Heidelberger Druckmaschinen: Guter Deal, der Turnaround-Story unterstreicht

Die zunehmende Übernahme-Bereitschaft deutscher Unternehmen macht auch vor Sorgenkindern nicht halt.

Heute hat SDAX-Mitglied Heidelberger Druckmaschinen eine Übernahme bekannt gegeben.

Für eine nicht genannte Summe übernimmt der Druckmaschinen-Hersteller den langjährigen Partner PSG.

Das Unternehmen wird von einer Investmentfirma gehalten und ist nicht börsennotiert, sodass Übernahme-Spekulanten bei diesem Deal nicht mitverdienen konnten.

Verdient haben dafür aber die Aktionäre des Bieters. Obwohl die Bieter-Aktie aufgrund des Barmittel-Abflusses normalerweise unter Druck gerät, legte das Heidelberger Druckmaschinen-Papier heute in einem schwachen Marktumfeld um rund 6% zu.

Und das geschah völlig zurecht, wie wir finden.

Heideldruck und die Krise: 5 Jahre 3-stellige Millionenverluste

Wer vor 2011 Heidelberger Druckmaschinen-Aktien kaufte, der liegt mit seiner Investition weit in der Verlustzone; vorbei sind die Zeiten, als die Aktie noch zu Kursen von 20 oder 30 € den Besitzer wechselte.

Dem Management kann man dabei nur bedingt Vorwürfe machen. Es war die Marktstruktur, die sich verschlechterte und  die Geschäfte nach und nach bröckeln ließ.

Selbst für langjährige Chefs ist der dann notwendige Sanierungskurs keine leichte Aufgabe. Wenn ein Vorwurf angebracht ist, dann vielleicht der, dass das damalige Management die strukturelle Branchenkrise zu zaghaft angegangen ist.

Das Internet-Zeitalter forderte seinen Tribut. Erst kam das Sterben etlicher Zeitungen und Magazine, dann waren die Druckmaschinen-Hersteller dran. Auch Heideldruck kam in den Sog der Branchenkrise.

Doch inzwischen ist wieder Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Der mehrjährige Unternehmens-Umbau mit Arbeitsplatz-Abbau und Verkauf unrentabler Geschäftsbereiche soll sich im Geschäftsjahr 2015/2016 auszahlen.

Der Gewinn im Vorjahr war bereits ein erster Fingerzeig.

Geschäftsfeld Service- und Verbrauchsmaterialien soll Profitabilität ankurbeln

Heideldruck hat sich eine Ergebnis-Marge (EBITDA) von 8% für das kommende Geschäftsjahr gesetzt.

Die jetzige Übernahme unterstreicht den Willen des Managements, das Unternehmen möglichst schnell wieder in die Erfolgsspur zu hieven.

Klar ist, dass weiter hart gearbeitet werden muss, denn die Branche bleibt unter Druck und entzieht Heideldruck die klassische Geschäftsgrundlage. Die Übernahme ist eine weitere Maßnahme des Managements, um darauf zu reagieren.

PSG soll das Geschäft mit Service- und Verbrauchsmaterialien ausbauen. Aktuell liefert der Bereich einen Umsatzbeitrag von 40%, in den kommenden Jahren sollen mehr als 50% aus dem Bereich kommen.

Übernahme strategisch vollkommen richtig – und kein bisschen zu früh

Der niederländische Übernahme-Kandidat ist seit Jahrzehnten Partner des Druckmaschinenherstellers. Das reduziert das Risiko unvorhergesehener Integrations-Schwierigkeiten.

Die Übernahme soll den Heideldruck-Umsatz um 130 Mio. € steigern, was gemessen am Jahresumsatz von 2,4 Mrd. € (2013/14) einem nicht geringen Anteil von 5,4% entspricht.

Klar ist, dass der Deal nicht die schwierigen Marktbedingungen ändern wird. Es wird auch nach der Übernahme nicht einfacher im Kerngeschäft.

Der Deal ist aber eine Antwort auf die veränderten Bedingungen und deswegen strategisch vollkommen richtig.

3. März 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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