Heißes Übernahme-Gerücht: Tsingtao Brewery auf der Carlsberg-Liste

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Der dänische Brauerei-Konzern Carlsberg schaut sich nach Übernahme-Zielen in Fernost um. (Foto: crystal51 / Shutterstock.com)

Der dänische Brauerei-Konzern Carlsberg schaut sich nach Übernahme-Zielen in Fernost um. Insidern zufolge stehen bei dem viertgrößten Brauerei-Konzerns der Welt die beiden chinesischen Brauereien Tsingtao und Beijing Yanjing ganz oben auf der Wunschliste.

Der Übernahme-Sensor wäre wenig überrascht, wenn die Insider-Informationen stimmen und am Ende einer der beiden genannten Kandidaten tatsächlich von Carlsberg übernommen wird.

Vor gut einem Jahr hieß es nach einer Übernahme des schärfsten Carlsberg-Rivalen Heineken im Sensor: „Von den europäischen Herstellern wäre Carlsberg der nächste logische Bieter.“ Das scheint sich jetzt zu bewahrheiten.

Bier-Riesen seit 2008 mit Übernahmen im Volumen von über 100 Mrd. Dollar

Es herrscht großer Bierdurst in der Branche. Allein die drei führenden Brauereien Anheuser Busch InBev, SAB Miller und Heineken haben in den vergangenen fünf Jahren über 100 Mio. US-$ für Übernahmen ausgegeben.

Carlsberg hat sich zuletzt mit Übernahmen zurückgehalten. Während SAB Miller die australische Biermarke Fosters für 10 Mrd. US-$ übernahm, Anheuser Busch den Corona-Herstelller Grupo Modelo für 20 Mrd. US-$ übernahm und Heineken ebenfalls einen Deal im Volumen von mehreren Mrd. US-$, liegt die Gesamtsumme der Carlsberg-Deals bei mageren 1,2 Mrd. US-$.

Eine Antwort muss her, um gegenüber der wachsamen Konkurrenz nicht zurückzufallen. Beijing Yanjing oder Tsingtao wären zweifelsfrei der richtige Schritt.

Carlsberg erkennt europäische Markt-Probleme und handelt: Großer Deal fehlt noch

Der Carlsberg-Kernmarkt ist Europa. Das Problem ist, dass der Markt gesättigt ist und kein Potenzial mehr bietet. Im Gegenteil: Seit Jahren sind die Verkaufszahlen rückläufig. Carlsberg hat dies erkannt und ist auch schon aktiv geworden – doch der große Wurf war noch nicht dabei.

Carlsberg hat zuletzt in Russland zugekauft und gehört mittlerweile zu den größten Brauereien des Landes. In der Wachstumsregion China wurde Chongqing Brewery mehrheitlich übernommen.

Wenn jetzt Tsingtao- oder Beijing-Brewery dazu kommen, wäre das die Fortsetzung der Unternehmens-Strategie. Der damals amtierende Carlsberg-CEO Buhl Rasmussen sagte nach der Chonqing-Übernahme zu Beginn des Jahres, dass China fest zur Zukunftsstrategie der Dänen gehört.

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Chinesischer Biermarkt: Früher Fallgrube – jetzt Goldgrube

Die Entscheidung auf China zu setzen ist angesichts der Biermarkt-Probleme in Europa wenig verwunderlich. Die asiatische Boom-Nation wächst im Eiltempo und ebenso schnell wächst auch der Bier-Durst. Besonders junge Chinesen finden es als schick, einen westlichen Lebensstil zu führen. Bier trinken gehört nach ihrem Ermessen dazu.

Das war nicht immer so. Es ist gerade einmal 12 Jahre her, als europäische Brauereien versuchten in China Fuß zu fassen. Der Gedanke war gleich – doch der Markt war noch nicht reif für westliche Bierprodukte.

Der einheimischen Kundschaft war der bittere Geschmack zu wider. Für viele europäische Brauereien wurde die Wachstumschance China zum Millionengrab.

Kommt es zu einer Übernahme, wird es nicht billig

Unter dem Strich stehen die Zeichen auf Übernahme. Dafür spricht auch, dass Carlsberg zuletzt eine Satzungsänderung durchführte, um mehr finanzielle Flexibilität zu erhalten.

Carlsberg hat aktuell einen 7%-Marktanteil in China und die Region erwirtschaftet gut 20% der Umsätze. Während der Absatz in Europa weiter rückläufig ist, konnten die Dänen in Asien 7% Wachstum erzielen.

Prinzipiell wäre eine Übernahme in der Boom-Region also vollkommen richtig. Das Problem: Billig wird ein Deal nicht. Der Markt weiß genau, dass die europäischen Brauer ihr Heil in Fernost suchen und bewertet die chinesischen Brauereien dementsprechend.

Diese Erfahrung hat vor einem Jahr Heineken machen müssen. Ein Deal war schon so gut wie durch, doch dann mischten thailändische Milliardäre mit und sorgten dafür, dass Heineken am Ende einen sehr großzügigen Preis für Asia Pacific (Tiger-Beer) zahlte.

Sollte der Preis bei Tsingtao oder Beijing zu hoch liegen, kann sich Carlsberg besser um die anderen 8 Beteiligungen in China kümmern. Das begonnene Übernahme-Projekt „Chongqing Brewery“ bietet sich an. Carlsberg darf den Anteil ausbauen und die Aktie notiert unter Erst-Angebot. Der Übernahme-Sensor bleibt für Sie am Ball.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.