Henkel bleibt seiner Expansions-Strategie treu

Henkel kauft im Friseur-Geschäft für 485 Mio. € zu. Es ist gut möglich, dass dieser Übernahme jedoch ein noch größerer Deal folgen wird... (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Die Aktie des Konsumgüter-Herstellers Henkel hat trotz neuer Höchststände im deutschen Leitindex DAX noch nicht wieder zu alter Stärke zurückgefunden.

Knapp 10 € fehlen aktuell bis zum Hoch bei 129,90 € vom 20. Juni dieses Jahres.

Investoren bemängelten nach durchwachsenen Halbjahres-Zahlen die geringe Visibilität der Geschäfte.

Besonders im Kosmetik-Bereich – lange Zeit eine Bastion stabiler Preise – setzte eine Rabatt-Schlacht ein. Die Unsicherheit spiegelte sich daher bis Ende September in fallende Kurse wider.

Inzwischen ist die Aktie wieder ein wenig im Aufwind und am 14. November könnte der DAX-Konzern wieder viele neue Investoren bekommen.

Denn wenn es Henkel gelingt, mit starken Zahlen die Sorgen über das volatile und unsichere Marktfeld zu verringern, dann ist das Juni-Hoch schnell genommen.

Kosmetik-Bereich könnte im 3. Quartal erneut enttäuschen

Auf der anderen Seite: Verfehlt Henkel die Erwartungen, könnte die dann noch größere Unsicherheit über den Geschäftsverlauf die jüngste Kurs-Erholung wieder zunichte machen.

Negativ fällt dabei auf, dass Henkel den Kosmetik-Vorstand zum 1. November austauscht.

Pascal Houdayer – erst seit 1,5 Jahren mit dem kleinsten Henkel-Geschäftsbereich betraut – wird durch den Integrations-Künstler Jens-Martin Schwärzler ersetzt.

Es ist also gut möglich, dass dies eine Reaktion auf nicht zufriedenstellende Ergebnisse war.

Zukäufe werden Q3-Zahlen auf den 1. Blick sehr stark aussehen lassen

Ob die Henkel-Investoren bei Zahlenvorlage zufrieden sein werden, hängt zum Großteil von den bereinigten Zahlen ab.

Denn hohe Zuwachsraten wird Henkel zwangsläufig vorweisen. Der Konsumgüter-Riese hat eine Einkaufstour hinter sich, die natürlich Umsätze mit sich bringt.

Seit dem Sommer 2016 hat Henkel sogar gleich zweimal über 1 Mrd. Dollar für Zukäufe ausgegeben:

Die Henkel-Aktie leidet unter der Krim-KriseDie Henkel-Aktie muss seit Monaten Einbuße aufgrund der Krim-Krise hinnehmen. Der Konzern ist in Russland und der Ukraine sehr aktiv. › mehr lesen

1,1 Mrd. Dollar für den Verpackungs-Spezialisten Darex zur Stärkung der Klebstoff-Sparte und 3,6 Mrd. Dollar für den Waschmittel-Hersteller Sun Products.

Die Sun Products-Übernahme war dabei der zweitgrößte Zukauf der Firmengeschichte und katapultierte Henkel auf den 2. Platz im US-Waschmittel-Markt.

Im 2. Quartal lag das Wachstum in dem Bereich dann auch bei über 25%.

Übernahmen gehören seit jeher zur Henkel-Strategie

Neben den beiden Groß-Übernahmen tätigte Henkel auch mehrere kleinere und mittelgroße Deals, um zu wachsen.

Henkel setzt seit Jahren auf Übernahmen, um sein Geschäft zu stärken.

Erst vor wenigen Tagen kündigte Vorstandsboss Hans van Bylen an, dass man Kaufgelegenheiten nutzen werde, wenn Preis und Strategie passen; die Bilanz sei solide.

Schwärzle neuer Chef der Kosmetik-Sparte: Kommt da noch ein Milliarden-Deal?

Nur 5 Tage nach der Ankündigung vermeldet das Unternehmen dann auch direkt die nächste Übernahme:

Für 485 Mio. € übernimmt Henkel das nordamerikanische Friseur-Geschäft von Shiseido.

Henkel hat in dem Bereich bereits mehrere Deals getätigt, läuft aber immer noch den Platzhirschen L´Oreal und Unilever hinterher.

Es ist daher davon auszugehen, dass Henkel nach diesem Deal auf dem weltgrößten Markt für Haarpflege-Produkte weiter zukaufen wird.

Den richtigen Mann für die dann anstehenden Integrationen hat Henkel bereits auf den Chefsessel befördert:

Schwärzle hat erst erfolgreich Sun Products integriert und kann jetzt als Chef der Kosmetik-Sparte erneut sein Können unter Beweis stellen.

Es ist gut möglich, dass nach diesem Deal sogar noch ein weiterer Milliarden-Deal zur Stärkung des Geschäfts folgt.


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.