HelloFreh-Aktie: Kochboxanbieter mit starkem Wachstum

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Der Kochboxanbieter HelloFresh mit deutlichem Kurssprung: Die präsentierten Ergebnisse sorgen für eine positive Überraschung. (Foto: FOOTAGE VECTOR PHOTO / shutterstock.com)

Bislang verlief die noch junge Börsengeschichte des Lebensmittel-Lieferdienst HelloFresh eher enttäuschend. Nach dem Börsendebut im November 2017 kletterte die Aktie zwar von 10,25 Euro (Ausgabepreis) im ersten Halbjahr 2018 bis auf knapp 15 Euro, bröckelte danach aber im Zuge schwacher Geschäftsergebnisse deutlich ab. Im Dezember markierten die Papiere bei knapp unter 6 Euro ihren vorläufigen Tiefstand, bevor eine Trendwende einsetzte.

Dabei ging das jüngste Kursplus von gut 20% in der vergangenen Woche auf das Konto der gerade präsentierten Geschäftsergebnisse, mit denen der Konzern die Analystenerwartungen schlagen konnte.

HelloFresh – Lebensmittelboxen für Kochmuffel

Bevor ich Ihnen die aktuellen Zahlen im Detail vorstelle, möchte ich Ihnen erst noch das Geschäftsmodell der Firma vorstellen. Der Lebensmittelversender wurde 2011 von Dominik Richter gegründet und ist laut Unternehmensangaben in Deutschland und auch weltweit einer der größten Lieferdienste für Lebensmittel nach Rezept.

Dabei entwickelt das Unternehmen Kochrezepte und stellt dazu passende Lebensmittel zusammen, mit denen sich die Rezepte nachkochen lassen. Verbraucher können die Kochbox im Abonnement bestellen und erhalten einmal wöchentlich die aktuelle Lieferung. Viele Rezepte zurückliegender Lieferungen stellt HelloFresh auf der eigenen Internetseite kostenlos zur Verfügung.

In Deutschland kann der Abonnent zwischen drei Varianten wählen: einer Classic Box, einer Veggie Box mit vegetarischen Rezepten sowie einer Familiy Box. Diese Kochboxen enthalten eine variable Anzahl von fertig portionierten Mahlzeiten. Der Verbraucher hat dabei keine Möglichkeit, den Inhalt nach eigenen Wünschen genauer zu definieren.

Wachstum über Erwartungen

Nach mehreren Enttäuschungen konnte der Kochboxanbieter im zurückliegenden Geschäftsjahr die Erwartungen übertreffen. Währungsbereinigt und ohne Zukäufe kletterte der Umsätze nach vorläufigen Ergebnissen um 41%. Für Sie zum Vergleich: Die Prognose lag lediglich bei 32 bis 37% Umsatzwachstum.

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Einschließlich der beiden Zukäufe (Green Chef und Chef ’s Plate) dürfte der Jahresumsatz bei 1,28 Milliarden Euro gelegen haben. Dabei wurden rund 57% der Gesamterlöse in den USA erzielt. Allerdings verharrt der Lieferdienst weiterhin in der Verlustzone. Vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen dürfte der Verlust bei 54 bis 58 Millionen Euro gelegen haben. Die genauen Zahlen werden erst am 29. Januar präsentiert. Im vorherigen Geschäftsjahr (2017) hatte der Fehlbetrag noch bei rund 70 Millionen Euro gelegen.

Gewinnschnelle soll geknackt werden

Im abgelaufenen Geschäftsjahr tätigte der Internetkonzern gleich zwei Zukäufe. Mit Chef’s Plate hat HelloFresh einen kanadischen Wettbewerber übernommen. Der genaue Kaufpreis für Chef’s Plate Inc. ist nicht bekannt, es hieß aber, dass die Kaufsumme einen „mittleren zweistelligen Millionenbetrag in Kanadischen Dollar“ ausmachen würde. Mit dem Zukauf positioniert sich HelloFresh als klarer Marktführer in Kanada mit einem erwarteten Jahresumsatz von ca. 200 Millionen Kanadische Dollar im laufenden Geschäftsjahr.

Bereits im März 2018 schluckte HelloFresh den US-Wettbewerber Green-Chef. Der Wettbewerber hat sich auf Kochboxen mit organischen und gesunden Zutaten spezialisiert und dürfte einen Jahresumsatz von mehr als 60 Millionen Dollar einspielen.

Rocket Internet schlägt Aktien los

Unterdessen trennt sich der Großaktionär Rocket Internet von weiteren Aktien. Bereits Anfang Januar gab der börsennotierte Wagnisfinanzierer bekannt, dass er seinen Anteil von 48,71% auf 29,88% heruntergefahren hat. In der Vergangenheit hatte der Gesellschafter schon mehrfach Anteile des Berliner Startups abgestoßen.

Fazit: Mit den vorgelegten vorläufigen Zahlen konnte der Kochboxanbieter zuletzt positiv überraschen. Allerdings fehlt weiterhin der Proof of Concept. Ob das Geschäftsmodell wirklich langfristig funktionieren und vor allem ausreichend hohe Gewinnmargen abwerfen kann, wird sich erst noch zeigen müssen. Auch der Erzrivale Blue Apron in den USA verharrt trotz Wachstum weiterhin tief in der Verlustzone und die Aktie ging seit dem Börsengang kräftig auf Talfahrt (-80%). Hohe Kosten für Marketing und Logistik dürften bei beiden Konzernen die Chancen auf deutliche Gewinne vorerst begrenzen.


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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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