Herschey-Übernahme-Gespräche gescheitert

Aus der Schoko-Hochzeit zwischen der Milka-Mutter Mondelez und dem US-amerikanischen Konzern Hersheys wird es vorerst nichts.

Der Bieter teilte gestern Abend nach Börsenschluss mit, dass er keinen umsetzbaren Weg für einen Deal sieht.

Es heißt, dass die Preisvorstellungen der beiden Unternehmen zu weit auseinander lagen.

Mondelez war Insidern zufolge bereit 115 Dollar je Aktie zu zahlen – für Hershey waren 125 Dollar je Aktie Bedingung, um sich überhaupt an den Verhandlungstisch zu setzen.

Mondelez wollte mit Hershey-Übernahme neue Nr. 1 werden – doch nicht um jeden Preis

Rückblick: Hershey erhielt Ende Juni dieses Jahres ein 23 Mrd. Dollar schweres Übernahme-Angebot von Mondelez.

Der Bieter wollte mit dem Zukauf auf dem attraktiven US-Markt wachsen, nachdem eine Expansions-Strategie in den Schwellenländern nicht den erhofften Erfolg brachte.

Ein Zusammenschluss der Nr. 2 mit der Nr. 5 hätte den größten Schokoladen-Konzern der Welt geformt. Der Übernahme-Kandidat war auch nicht grundsätzlich gegen einen Deal.

Doch der Preis von 107 Dollar je Aktie war Hershey zu wenig. Es wurde nachverhandelt, doch die Positionen lagen offenbar zu weit auseinander und endeten mit einem Abbruch der Gespräche.

Hershey-Aktie nach Übernahme-Aus deutlich schwächer

Der Aktienmarkt hatte einer Übernahme lange große Chancen eingeräumt. Mit 110 Dollar notierte das Hershey-Papier die ganze Zeit über dem Preis der ursprünglichen Offerte.

Es wurde spekuliert, dass die Hershey-Stiftung, ohne deren Zustimmung ein Deal unmöglich ist, nach diversen Querelen und Personal-Rochaden die Übernahme-Idee gut finden könnte.

Da jetzt ein Deal allerdings vom Tisch ist, wurde auch die Übernahme-Chance wieder „ausgepreist“. Im frühen New Yorker Handel verliert das Papier 11,1% auf 99,30 Dollar.

Die Mondelez-Aktionäre reagieren dagegen positiv. Einige Investoren befürchteten, dass die Unternehmens-Führung es bei der Preisfindung nicht so genau nimmt und für Hershey zu tief in die Tasche greift.

Diese Gefahr ist jetzt gebannt; die Aktie gewinnt 3,6% auf 44,60 Dollar.

Übernahme-Chance nach Deal-Aus nicht bei 0%

Die Anzahl geplatzter Deal häuft sich in diesem Jahr. Das liegt zwar auch daran, dass die Übernahme-Aktivität sehr hoch ist.

Doch auch andere Gründe wie Wettbewerbs-Behörden, CFIUS, Änderungen im US-Steuerrecht und – wie jetzt – verschiedene Preisvorstellungen, lassen ungewöhnlich viele Deals scheitern.

In diesem Fall bedeutet das Übernahme-Aus allerdings nicht zwangsläufig, dass ein Hershey-Deal komplett vom Tisch ist. Spekuliert wird, dass KraftHeinz sich Hershey jetzt genauer angucken könnte.

Da das Preisschild von 125 Dollar aushängt, könnte auch ein Konsortium von Finanz-Investoren einen Vorstoß versuchen.

Es ist nicht auszuschließen, dass die einen Weg sehen, wie sich der seit 2013 fallende operative Gewinn wieder steigern lässt – was dann aber die Frage aufwirft, ob die Hershey-Stiftung zu überzeugen ist.

Sollte aus den beiden Spekulationen nichts werden, könnte im kommenden Jahr Mondelez noch einmal bei dem Übernahme-Kandidaten vorsprechen.

Beide Seiten wissen, dass eine Bündelung der Kräfte sehr vorteilhaft ist. Und nicht selten kommt es nach geplatzten Verhandlungen doch noch zu einem Deal.

30. August 2016

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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