HelloFresh nach Zahlen unter Druck

Die Aktie von HelloFresh hat sich seit dem Börsengang im Vorjahr gut entwickelt. Die jüngsten Quartalszahlen setzen der Aktie jedoch zu. (Foto: FOOTAGE VECTOR PHOTO / shutterstock.com)

Die Zeiten haben sich geändert: Das Einkaufen gerät immer mehr in den Hintergrund, doch die gesunde Ernährung soll dabei gewahrt bleiben. Aus diesem Grund erleben die Dienstleister rund um das Thema Essen (weltweit) einen ungeheuren Zulauf.

Zum Wochenauftakt legte HelloFresh sein Zahlenwerk vor, welches absolut enttäuscht von der Börse aufgenommen wurde. Zu Unrecht, wie ich finde und erlaube mir daher, Ihnen den Titel etwas näher vorzustellen.

Unternehmensportrait

HelloFresh ist der weltweit führende Anbieter von Kochboxen – Pakete mit vorbereiteten Zutaten und einem Rezept, die im Abonnement erhältlich sind -, der in den USA, Großbritannien, Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Luxemburg, Australien, Österreich, der Schweiz und Kanada tätig ist.

HelloFresh lieferte im 3-Monatszeitraum vom 1. April 2018 bis 30. Juni 2018 48,9 Mio. Mahlzeiten an 1,84 Mio. aktive Kunden weltweit aus. Das Unternehmen wurde im November 2011 in Berlin gegründet und ist seit Ende des vergangenen Jahres an der Frankfurter Börse gelistet und dort Mitglied im SDAX.

Erfolgreiches Quartal

Im zweiten Quartal profitierte HelloFresh von einer deutlich gestiegenen Kundenzahl und seinem jüngsten Zukauf Green Chef. So konnte der Umsatz im Jahresvergleich um knapp 39% auf 319,7 Mio. Euro zulegen. Bereinigt um Währungseffekte gab es gar ein Plus von 48%. Der operative Verlust (bereinigtes Ebitda) sank auf 3,9 Mio. Euro und entspricht einem Verlustrückgang von 75%.

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Aussichten für das laufende Quartal positiv

Und auch die Aussichten sind insgesamt recht positiv: Insgesamt sollen die Erlöse in diesem Jahr 2018 – um Währungseffekte bereinigt – um 32 bis 37% im Vergleich zum Vorjahr zulegen. Aufgrund der geplanten Investitionen vor allem in den USA werde das Plus um 2 Prozentpunkte höher ausfallen als zuvor erwartet. Zudem sollen in den kommenden Monaten gezielte Investitionen getätigt werden, die sowohl im Kochboxensegment sowie kontinuierlich auch darüber hinaus gehen sollen.

Doch was sorgte jetzt für die deutlichen Minuszeichen? Die Anleger zeigten sich enttäuscht, dass die Gewinnschwelle aufgrund von Investitionen nun wohl erst 2019 und nicht bereits zum Ende des Jahres erreicht werden soll.

Angeschlagene Charttechnik

Durch den jüngsten Kursrückgang seit Beginn der Woche ist die Charttechnik allerdings ein wenig angeschlagen. Bei rund 12,50 Euro befindet sich allerdings eine nachhaltige Unterstützungslinie. Nach oben ist ein Widerstand in der Region von 14 Euro anzutreffen.

Sportliche Bewertung, nur für risikobereite Anleger

Ob das aktuelle Kursniveau günstig ist oder nicht, hängt auf Dauer davon ab, ob es dem Unternehmen gelingt, 2019 die versprochenen Gewinne zu liefern. Auch nach den jüngsten Kursverlusten wird die Aktie mit rund 2 Mrd. Euro Marktkapitalisierung noch recht sportlich bewertet. Daher sollten hier allenfalls risikobereite Anleger einen Blick riskieren.


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Von: Sascha Mohaupt. Über den Autor

Chefanalyst Sascha Mohaupt ist der Experte für Innovationen und High-Tech. In dem wohl am schwierigsten zu durchschauenden Markt für Zukunftstechnologien gibt er konkrete Kaufempfehlungen. Als Chefredakteur des Innovation Investor teilt er exklusiv seine neuesten Empfehlungen und seine Leser investieren damit schon heute in die Welt von morgen.