Henkel: Neue Bestmarken dank Übernahme-Kurs

Henkel liefert dank des Übernahme-Kurses Rekordzahlen ab. Die Beauty-Sparte schwächelt allerdings weiter. Kommt dort der nächste Milliarden-Deal? (Foto: chrisdorney / shutterstock.com)

Der Konsumgüter-Riese Henkel hat heute seine Geschäftszahlen für das Jahr 2017 vorgelegt und konnte damit bei den Investoren punkten. In einem schwachen Gesamtmarkt legt die Aktie des DAX-Konzerns fast 3% zu.

Die Zahlen zeigten dabei, dass sich der Henkel-Expansionskurs der vergangenen beiden Jahre auszahlt. Nicht zuletzt die Übernahme des Waschmittelherstellers Sun Products für 3,6 Mrd. Dollar und die Übernahme des Verpackungsspezialisten Darex für 1,1 Mrd. Dollar sorgten für Rekordergebnisse.

Umsatzrekord, höhere Profitabilität, Gewinnanstieg und Dividendenanhebung

Henkel konnte erstmalig in seiner 140 jährigen Unternehmensgeschichte den Umsatz auf über 20 Mrd. Euro steigern. Die Erlöse fielen mit 20,3 Mrd. Euro 7% höher aus als im Vorjahreszeitraum. Organisch – also bereinigt um Zukäufe – legte der Umsatz um 3% zu.

Wie im Vorfeld vermutet, war Henkel operativ ebenfalls sehr erfolgreich. Dank einer schnellen Integration der Zukäufe, legte das operative Ergebnis um 9,1% auf 3,2 Mrd. Euro zu, wobei sich alle drei Unternehmensbereiche positiv entwickelten.

Auf Konzernebene stieg die Gewinnspanne (EBIT-Marge) um 40 Basispunkte auf 17,3% und unter dem Strich kletterte der Gewinn je Vorzugsaktie auf 5,85 Euro.

Henkel kündigte an, dass die Aktionäre stärker am Unternehmenserfolg beteiligt werden sollen. Der Hauptversammlung wird eine Dividendenzahlung von 1,79 Euro je Aktie vorgeschlagen, im Vorjahr wurden 1,62 Euro je Aktie ausgeschüttet.

Entwicklung im Geschäftsbereich Beauty weiterhin enttäuschend

Unter besonderer Beobachtung stand bei Zahlenvorlage der Geschäftsbereich Beauty. Lange Zeit war das Kosmetikgeschäft eine Bastion stabiler Preise, doch im Vorjahr setzte dort eine Rabattschlacht ein.

Letztendlich erzielte der Bereich 2017 zwar ein kleines organisches Umsatzwachstum von 0,5%, im Weihnachtsquartal waren die Umsätze allerdings rückläufig. Das Unternehmen zeigte sich angesichts der Entwicklung enttäuscht und versucht mit neuen Produkten und einem besseren Marketing gegenzusteuern.

Den Spekulationen um einen Verkauf oder schrittweisen Rückzug aus dem Geschäft erteilte Unternehmenschef Hans van Bylen eine Absage.

Henkel könnte 2018 das Kosmetikgeschäft mit Milliardendeal auf Vordermann bringen

Die Probleme der Beauty-Sparte sind nicht neu und es ist nicht unwahrscheinlich, dass Henkel statt eines Rückzugs 2018 den Ausbau des unter Druck stehenden Geschäftsbereiches plant.

Im vergangenen Oktober übernahm der Konsumgüter-Riese zur Stärkung bereits das Haarpflege-Unternehmen Zotos International für 485 Mio. Dollar vom japanischen Kosmetik-Konzern Shiseido.

Zudem deutet die Ernennung von Jens Martin-Schwärzle zum Chef der Beauty-Sparte darauf hin, dass ein weiterer größerer Deal im Anmarsch ist. Der Manager hat bereits sehr erfolgreich Sun Products integriert und könnte jetzt als Chef der Kosmetiksparte den Auftrag erhalten haben, sein Können noch einmal unter Beweis zu stellen.

Henkel weiß, dass es ohne Übernahme schwierig wird, mit den Platzhirschen L’Oreal und Unilever mitzuhalten. Wenn Henkel im Kosmetik-Massenmarkt verlorenes Terrain zurückgewinnen will, dann ist ein größerer Deal fast schon Pflicht.

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.