Hella-Aktie: Lichtspezialist fährt auf Sicht

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Der Lichtspezialist Hella lässt den Rotstift kreiseln. Der weltweite Absatzeinbruch auf dem Automobilmarkt hinterlässt Bremsspuren. (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Die Sicht bei dem auf Licht und Elektronik spezialisierten Automobilzulieferer Hella trübt sich weiter ein. Auch wenn sich in China bereits eine Erholung abzeichnet, sieht sich der Lippstädter Konzern nicht in der Lage, eine Prognose für das bis Mai laufende Geschäftsjahr abzugeben. Die Unsicherheit würgte die jüngste Gegenbewegung der Aktie jäh ab und die Anleger wechselten zuletzt wieder auf die Verkäuferseite. Seit dem Jahreswechsel summieren sich die Kursverluste inzwischen auf über 50%. Damit liegen die Papiere deutlich unter dem breiten Aktienmarkt. Für Sie zum Vergleich: Der MDAX hat im gleichen Zeitraum „lediglich“ um knapp 30% an Wert verloren.

Hella – alles rund um Lichttechnik

Falls Sie den Konzern noch nicht kennen. Hella ist ein global tätiger Zulieferer mit Produktionsstandorten in Europa, Asien und Amerika. Spezialisiert hat sich der Konzern auf Lichtsysteme und Fahrzeugelektronik. Das Unternehmen agiert in den drei Geschäftsbereichen Automotive (rd. 75% Umsatzbeitrag), Aftermarket (rd. 20% Umsatzbeitrag) und Special Applications (rund 5% Umsatzbeitrag).

Im Bereich „Automotive“ entwickelt, produziert und vertreibt Hella verschiedene Artikel für die Lichttechnik und Elektronik für Fahrzeughersteller und Zulieferbetriebe. Zum Angebot zählen dabei Batteriesensoren, radarbasierte Fahrerassistenz-Systeme oder adaptive Licht-Systeme.

Im „Aftermarket“-Bereich bietet Hella für unabhängige Werkstätten mehr als 40.000 eigene und konzernfremde Teile und Diagnosegeräte an. Im Segment „Special Applications“ konzentriert sich die Firma hingegen auf die Bedürfnisse von Baumaschinen- und Bootsherstellern sowie Kommunen und Energieversorgern.

Führende Position im Nischenmarkt

Die Marktposition des Konzerns ist durchaus beeindruckend. Hella zählt weltweit zu den größten 4 Zulieferern für Lichtsysteme (Europa: Top1-2). Bei LED-Scheinwerfern ist Hella sogar Marktführer.

Im Bereich der Elektronikbauteile hat das Unternehmen als weltweite Nummer 2-3 beziehungsweise als Nummer 1-2 in Europa eine ähnlich starke Position. Als KFZ-Teilehändler zählt der Konzern in Europa ebenfalls zu den Top 3. Dabei profitiert die Firma von der internationalen Präsenz und hohen Entwicklungsaufwendungen, die eine schwierige Markteintrittsbarriere für neue Wettbewerber darstellen.

Beeindruckende Erfolgsgeschichte

In den vergangenen Jahren lief es für den Lippstadter Konzern ausgesprochen gut. Seit 2011 kletterten die Erlöse von 4,37 auf 6,99 Milliarden Euro im letzten Geschäftsjahr. Auch die Gewinnentwicklung kann sich durchaus sehen lassen. Immerhin verbesserte sich der Reingewinn deutlich überproportional von 154 auf 630 Millionen Euro in der gleichen Zeit. Mit einer Gewinnspanne von 9,01% erreichte Hella im zurückliegenden Geschäftsjahr das höchste Niveau der bisherigen Firmengeschichte.

Drittes Quartal zeigt bereits Bremsspuren

Doch das herausfordernde Umfeld hat im laufenden Geschäftsjahr bereits Spuren hinterlassen. So schmolz das Nettoergebnis in den drei Monaten per Ende Februar um rund ein Fünftel auf 51 Millionen Euro zusammen, während der Umsatz 4,7% auf 1,52 Millionen Euro nachgab. Die Analysten hatten im Vorfeld der Zahlen nur mit einem Rückgang um 3,5% gerechnet.

Prognose ausgesetzt

Im dritten Quartal hatte Hella vor allem mit dem Stillstand in China zu kämpfen. Dort laufen die Werke aber bereits wieder mit einer Auslastung von 60%. Weltweit bleibt die Situation aber herausfordernd. Die Automobilproduktion ist jüngst drastisch eingebrochen. Firmenboss Rolf Breidenbach hatte bereits vor gut zwei Wochen die Prognose ausgesetzt. Ursprünglich peilte Hella eine Vorsteuergewinnmarge von 6,5 bis 7,5% an. Diese Spannbreite ist nun nicht mehr haltbar.

Unterdessen hat der Lichtspezialist auf die Kostenbremse getreten. Rund die Hälfte aller Hella-Mitarbeiter sind inzwischen in Kurzarbeit. Die Kapazitätsauslastung liegt derzeit bei 40%. Derzeit liegt der Fokus vor allem auf einer starken Cash-Position. Hier sieht sich Hella gut gerüstet: Die liquiden Mittel belaufen sich auf rund 1,2 Milliarden Euro.

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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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