Hella-Aktie: Trotz stürmischem Gegenwind hält der Automobilzulieferer an seiner Prognose fest

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Hella: Lichtspezialist hält trotz Autokrise an Jahreszielen fest. Anleger honorieren die Zuversicht und treiben Aktie nach oben (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Die Zeiten sind hart. Kaum eine Branche wird derzeit so heftig gebeutelt wie die Autobranche und deren Zulieferer. Gewinnwarnungen und Massenentlassungen sind an der Tagesordnung. Ob Schaeffler, Conti, Leoni oder SAF Holland. Die Firmen bekommen sowohl die konjunkturelle Abschwächung als auch tiefgreifende Branchenumwälzungen zu spüren. China pusht Elektroantriebe, in der EU kommen noch strengere Abgasvorgaben – und in den USA lauern die Tech-Konzerne darauf, das Autofahren zu revolutionieren.

Da freuen sich die Anleger schon darüber, wenn eine Firma wie Hella „nur“ mit angezogener Handbremse in das neue Geschäftsjahr (startet bei Hella immer am 01. Juni) startet. Auch wenn das Getriebe auf Grund des schwierigen Branchenumfelds stottert, an den Jahresprognosen hält Hella-Chef Rolf Breidenbach vorerst fest. Die Anleger honorierten die Meldung und trieben die Aktie sogar um 3% nach oben.

Hella – alles rund um Lichttechnik

Falls Sie den Konzern noch nicht kennen. Hella ist ein global tätiger Zulieferer mit Produktionsstandorten in Europa, Asien und Amerika. Spezialisiert hat sich der Konzern auf Lichtsysteme und Fahrzeugelektronik. Das Unternehmen agiert in den drei Geschäftsbereichen Automotive (rd. 75% Umsatzbeitrag), Aftermarket (rd. 20% Umsatzbeitrag) und Special Applications (rund 5% Umsatzbeitrag).

Im Bereich „Automotive“ entwickelt, produziert und vertreibt Hella verschiedene Artikel für die Lichttechnik und Elektronik für Fahrzeughersteller und Zulieferbetriebe. Zum Angebot zählen dabei Batteriesensoren, radarbasierte Fahrerassistenz-Systeme oder adaptive Licht-Systeme.

Im „Aftermarket“-Bereich bietet Hella für unabhängige Werkstätten mehr als 40.000 eigene und konzernfremde Teile und Diagnosegeräte an. Im Segment „Special Applications“ konzentriert sich die Firma hingegen auf die Bedürfnisse von Baumaschinen- und Bootsherstellern sowie Kommunen und Energieversorgern.

Führende Position im Nischenmarkt

Die Marktposition des Konzerns ist durchaus beeindruckend. Hella zählt weltweit zu den größten 4 Zulieferern für Lichtsysteme (Europa: Top1-2). Bei LED-Scheinwerfern ist Hella sogar Marktführer.

Im Bereich der Elektronikbauteile hat das Unternehmen als weltweite Nummer 2-3 beziehungsweise als Nummer 1-2 in Europa eine ähnlich starke Position. Als KFZ-Teilehändler zählt der Konzern in Europa ebenfalls zu den Top 3. Dabei profitiert die Firma von der internationalen Präsenz und hohen Entwicklungsaufwendungen, die eine schwierige Markteintrittsbarriere für neue Wettbewerber darstellen.

Beeindruckende Erfolgsgeschichte

In den vergangenen Jahren lief es für den Lippstadter Konzern ausgesprochen gut. Seit 2011 kletterten die Erlöse von 4,37 auf 6,99 Milliarden Euro. Auch die Gewinnentwicklung kann sich durchaus sehen lassen. Immerhin verbesserte sich der Reingewinn deutlich überproportional von 154 auf 630 Millionen Euro in der gleichen Zeit. Mit einer Gewinnspanne von 9,01% erreichte Hella im zurückliegenden Geschäftsjahr das höchste Niveau der bisherigen Firmengeschichte.

Rückgang im ersten Quartal

Ungeachtet der erzielten Geschäftserfolge kann sich aber auch Hella der Branchenschwäche nicht länger entziehen. Das sehen Sie an den gerade präsentierten Ergebnissen für die letzten drei Monate. Der Umsatz schrumpfte um 12% auf 1,5 Milliarden Euro zusammen. Um Währungs- und Portfolioeffekte bereinigt gingen die Erlöse um 5,5% zurück. Auch auf der Margenseite mussten die Lippstadter Einbußen verkraften. Im gleichen Zeitraum sackte das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern um 15% auf nunmehr 113 Millionen Euro in den Keller.

Hella dennoch im Plan

Mit der Geschäftsentwicklung hat der Lichtspezialist trotzdem deutlich besser als der Markt abgeschnitten. Firmenchef Breidenbach sieht Hella daher auch weiterhin auf Plan, was die Erreichung der Gesamtjahresziele angeht. Bei einem Umsatz von 6,5 Milliarden Euro peilt die Gesellschaft eine EBIT-Marge von 6,5 bis 7,5% an. Trotz des Gegenwinds wird Hella bei seinen Forschungsinvestitionen ordentlich auf die Tube drücken. Allein im ersten Quartal flossen 167 Millionen Euro und damit mehr als 10% in die hauseigene Forschungsabteilung. Damit reagiert Hella auf den Branchenwandel (Stichwort autonomes Fahren, Elektrifizierung usw.) und versucht sich mit innovativen Produkten in Stellung zu bringen.

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Hella leidet unter Rückgang der AutoproduktionDer Lichttechnik-Spezialist und Autozulieferer Hella litt in den vergangenen Monaten unter der schwachen Autokonjunktur. Jahresziele allerdings bestätigt. › mehr lesen


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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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