti-Familie für insgesamt 1,67 Mrd. Euro. Das entspricht 10,60 Euro je Aktie.

Nach Abschluss der üblichen kartellrechtlichen Untersuchungen soll der Anteilserwerb im Laufe des Geschäftsjahres abgeschlossen werden. Im zweiten Schritt werde HeidelbergCement den verbleibenden Italcementi-Aktionären ein öffentliches Übernahmeangebot unterbreiten.

Der Angebotspreis werde nach aktuellem Stand bei voraussichtlich 10,60 Euro je Aktie liegen. Damit wäre Italcementi mit insgesamt 3,7 Mrd Euro bewertet.

Der Preis für den 45-prozentigen Anteil der Presenti-Familie wird zum Teil über eine Kapitalerhöhung gegen Sacheinlagen bezahlt. Die Presenti-Familie soll mindestens 7,75 Mio. und maximal 10,5 Mio. neuer Aktien erhalten. Dies entspricht mindestens 3,96% und maximal 5,29% an den Heidelbergern.

Durch den Zusammenschluss mit Italcementi wird HeidelbergCement Weltmarktführer bei Zuschlagstoffen, zweitgrößter Hersteller von Zement und die weltweite Nummer drei bei Transportbeton. Neben den Übernahmeplänen veröffentlichte HeidelbergCement die Zahlen für das 2. Quartal 2015.

Zwar gerieten die Zahlen durch die spektakulären Übernahmepläne etwas in den Hintergrund, dennoch möchte ich Ihnen die wichtigsten Eckdaten an dieser Stelle nicht vorenthalten.

Die Zahlen des 2. Quartals 2015

Das Unternehmen profitierte im zurückliegenden Quartal weiter von der fortgesetzten Erholung in Nordamerika und Großbritannien. So stieg der Umsatz um 10% auf rund 3,6 Mrd. Euro. Ein weiterer positiver Einflussfaktor war nach wie vor der schwache Euro. Allein dadurch kamen 303 Mio. Euro zustande.

Der bereinigte operative Gewinn nahm um 15% auf 752 Mio. Euro zu, was leicht über den Erwartungen der Analysten lag. Hier wirkten sich Preiserhöhungen, Einsparungen und die niedrigeren Energiekosten positiv aus. Der Nettogewinn legte um 16% auf 271 Mio. Euro zu.

Den Ausblick für das laufende Jahr bekräftigte HeidelbergCement. Umsatz, operatives Ergebnis und Jahresüberschuss vor Einmaleffekten sollen 2015 deutlich steigen. Im Falle von HeidelbergCement bedeutet dies einen Anstieg von über 10%.

Wie sich die geplante Übernahme von Italcementi konkret auf die Geschäfte von HeidelbergCement auswirken wird, lässt sich jetzt noch nicht sagen. Zudem ist die Übernahme noch nicht in trockenen Tüchern und allein deshalb schon könnte ich an dieser Stelle nur spekulieren.

Fakt ist jedoch, dass die Pläne an der Börse bislang nicht gut ankamen und die HeidelbergCement-Aktie heute trotz guter Quartalszahlen zeitweise um rund 10% schwächer notierte als am gestrigen Handelstag.

29. Juli 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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