Henkel: Rekordzahlen dank Übernahme-Kurs, doch der Gegenwind nimmt zu

Die Aktie des Konsumgüter-Herstellers Henkel geriet gestern stark unter Druck:

In einem schwachen Marktumfeld sackten die Titel der Düsseldorfer um über 4% ab. Es waren Geschäftszahlen zum 2. Quartal, die den Investoren sauer aufstießen.

Auf den 1. Blick könnten Sie annehmen, dass der Konzern vor Stärke strotzt: Fast 10% Umsatz-Wachstum, stabile Margen und 10% Gewinn-Anstieg zeigen keinen Krisenfall.

Doch so gut wie die Zahlen auch wirken: Bei einem genauen Blick offenbaren sich Schwächen:

Darex und Sun Products: Henkel setzt auf externes Wachstum

Das Übernahme-Geschäft hat Henkel groß gemacht. Immer wieder kaufte der Konsumgüter-Riese zu; seit Sommer 2016 sogar gleich 2x für über 1 Mrd. Dollar.

So übernahm Henkel den US-amerikanischen Waschmittel-Hersteller Sun Products für 3,6 Mrd. Dollar.

Mit dem zweitgrößten Zukauf der Unternehmens-Geschichte stieg Henkel zur Nr. 2 im US-Waschmittel-Markt auf.

Im Frühjahr dieses Jahres dann der nächste Milliarden-Deal: Zur Stärkung der Klebstoff-Sparte kaufte Henkel den Verpackungs-Spezialisten Darex für 1,1 Mrd. Dollar.

Organisches Wachstum verfehlt die Erwartungen

In den Zahlen zum 2. Quartal wurden die Ergebnisse der übernommenen Sun Products berücksichtigt.

Das Waschmittel-Geschäft fiel daher mit einem Wachstum von über 1/4 besonders stark aus.

Doch rechnen Sie den Beitrag der Übernahme heraus, zeigt sich nur noch ein Wachstum von 2,1%.

Und auch auf Konzern-Ebene blieb das organische Wachstum mit 2,2% am unteren Ende des Zielkorridors.

Volatiles und unsicheres Umfeld – 2. Halbjahr mit geringer Visibilität

Das geringe organische Wachstum zeigt, das sich mit Übernahmen zwar neue Absatz-Quellen erschließen lassen, doch andererseits auch nicht der Allheilsbringer sind.

Denn der Druck in 2 von 3 Kernbranchen Henkels wächst mit oder ohne Deal.

Henkels organisches Wachstum lag sogar in allen 3 Firmenbereichen unter den Erwartungen. Und in der 2. Jahreshälfte dürfte es auch nicht viel besser laufen…

Henkel stellt die Investoren auf ein volatiles und unsicheres Marktumfeld ein.

Dass bei schwer einzuschätzender Entwicklung nicht jeder Investor dem Konzern die Treue hält, ist verständlich.

Henkel steuert auf Rekord-Ergebnisse zu – Kosmetik-Sparte könnte Investoren enttäuschen

Die Henkel-Geschäftszahlen werden im 3. Quartal und am Ende des Jahres dennoch gut aussehen.

Nach dem übernahmegetriebenen Wachstum im 1. Halbjahr werden im 2. Halbjahr die Darex-Übernahme und die Sonderhoff-Übernahme mitbilanziert.

Die hochmargige Klebstoff-Sparte wird daher noch mehr glänzen. Daneben wird sich allerdings zeigen müssen, was Henkel erreichen kann.

In der Kosmetik-Branche – bis vor Kurzem noch eine Bastion stabiler Preise – setzte zuletzt eine nie dagewesene Rabatt-Schlacht ein.

Einige Analysten sind bzgl. Aktie daher auch vorsichtiger geworden und senkten ihre Kursziele.

Henkel wird zwar dank der Übernahmen Rekord-Ergebnisse präsentieren, doch unter der Oberfläche zeigen sich Risse.

11. August 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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