Hella-Aktie: Autozulieferer nach starken Quartalszahlen mit kräftigem Rückenwind

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Scheinwerferspezialist legt robuste Halbjahreszahlen vor. Familienunternehmen liefert Technologie für autonomes Fahren. Firmenchef bestätigt Jahresprognose (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Das Umfeld für Automobilzulieferer hat sich in den vergangenen Jahren deutlich gewandelt. Vergessen Sie die Zeiten, in denen diese Firmen langweilige Teile unter heftigem Preisdruck produzierten. Die Firmen von heute sind hochtechnisiert und arbeiten mit zum Teil auskömmlichen Margen. Bestes Beispiel ist der deutsche Scheinwerferspezialist Hella, der den Anlegern gerade seine Halbjahresergebnisse präsentierte.

Die vorgelegten Zahlen kamen an der Börse gut an. Nach deutlichen Zugewinnen in den letzten Tagen notieren die Hella-Papiere mit 56,80 Euro auf einem neuen Rekordhoch. Alleine in den zurückliegenden 12 Monaten konnte die Aktie um fast 60% an Wert gewinnen.

Hella – nicht nur ein Spezialist für Lichtsysteme

Vielen von Ihnen ist der Hella-Konzern vielleicht noch kein Begriff, die Produkte des Unternehmens haben Sie aber täglich im Einsatz. Denn Hella ist ein weltweit führender Automobilzulieferer, der sich auf Lichtsysteme und Fahrzeugelektronik spezialisiert hat. Die Lichttechnik bündelt die Aktivitäten für Fahrzeugbeleuchtung (Scheinwerfer, Heck-, Signal- und Innenbeleuchtung, Lichtelektronik).

Zugleich bietet der Konzern aus Lippstadt auch Fahrzeugelektronikbauteile wie Zentralsteuergeräte, Zugangssysteme, Sensoren oder Unterdruckpumpen sowie Module für das PKW-Energiemanagement und Fahrerassistenz-Systeme an. Für unabhängige Werkstätten bietet Hella zudem mehr als 40.000 eigene und konzernfremde Teile und Diagnosegeräte an. Als Großhändler vertreibt Hella mehr als 300.000 Pkw Teile.

Marktführer in der Nische

Mit seiner Positionierung zählt Hella weltweit zu den größten 4 Zulieferern für Lichtsysteme (Europa: Top1-2). Bei LED-Scheinwerfern ist Hella sogar Marktführer. Im Bereich Elektronikbauteile ist der Konzern die Nummer 2-3 (weltweit) beziehungsweise die Nummer 1-2 in Europa. Als KFZ-Teilehändler zählt die Firma europaweit zu den Top3. Die Marktposition versucht Hella vor allem durch einen starken Fokus auf Innovationen zu festigen. Alleine 17% der kompletten Belegschaft arbeiten in der Forschung und Entwicklung des Familienunternehmens.

Hella setzt auf Baukastenprinzip

Mit seiner neuen Strategie stellt Hella die bisherige Welt auf den Kopf. Bislang musste jeder Autokäufer vor jedem Neuerwerb festlegen, welche zusätzlichen Features er in seinem Auto haben wollte. Zukünftig kann jeder Kunde Hardware und Software für Lichtsteuerung oder Erkennung von Verkehrszeichen oder Fußgängern individuell zusammenstellen und nachrüsten. Dies umfasst auch spätere Upgrades für automatisiertes Fahren. Mit dem innovativen Baukastenprinzip kann Hella auch die Technologie für das selbstfahrende Auto passgenau für jeden Kunden anbieten.

Erstes Halbjahr mit kräftigen Zuwächsen

Bislang läuft es für die Ostwestfalen im aktuellen Geschäftsjahr ausgesprochen gut. Gerade hat Hella seine Zahlen zum ersten Halbjahr präsentiert. Die Zahlen waren solide und vielversprechend: So kletterten die Umsätze auf 3,5 Milliarden Euro (+9,3% zum Vorjahreszeitraum). Rückenwind gab es vor allem in Asien und Amerika, wo die Umsätze um 14 beziehungsweise 18% zulegten. Ähnliche erfreulich sah es bei der Gewinnentwicklung aus. Der operative Gewinn verbesserte sich auf 293 Millionen Euro. Damit erzielte Hella eine komfortable Vorsteuergewinnmarge von 8,5%.

Firmenchef bestätigt Jahresausblick

Auch für die Zukunft zeigt sich Firmenchef Dr. Rolf Breidenbach zuversichtlich und bestätigt die hauseigene Prognose. Konkret peilt Breidenbach einen Umsatz- und Vorsteuerergebnisanstieg zwischen 5 und 8% an. Damit wächst das Familienunternehmen weiterhin stärker als der Automobilmarkt. Die Analysten rechnen für das Gesamtjahr mit einem Umsatz von 7,01 Milliarden Euro und einem Gewinn je Aktie von durchschnittlich 3,52 Euro. An der Börse ist Hella mittlerweile 6,31 Milliarden Euro schwer und wird auf Basis der Gewinnschätzungen mit dem 16-Fachen der erwarteten Jahresgewinne bewertet.


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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.