Hella: Lichttechnikspezialist trotz Autokrise mit solidem Zahlenwerk

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Lichtspezialist meldet trotz schwacher Automobilbranche solides Zahlenwerk. Die Visibilität ist aber gering. Die Prognose wird beibehalten, sofern sich der Markt nicht weiter verschlechtert. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Die Aktie von Automobilzulieferern hatten es in den letzten Monaten wirklich nicht leicht. Handelskonflikte zwischen den USA und China, die Dieselkrise und die Umstellung auf die neue Abgastestverfahren WLTP machen der Autobranche seit langem zu schaffen. Kein Wunder also, dass viele der Aktien zuletzt nicht recht vom Fleck kamen.

Obwohl der breite Aktienmarkt seit Jahresbeginn deutlich anzog (DAX: +12%; MDAX: +17%), sackten Papiere wie ElrinKlinger (-9%), Grammer (-3%) oder Leoni (-34%) zum Teil deutlich in den Keller. Doch nicht alle Zulieferer gingen auf Talfahrt. Bestes Beispiel sind die Aktien des Lichttechnikspezialisten Hella, der ebenfalls die Automobilindustrie zu seinen größten Kunden zählt. Hier konnten Anleger seit dem Jahresstart sogar einen Gewinn von gut 30% einfahren.

Hella – alles rund um Lichttechnik

Bevor ich auf die jüngste Geschäftsentwicklung eingehe, möchte ich Ihnen die Firma noch näher vorstellen. Falls Sie den Konzern noch nicht kennen. Hella ist ein global tätiger Zulieferer mit Produktions-Standorten in Europa, Asien und Amerika. Spezialisiert hat sich der Konzern auf Lichtsysteme und Fahrzeug-Elektronik.

Dabei gliedert sich das Unternehmen in die drei folgenden Geschäftsbereiche:

  • Automotive (ca. 75% Umsatz-Beitrag),
  • Aftermarket (ca. 20% Umsatz-Beitrag)
  • Special Applications (ca. 5% Umsatz-Beitrag).

Im Bereich „Automotive“ entwickelt, produziert und vertreibt Hella verschiedene Artikel für die Lichttechnik und Elektronik für Fahrzeug-Hersteller und Zuliefer-Betriebe. Zum Angebot zählen dabei Batterie-Sensoren, radarbasierte Fahrerassistenz- oder adaptive Licht-Systeme.

Im „Aftermarket“-Bereich bietet Hella für unabhängige Werkstätten mehr als 40.000 eigene und konzernfremde Teile und Diagnose-Geräte an.

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Im Segment „Special Applications“ konzentriert sich die Firma hingegen auf die Bedürfnisse von Baumaschinen- und Boots-Herstellern sowie Kommunen und Energie-Versorgern.

Führende Position im Nischenmarkt

Die Marktposition des Konzerns ist durchaus beeindruckend. Hella zählt weltweit zu den größten 4 Zulieferern für Lichtsysteme (Europa: Top 1-2). Bei LED-Scheinwerfern ist Hella sogar Marktführer. Im Bereich der Elektronik-Bauteile hat das Unternehmen als weltweite Nr. 2 – 3 bzw. als Nr. 1 – 2 in Europa eine ähnlich starke Position.

Trotz widriger Bedingungen noch auf Wachstumskurs

Dabei zeigen Ihnen die gerade vorgelegten Quartalszahlen: Trotz harter Marktbedingungen konnte der auf Licht und Elektronik spezialisierte Konzern seinen Wachstumskurs fortsetzen. Im Neunmonatszeitraum kletterte der Umsatz noch um 0,8% auf 5,2 Milliarden Euro in die Höhe. Währungs- und portfoliobereinigt lag der Anstieg sogar bei 6,2%.

Ausschlaggebend für die vergleichsweise hohe Dynamik war die weiterhin starke Nachfrage nach Lichtsystemen und Elektroniklösungen, vor allem im Bereich der Fahrerassistenzsysteme sowie des Energiemanagements. Beim bereinigten operativen Ergebnis ging es um 5,6% auf 417 Millionen Euro nach oben.

Kein Licht am Ende des Tunnels sichtbar

Für den weiteren Jahresverlauf zeigt sich die Konzernführung aber wenig optimistisch. Zwar wird die bisherige Prognose (bereinigte Umsatzwachstum am unteren Ende und der Anstieg des bereinigten Ebit in der unteren Hälfte der Bandbreite von 5 bis 10%) bestätigt, aber die Marktbedingungen dürften schwierig bleiben. Unter dem Strich geht das Management sogar von einer nachlassenden Nachfrage und gleichzeitig steigenden Material- und Personalkosten aus.

Die Analysten erwarten im Schnitt für dieses Jahr einen Gewinn je Aktie 5,52 Euro. Damit liegt der Börsenwert bei dem 8-Fachen der erwarteten Profite. Auf den ersten Blick erscheint das für einen Qualitätskonzern alles andere als überteuert. Anleger sollten aber bedenken, dass in diesem Jahr wohl der Höhepunkt bei den Gewinnen erreicht wird und in den Folgejahren eher mit sinkenden Gewinnen zu rechnen ist.


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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.