HelloFresh: Kochboxversender baut mit Factor75-Deal Position in den USA aus

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HelloFresh kauft Factor75 für bis zu 277 Millionen Dollar: Spezialist für Fertiggerichte soll Wachstum im Kernmarkt USA weiter ankurbeln (Foto: FOOTAGE VECTOR PHOTO / shutterstock.com)

Bei HelloFresh laufen die Geschäfte auf Hochtouren. Der Berliner Konzern, der sich auf den Versand von Kochboxen spezialisiert hat, erfährt durch die Corona-Pandemie kräftigen Rückenwind. Das Unternehmen profitiert davon, dass Kunden verstärkt zu Hause bleiben und selbst kochen oder auch davon, dass die Gastronomie wie aktuell wieder geschlossen ist. Das macht sich mittlerweile stark im Aktienkurs bemerkbar. Konnten Anleger Ende 2018 noch Aktien für unter 6 Euro das Stück ergattern, müssen Sie inzwischen mehr als 44 Euro pro Anteilschein auf den Tisch legen.

Dabei setzen die Berliner nicht nur auf organisches Wachstum. Auch Zukäufe spielen in der Wachstumsstrategie eine wichtige Rolle. Gerade erst hat HelloFresh eine Offerte für das US-Unternehmen Factor75 auf den Tisch gelegt. Der Anbieter von fertigen, frisch zubereiteten Mahlzeiten soll die Marktposition im Kernmarkt in den Vereinigten Staaten weiter festigen.

HelloFresh im Portrait

Bevor wir zur gerade angekündigten Übernahme kommen, möchte ich Ihnen das Berliner Unternehmen gerne näher vorstellen. HelloFresh ist ein Lieferservice für Lebensmittel. Das Unternehmen liefert die passenden Zutaten und die Rezepte für Gerichte zum selbst Kochen an die Haustür. Die Lieferungen können individuell abgestimmt werden und die Essensplanung mit wöchentlich neuen Gerichtideen wird von HelloFresh übernommen.

Abonnenten des Services können jede Woche aus verschiedenen Gerichten auswählen und sparen sich den Weg zum Supermarkt. Das Unternehmen wurde 2011 gegründet. Der Unternehmenssitz befindet sich in Berlin und HelloFresh unterhält weitere Büros in New York, London, Amsterdam, Sydney, Auckland, Paris, Kopenhagen und Toronto.

Kernmarkt USA im Fokus

Mit der Übernahme von Factor75 will HelloFresh seine markführende Stellung in den USA weiter ausbauen. Dass lassen sich die Berliner einiges kosten. Bis zu 277 Millionen Dollar legt HelloFresh für den Anbieter von fertigen Mahlzeiten auf den Tisch. Factor75 ist auf fertige, frische Mahlzeiten spezialisiert, die der Kunde in der Mikrowelle oder im Backofen aufwärmen kann.

Ergänzung des Geschäftsmodells

Anders als bei den Kochboxen, welche die abgemessenen Zutaten und das Rezept für ein Gericht enthalten, erübrigt sich also das Kochen. Factor75 steht laut HelloFresh für eine ausgewogene Ernährung und guten Geschmack in Restaurantqualität. Im laufenden Jahr dürften bei dem Unternehmen Umsätze von rund 100 Millionen Dollar durch die Bücher gehen.

Die sogenannten Ready-to-eat-Angebote bezeichnet Hellofresh als Zukunftsgeschäft, das in den kommenden Jahren die Milliardenmarke beim Umsatz knacken könnte. Eine zusätzliche Produktionsstätte soll künftig die Kapazität deutlich erweitern, so dass künftig Mahlzeiten im Wert von über 500 Millionen Dollar produziert werden könnten.

Zudem hoffen die Berliner auf Synergieeffekte in der Lieferkette und im operativen Geschäft.

Übernahmepreis komplett in bar

Der Kaufpreis soll unterdessen in mehreren Stufen und komplett in bar erfolgen. Nach Vollzug, der in den nächsten Monaten erwartet wird, wird eine erste Tranche über 177 Millionen Dollar fällig. Der Rest des Kaufpreises (100 Mio. Dollar) soll nach dem Erreichen bestimmter Meilensteine ausgezahlt werden.

HelloFresh mit starken Geschäftszahlen

Bislang läuft es bei HelloFresh in diesem Jahr ausgesprochen rund: Von Juli bis September tätigten fünf Millionen Kunden fast 20 Millionen Bestellungen. Parallel dazu kletterte der Umsatz um gut 120% auf 970 Millionen Euro. Das bereinigte Betriebsergebnis sprang wegen geringerer Marketingausgaben von 15 Millionen auf fast 115 Millionen Euro. Unter dem Strich blieb ein Nettogewinn von 74,4 Millionen Euro hängen. Das war mehr als dreimal soviel wie vor einem Jahr.

Die Mitte Oktober zum dritten Mal in diesem Jahr erhöhte Prognose bestätigte das Management. Für das Gesamtjahr stellt das Management eine Verdoppelung des Umsatzes auf Basis konstanter Wechselkurse in Aussicht. Das um Sondereinflüsse bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen wird jetzt bei 12 % der Erlöse erwartet.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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