HelloFresh: Aktie des Kochboxversenders setzt Höhenflug ungebremst fort

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Eines steigende Marge sorgt für Euphorie unter den Anlegern der HelloFresh Aktie. Verlangsamt sich jetzt das Wachstum? (Foto: FOOTAGE VECTOR PHOTO / shutterstock.com)

Was ein Timing! Im April letzten Jahres trennte sich der Berliner Start-up-Investor Rocket Internet von seinen restlichen Anteilen am Kochbox-Versender HelloFresh. Insgesamt platzierte Rocket Internet 43,7 Millionen Aktien zu 8 Euro je Stück. Heute, gut 8 Monate später, stehen die Papiere bei 22,75 Euro und damit satte 184% höher. Derzeit erlebt die Aktie einen regelrechten Höhenflug, was nicht zuletzt an den gerade gemeldeten Zahlen zur Geschäftsentwicklung, die deutlich über den Markterwartungen lagen.

HelloFresh – Lebensmittelboxen für Kochmuffel

Bevor ich Ihnen die aktuellen Zahlen im Detail vorstelle, möchte ich Ihnen erst noch auf das Geschäftsmodell der Firma eingehen: HelloFresh ist ein Lieferservice für Lebensmittel. Das Unternehmen liefert die passenden Zutaten und die Rezepte für Gerichte zum selber Kochen an die Haustür. Die Lieferungen können individuell abgestimmt werden und die Essensplanung mit wöchentlich neuen Gerichtideen wird von HelloFresh übernommen.

Abonnenten des Services können jede Woche aus abwechslungsreichen Gerichten auswählen und sparen sich den Weg zum Supermarkt. Das Unternehmen wurde 2011 gegründet und ist in Großbritannien, Deutschland, den Niederlanden, Belgien, der Schweiz, Australien und Kanada aktiv. Der Unternehmenssitz befindet sich in Berlin und HelloFresh unterhält weitere Büros in New York, London, Amsterdam, Zürich, Sydney und Toronto.

Angehobene Prognose übertroffen

Zuletzt liefen die Geschäfte des Unternehmens ausgesprochen gut, so dass die Prognose vom Management im letzten Jahr bereits mehrfach angehoben wurde. Doch die gerade präsentierten Zahlen zeigen: Sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn hat das Berliner Unternehmen seine eigene Prognose sogar noch übertroffen.

Demnach ist der Umsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr vorläufigen Berechnungen zufolge auf 1,80 bis 1,81 Milliarden Euro nach oben geklettert. Das entspricht einem währungsbereinigten Zuwachs von immerhin 36%. Für Sie zum Vergleich: Zuletzt war die Konzernführung von einem Anstieg um 31 bis 33% ausgegangen.

Erstmals die Gewinnzone auf Jahresbasis erreicht

Noch stärker fiel aber die Diskrepanz bei der Ergebnisentwicklung aus. So soll das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) auf 45 bis 48 Millionen Euro gestiegen sein. Damit liegt die EBITDA-Marge bei 2,5 bis 2,7%, also deutlich über der zuletzt veröffentlichten Prognosespanne von 0,5 bis 1,75%. Im Vorjahr verharrte HelloFresh auf Gesamtjahresebene mit -55 Millionen Euro noch tief in der Verlustzone.

US-Geschäft läuft besser als erwartet

Vor allem das US-Geschäft machte den Anlegern Freude. Dort erzielen die Berliner immerhin mehr als eine Milliarden Euro Umsatz und kommen auf einen Marktanteil von inzwischen 50%. Laut den ungeprüften Zahlen reichte das für ein EBITDA von 9 bis 10 Millionen Euro. Damit hätte HelloFresh schneller die Profitabilität erreicht als ursprünglich geplant. Sie müssen wissen: Anfang 2019 hatten dort nach Preissenkungen noch Verluste zu Buche gestanden, während das Geschäft im Rest der Welt schon seit zwei Jahren operativ profitabel arbeitet. Allerdings sind in den operativen Zahlen 10 Millionen Euro an Rechtsrisiken ausgeklammert, auf die das Unternehmen in seiner Berichterstattung allerdings nicht näher eingegangen ist.

Fazit: Die operative Trendwende fiel deutlich stärker aus als von den Analysten erwartet. Vor allem weil Rivalen wie Just Eat zuletzt mit ihrer Geschäftsentwicklung eher enttäuscht hatten. Dennoch sollten sich Anleger in den kommenden Quartalen eher auf ein langsameres Wachstum und eine höhere Schwankungsbreite der Aktie einstellen.

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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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