Hella: Nach Gewinnwarnung zu hart abgestraft

Nebenwerte-Serie: Teil 10 - Hella (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Der deutsche Automobilzulieferer Hella, der erst seit dem vergangenen Jahr börsennotiert ist, schockte einige Anleger in der vergangenen Woche mit einer Gewinnwarnung. Die Hella-Aktie geriet daraufhin stark unter Druck – aus meiner Sicht zu stark.

Denn bei genauerem Hinsehen wird deutlich, dass die Gewinnwarnung nicht das Ergebnis einer operativen und schon gar nicht einer nachhaltigen Schwäche ist. Vielmehr gab es Probleme mit einem chinesischen Zulieferer, der überraschend und plötzlich seine Lieferungen eingestellt hat und Hella damit vor kurzfristige Probleme stellt.

Hella muss seine Lieferkette neu organisieren, was den operativen Gewinn (EBIT) des Unternehmens im laufenden Geschäftsjahr 2015/2016, welches Ende Mai 2016 endet, einmalig mit insgesamt 50 Mio. Euro belasten wird.

An den Umsatzzielen hält das Unternehmen jedoch nach wie vor fest. Auch das verdeutlicht, dass es sich nicht um ein nachhaltiges Problem handelt und das Unternehmen operativ nach wie vor gut aufgestellt ist. Daneben spricht eine relativ aktuelle Branchenstudie für Hella.

Viel Wachstumspotenzial in der LED-Sparte

Aus einer Branchenstudie geht hervor, dass im Jahr 2020 jedes 4. Auto mit Leuchtdioden-Frontscheinwerfern (LED-Frontscheinwerfern) ausgerüstet sein wird.

Dazu kommen immer mehr Anwendungen bei der Rück- und Innenraumbeleuchtung. Die Analysten vom Bankhaus Lampe schätzen den LED-Markt für automobile Anwendungen in diesem Jahr auf 1,8 Mrd. US-Dollar und erwarten bis 2020 ein durchschnittliches Wachstum von 15% pro Jahr.

Von diesem Trend wird ganz besonders der auf Lichttechnik spezialisierte Automobilzulieferer Hella profitieren. Das Lippstädter Familienunternehmen spielt in diesem Bereich eine führende Rolle.

Die Analysten des Bankhaus Lampe beschreiben die Fahrzeug-LED-Branche in ihrer Studie als „attraktive Wachstumsnische“. „Kosten und Effizienz der LED-Lichttechnik haben die kritische Schwelle überschritten, so dass einer raschen Akzeptanz nichts mehr im Wege steht“, heißt es in der Studie.

Besonders positiv für Hella ist, dass die Eintrittsbarrieren bei Leuchten- und Systemherstellern, wie Hella es ist, wegen der lang gewachsenen Kundenbeziehungen am höchsten sind. Das bedeutet: Für Konkurrenten ist es nahezu unmöglich, Hella in diesem Bereich Marktanteile streitig zu machen.

Aber nicht nur in der Automobilbranche wird Hella von der zunehmenden Bedeutung von LED-Scheinwerfern profitieren. Relevant ist die LED-Technologie auch im Bereich Special Applications, zu dessen Zielgruppe etwa Baumaschinen- und Bootshersteller zählen.

Hella erzielt derzeit 18% des Umsatzes mit Produkten mit LED-Anteil und 5 bis 10% mit Coll-LED-Leuchten. Bis 2020 könnte der Umsatzanteil mit Produkten mit LED-Anteil auf 30% steigen. Zudem profitiert Hella von einem ständig steigenden Elektronikanteil im Auto.

Fazit: Die deutliche Kursreaktion war übertrieben

Unterm Strich deckt sich die gute Positionierung des Unternehmens und die – abgesehen von dem negativen Einmaleffekt – operative Stärke von Hella nicht mit dem aktuellen Aktienkurs, der aus meiner Sicht in Folge der Gewinnwarnung zu stark unter Druck geraten ist.

Diese Einschätzung teilen offensichtlich auch die Analysten der großen Geschäfts- und Investmentbanken. Denn: Bei den aktuellen Studien zu Hella (nach der Gewinnwarnung) liegt das niedrigste Kursziel, das ich finden konnte, bei 44,20 Euro und damit deutlich über dem derzeitigen Kurs der Hella-Aktie.

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Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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