Heute 14.30 Uhr: Entscheidende Konjunkturzahlen aus den USA

Nach der jüngsten Kurs-Rallye heißt es heute nachmittag den Atem anzuhalten.

Um 14.30 Uhr melden die USA die neuesten Zahlen der Arbeitslosenstatistik.

Dies ist an sich Routineübung, hat sich aber zu einem Spiel der besonderen Art entwickelt. Denn die US-Regierung hat gerade im Wahljahr größtes Interesse daran, die Statistik zu verfeinern. Deren Mittel:

Ganz simpel wie bei uns in Deutschland fallen bestimmte Sucher-Gruppen einfach aus. Dies betrifft bestimmte Altersgruppen, die wahlweise nicht mehr mitgezählt werden oder Schichten, die in anderer Weise dem Arbeitsmarkt scheinbar „fehlen“, etwa weil sie in sonstigen Maßnahmen ausgehalten werden.

14.30 Uhr: Mehrere Interpretationen

Für die Börsen wird der Termin trotzdem interessant sein. Denn die Märkte reagieren vor allem auf die offiziellen Daten, auch wenn diese frisiert sind.

Daher wird 14.30 Uhr zum Pflichttermin für alle kürzerfristig interessierten Investoren. Im vergangenen Monat betrug die Arbeitslosenquote 8,5%. Diesen Wert sollte die USA erneut erreichen, um damit eine stabile Konjunktur anzuzeigen.

Wir meinen dazu, dass die inoffizielle Arbeitslosigkeit bereits bei ungefähr 17% bis 20% liegt. Die Wirtschaftsentwicklung steht somit auf schwächeren Beinen als etwa vor zehn Jahren. Würden die Börsen dies einpreisen, stünden die Kurse morgen nachmittag niedriger. Aber:

Kurzfristig sind lediglich die offiziellen Zahlen der US-Behörden interessant.

Prognose: Statistik ist „gut“

Daher prognostizieren wir auch, dass die Börsen von einer „guten“ Statistik profitieren können. Wie gesagt:

Das Wahljahr ist ein wichtiger Grund für gute Statistiken. Darüber hinaus versuchen die USA aber auch, mögliche Panikschübe innerhalb der Bevölkerung zu vermeiden. Denn:

  • Im Kern sind weite Teile des Mittelstands verarmt.
  • Kommunen und größere Verwaltungseinheiten wie ganze Bezirke haben schlicht kein Geld mehr.
  • Dies können Sie daran sehen, dass staatliche Einrichtungen wie die Feuerwehr oder Schulen immer weniger Personal haben oder sogar geschlossen werden.
  • Damit fehlen aber auch Jobs und Einkommen, um nachhaltig die Wirtschaft anzutreiben. „Jobwunder“, wie sie immer wieder beschrien werden, sind in den USA 2012 nicht zu erwarten.

Konjunktur ist mäßig

Damit ist und bleibt die US-Konjunktur vergleichsweise mäßig. Dies wird derzeit noch kaschiert, indem etwa um 14.30 Uhr offiziell gute Daten durch die Medien geistern.

Auch die bis 2014 noch niedrigen Zinsen befeuern die Wirtschaft noch an. Somit retten sich Banken, indem der Immobilienmarkt noch halbwegs intakt ist und Immobilien verkauft werden können, die ansonsten schlicht leer stünden (mit Bildern wie in Irland).

Aber: dieser Aufschwung steht auf tönernen Füßen. Die Börsen streben – etwa über die Nasdaq mit dem „Zehn-Jahres-Hoch“ am 1.2., weiter nach oben. Wie lange, steht in den Sternen.

GeVestor meint: Vorsicht. Fallen die Zahlen heute Nachmittag noch schlechter aus, wird es zu massiven Kursverlusten an der Börse kommen. Setzen Sie daher heute im Zweifel Stop-Loss-Limits.

3. Februar 2012

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Jan Aalto
Von: Jan Aalto. Über den Autor

Jan Aalto ist der Experte für Wirtschaft und Geldanlage.

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