Heißer Bieter-Kampf um australischen Käse-Fabrikanten

Um das australische Unternehmen Warrnambool (WCB) ist ein Bieter-Kampf entbrannt. Gleich drei Konzerne buhlen um den australischen Milchprodukte-Hersteller – es könnten sogar noch mehr werden.

Murray Goulburn und Bega, zwei Unternehmen aus Australien, und das kanadische Unternehmen Saputo wollen aktuell den Zuschlag.

Während Murray Goulburn und Saputo jeweils 9 Austral-Dollar (AUD) in bar pro Aktie bieten, hat Bega ein Kombinations-Angebot aus Bargeld und eigenen Aktien abgegeben.

Aktie steigt in wenigen Monaten um 100%

Wer am Ende das Rennen für sich entscheidet, ist aktuell noch nicht vorher zu sehen. Fest steht dagegen, dass die Aktionäre schon gewonnen haben. Seit September konnte die Aktie um gut 100% zulegen und ein neues Allzeit-Hoch markieren.

Viele Marktteilnehmer rechnen damit, dass damit die Rally noch nicht beendet ist und setzen auf eine Fortsetzung des Bieter-Kampfes. Aktuell notiert die Aktie mit 9,39 AUD gut 4% über den aktuellen Offerten von Goulburn und Saputo.

Bega eröffnet – Konkurrenz fackelt nicht lange

Den ersten Schritt im Übernahme-Kampf um WCB machte der australische Konkurrent Bega. Das Unternehmen hat 2 AUD und 1,5 Bega-Aktien je WCB-Aktie geboten. Der Gegenwert der Offerte liegt bei 9,22 AU-$.

Dem Management war die Offerte jedoch zu niedrig. WCB lehnte das Angebot mit der Begründung ab, dass die Bega-Aktie aktuell am Markt überbewertet ist und der „wahre“ Wert der Offerte somit zu niedrig sei.

Bega ist – wie auch Bieter Murray Goulburn – an Warrnambool bereits beteiligt. Die Australier besitzen 18% an WCB und sind damit der größte Einzel-Aktionär.

Das Bega-Management verkündete nach der Ablehnung durch WCB, dass an der Offerte dennoch festgehalten wird. Eine Nachbesserung solle es nicht geben. Da ist jedoch auch viel Taktik im Spiel, sodass es nicht ausgeschlossen ist, dass Bega noch einen drauf legt nachdem 2 andere Bieter ebenfalls Interesse gemeldet haben.

Kanadier wollen Asien erobern

Es dauerte nicht lange und der kanadische Milchprodukte-Hersteller Saputo warf seinen Hut in den Ring. Saputo bot zunächst 7 AUD je Aktie. Als Murray Goulburn mit einem 7,50 AUD Gebot noch einen drauf legte, erhöhte Saputo seinerseits auf 8 AUD.

Mittlerweile bieten die beiden Kontrahenten jeweils 9 AUD je Aktie. Die Kanadier wollen WCB als Türöffner für den asiatischen Markt nutzen – Murray will genau das verhindern.

Der Markt mit Milch-Produkten in Asien gilt als aussichtsreicher Wachstumsmarkt, da der wachsende Wohlstand zu stark steigender Nachfrage führt. Allein in China hat sich der Markt für Milchprodukte in den vergangenen 10 Jahren von 400 Mio. US-$ auf 4 Mrd. US-$ vergrößert.

Neben den aktuellen Übernahme-Offerten ist daher vorstellbar, dass weitere Bieter ein Gebot abgeben.

Liegt das nächste Gebot bei 10 AUD?

Die Bewertung von WCB ist bei den aktuellen Geboten schon jenseits von Gut und Böse, doch bei strategischen Übernahmen zählt nicht mehr nur der bloße Unternehmenswert. Es geht um Eroberung oder Verteidigung eines wichtigen Marktes.

Der Markt rechnet damit, dass selbst nach der Kursverdopplung der Kampf noch nicht zu Ende ist. Ein Grund dafür ist auch der Einstieg der japanischen Kirin-Gruppe, die mehr als 8 AUD je Aktie zahlte.

Spekuliert wird, dass ein Bieter 10 AUD je Aktie auf den Tisch legen muss, damit Kirin seinen jüngst erworbenen Anteil wieder abgibt.

Aktionäre des Übernahme-Kandidaten sind die großen Gewinner des Bieter-Kampfes

Für die Aktionäre der Bieter ist so ein Wettbieten ein Fluch. Hohe Beratungs-Kosten sind schon angefallen und der Kauf eines Unternehmens birgt immer auch Risiken. Zudem verringert sich die Vorhersehbarkeit der künftigen Gewinne.

Aktionäre des Übernahme-Kandidaten dagegen kommen aus dem Feiern nicht mehr raus. Der Kurs ist nach unten abgesichert und sie können sicher sein, dass am Ende ein sehr großzügiger Preis gezahlt wird, den die Aktie ohne Übernahme nie erreicht hätte.

Murray Goulburn könnte kampflos aus dem Bieterrennen ausscheiden

Australiens größter Milch-Produkte-Hersteller Murray Goulburn hält bereits 17% an WCB und ist damit der zweitgrößte Großaktionär hinter Bega.

Allerdings muss das Murray Goulburn-Angebot erst von den Wettbewerbs-Behörden abgesegnet werden. Das könnte zu Problemen führen.

Bereits 2010 wollte der größte australische Milch-Produkte-Hersteller WCB übernehmen. Damals boten sie schlappe 180 Mio. AU-$ für den Konkurrenten – aktuell ist WCB 520 Mio. AUD wert.

2010 machten die Behörden Murray einen Strich durch die Rechnung und nicht wenige befürchten, dass auch diesmal die Ampel auf Rot zeigt. Murray versucht jetzt das Standard-Genehmigungsverfahren zu umschiffen, doch ist nicht sicher ob dies gelingt.

Für WCB-Aktionäre würde eine Ablehnung der Behörden bedeuten, dass Saputo zu 9 AUD den Zuschlag erhält. Die Kanadier haben bereits grünes Licht für den Deal bekommen und das Management war schon bei 8 AUD je Aktie zufrieden.

In diesem Fall hätten Aktionäre, die im Sommer eingestiegen sind „nur“ 100% in 3 Monaten – aber auch das lässt sich verkraften. Der Übernahme-Sensor bleibt für Sie am Ball.

18. November 2013

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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