Hertz-Aktie: Sixt dementiert Übernahmegerüchte und schickt Hertz-Aktie in den Keller

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Hertz-Aktie: Sixt dementiert Übernahmegerüchte und schickt Hertz-Aktie in den Keller (Foto: Ekaterina Lin / Shutterstock.com)

Die Aktien des Mietwagenanbieters Hertz Global waren zuletzt nichts für schwache Nerven. Erst purzelten die Papiere von August bis Oktober von knapp 22 Dollar bis auf 13 Dollar in den Keller. Dann folgte eine von starken Zahlen und Übernahmegerüchten getriebene Gegenbewegung, die den Kurs um mehr als 50% nach oben beförderte. In den letzten Tagen wurde der Durchmarsch abrupt gestoppt, weil Sixt sich erstmals öffentlich zu den Übernahmegerüchten geäußert hat.

Mietwagenriese mit Tradition

Bestimmt kennen Sie Hertz als Mietwagenfirma, aber wussten Sie, dass es den Konzern bereits seit 1918 gibt? Damals begann Walter L. Jacobs, reparierte Gebrauchtwagen zu vermieten. Das Unternehmen expandierte und hatte Anfang der 1920er Jahre einen Jahresumsatz von 1 Millionen Dollar. Nach zahlreichen Eigentümerwechseln gehört das Unternehmen heute mit 7.900 Stationen weltweit zu den größten Anbietern auf dem Mietwagenmarkt.

Vor einigen Jahren beschloss Hertz die Trennung vom Mietwagen- und Ausrüstungsverleihgeschäft. Damit spaltet sich Hertz in zwei Firmen auf: Hertz Global Holdings (Autovermietung, Leasing-Geschäft) und Herc Holdings, welches das Geschäft mit dem Verleih von Industrie- und Konstruktionsausrüstung umfasst.

Im vergangenen Jahr erwirtschaftete der Mietwagenkonzern Hertz Global bei einem Jahresumsatz von 8,8 Milliarden Dollar einen Gewinn in Höhe von 327 Millionen Dollar.

Fortschritte auf dem Weg zum Turnaround

Dabei hat der Hertz-Konzern keine einfachen Zeiten hinter sich. Hausgemachte Probleme im operativen Bereich, zunehmender Wettbewerb und Wachstumsschmerzen sorgten für kräftigen Gegenwind. Vor zwei Jahren rutschte der Mietwagenspezialist sogar deutlich in die Verlustzone (-491 Millionen Dollar). Doch zuletzt hat sich die Situation wieder etwas entspannt.

Im abgelaufenen dritten Quartal konnte der US-Konzern ein Umsatzplus von 7,4% auf 2,76 Milliarden Dollar erzielen. Das lag immerhin 80 Millionen Dollar über den Analystenschätzungen. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Gewinnentwicklung. So verbesserte sich der Gewinn je Aktie auf 1,68 Dollar um 50% zum Vorjahr.

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Sixt-Boss erteilt Übernahmegerüchten eine Absage

Trotz des sich abzeichnenden operativen Turnarounds hat Sixt-Firmenboss Erich Sixt offenbar keine Absichten, den US-Rivalen zu schlucken. Sie müssen wissen: Bezüglich Übernahmen anderer Autovermieter hatte sich Erich Sixt in der Vergangenheit immer skeptisch geäußert und auf Bilanzrisiken, unterschiedliche Profitabilität und unterschiedliche Firmenkulturen verwiesen. Wenig verwunderlich, dass er auch von Hertz die Finger lassen möchte.

Sixt spielt in einer anderen Liga

Auch wenn der deutsche Autovermieter deutlich kleiner als sein US-Konkurrent ist, müssen sich die Pullacher nicht verstecken. Denn bei der Profitabilität hat Sixt deutlich die Nase vorne. Zuletzt lag die Gewinnmarge bei über 13% und damit deutlich über dem Niveau von Hertz (rd. 5%). Auch der bisherige Jahresverlauf war ausgesprochen stark. Dank stark wachsender Nachfrage von Firmen- und Privatkunden sowie Touristen im In- und Ausland steigerte Sixt den Umsatz von Januar bis September auf 2,2 Milliarden Euro, ein Plus von 13% gegenüber dem Vorjahr.

Wiederholt hatte Sixt in diesem Jahr übrigens die Gewinnziele nach oben geschraubt. Für das Gesamtjahr peilt Sixt nun ein operatives Umsatzplus von rund 10% auf 2,5 Milliarden Euro an. Die Verkaufserlöse für Gebrauchtwagen sind hierbei nicht berücksichtigt. Das Vorsteuerergebnis soll um 15 bis 20% nach oben klettern.

Warum trotzdem immer wieder die Gerüchteküche brodelt

Erst gab es Spekulation, Sixt sei an Avis interessiert – jetzt machten die „Hertz-Gerüchte“ die Runde. Auch wenn Sixt die Übernahmespekulationen dementiert, strategisch hätte solch ein Megadeal durchaus seinen Charme. Denn mit dem Kauf von Hertz würde man einen riesigen Rivalen aus dem Weg räumen. Auf einen Schlag wären die Pullacher einer der größten Autovermieter in Europa. Zusammen mit Hertz käme man auf einen Marktanteil von deutlich über 20% und könnte am Branchenprimus Europcar vorbeiziehen.

Dennoch dürfte ein Megadeal eher unwahrscheinlich sein. Firmengründer und Vorstand Erich Sixt hält weiterhin 61,6% aller Sixt-Aktien und ist für seinen Weitblick und Fokus auf eine solide Bilanz bekannt. Bislang haben die Pullacher auf spektakuläre Übernahmen verzichtet. Dem Aktienkurs hat es nicht geschadet. Auf Fünfjahressicht haben sich die Sixt-Papiere trotz der jüngsten Korrektur vervierfacht.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.