Hella-Aktie: Hält die Prognose?

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Jetzt wird es spannend: Kann der Lichtspezialist Hella die Branchenprobleme parieren und an das starke letzte Quartal anknüpfen? (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Aktien von Automobilzulieferern hatten es im vergangenen Jahr besonders schwer. Dafür sorgte neben einer allgemeinen Absatzschwäche durch das neue Prüfverfahren WLTP vor allem auch das Damoklesschwert eines nachlassenden Wachstums in China. Die Kursverluste waren heftig und gingen quer durch die Bank.

Auch den Lippstadter Lichtspezialisten Hella hatte es kräftig erwischt. Daran konnte auch das über 4%-ige Kursplus am Freitag wenig ausrichten. Mit einem Kurs von 35,54 Euro je Aktie notieren die Papiere weiterhin deutlich unter ihrem Allzeithoch von 58,65 Euro, das Anfang 2018 markiert wurde.

Hella – alles rund um Lichttechnik

Falls Sie den Konzern noch nicht kennen. Hella ist ein global tätiger Zulieferer mit Produktionsstandorten in Europa, Asien und Amerika. Spezialisiert hat sich der Konzern auf Lichtsysteme und Fahrzeugelektronik. Das Unternehmen agiert in den drei Geschäftsbereichen Automotive (rd. 75% Umsatzbeitrag), Aftermarket (rd. 20% Umsatzbeitrag) und Special Applications (rund 5% Umsatzbeitrag).

Im Bereich „Automotive“ entwickelt, produziert und vertreibt Hella verschiedene Artikel für die Lichttechnik und Elektronik für Fahrzeughersteller und Zulieferbetriebe. Zum Angebot zählen dabei Batteriesensoren, radarbasierte Fahrerassistenz-Systeme oder adaptive Licht-Systeme.

Im „Aftermarket“-Bereich bietet Hella für unabhängige Werkstätten mehr als 40.000 eigene und konzernfremde Teile und Diagnosegeräte an. Im Segment „Special Applications“ konzentriert sich die Firma hingegen auf die Bedürfnisse von Baumaschinen- und Bootsherstellern sowie Kommunen und Energieversorgern.

Führende Position im Nischenmarkt

Die Marktposition des Konzerns ist durchaus beeindruckend. Hella zählt weltweit zu den größten 4 Zulieferern für Lichtsysteme (Europa: Top1-2). Bei LED-Scheinwerfern ist Hella sogar Marktführer.

Im Bereich der Elektronikbauteile hat das Unternehmen als weltweite Nummer 2-3 beziehungsweise als Nummer 1-2 in Europa eine ähnlich starke Position. Als KFZ-Teilehändler zählt der Konzern in Europa ebenfalls zu den Top 3. Dabei profitiert die Firma von der internationalen Präsenz und hohen Entwicklungsaufwendungen, die eine schwierige Markteintrittsbarriere für neue Wettbewerber darstellen.

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Beeindruckende Erfolgsgeschichte

In den vergangenen Jahren lief es für den Lippstadter Konzern ausgesprochen gut. Seit 2011 kletterten die Erlöse von 4,37 auf 7,06 Milliarden Euro. Auch die Gewinnentwicklung kann sich durchaus sehen lassen. Immerhin verbesserte sich der Reingewinn um 160% auf 402 Millionen Euro in der gleichen Zeit. Mit einer Gewinnspanne von 5,56% erreichte Hella im zurückliegenden Geschäftsjahr das höchste Niveau der bisherigen Firmengeschichte.

Hella kann sich Branchenschwäche nicht entziehen

Ungeachtet der erzielten Geschäftserfolge ist aber auch klar: Hella kann sich der Branchenschwäche nicht komplett entziehen, auch wenn die bisherige Jahresprognose noch nicht gekappt wurde. In wenigen Tagen sind wir schlauer. Am Freitag wird das Unternehmgen nämlich seine Zahlen für das abgelaufene zweite Quartal präsentieren (Anm.: Hella hat ein gebrochenes Geschäftsjahr).

Laut Firmenboss Bernard Schäferbarthold wird für die Zukunft die Entwicklung in China entscheidend sein. Zuletzt kam es im Reich der Mitte zum ersten Rückgang der Autoverkäufe seit 1990. Enorm wichtig ist also, dass der Handelskonflikt zwischen China und den USA endlich beigelegt wird.

Ergebnis soll um 5-10% steigen

Im ersten Quartal lief es noch ausgesprochen rund für Hella. Der Licht- und Elektronikexperte erhöhte seinen Umsatz um 9,7% auf 1,8 Milliarden Euro (Vorjahr: 1,6 Milliarden Euro). Parallel dazu verbesserte sich das bereinigte operative Ergebnis (EBIT) um 12,0% auf 140 Millionen Euro. Damit lag die bereinigte EBIT-Marge bei 7,8% und damit sogar minimal über dem Niveau des Vorjahres (7,7%).

Mit dem starken Ergebnis hat sich Hella ein kleines Polster für den weiteren Jahresverlauf geschaffen. Die interne Planung sieht auf Jahressicht einen Anstieg des operativen Gewinns um 5 bis 10% vor bei in etwa gleich bleibenden Gewinnspannen.

Analysten sehen Kurspotenzial

Vor den Zahlen zeigen sich die Analysten weiter optimistisch. Die durchschnittlichen Gewinnschätzungen liegen für das laufende Geschäftsjahr bei 3,87 Euro je Aktie, für nächstes Jahr bei 4,15 Euro je Anteilsschein. Damit wird Hella momentan mit dem 8-Fachen der Gewinnerwartungen an der Börse bewertet. Das Kursziel der Analysten liegt mit 44 Euro momentan gut 25% über dem aktuellen Kursniveau. Ob die Experten ihre Prognosen anpassen müssen, wird sich am kommenden Freitag zeigen.


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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.